Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1845)
- Date
- 1845-01-08
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 - will. Indessen stehen alle diese Dinge schon lange in den rabbinischen Schriften und haben keine Ansiedlung der Juden in Palästina bewirkt, und die Wiederholung dieser Behauptungen, an und für sich und ohne Unterstützung anderer Gründe, würde auch jetzt keine sonderliche Wirkung Hervorbringen. Offenbar aber ruht die jetzige Bewegung der Gemüther auf einer andern und tiefem Ursache und wir haben in der Rückwanderung so vieler Israeliten nach ihrem alten Heimathlande eine Regung zu erkennen,;bie zu den bedeutendem Zeichen der reisenden Zeit gehört. Frankreich. Parks, Ende Novbr. 1844. (Zerstreute Mitteilungen). Hr. S. Munk hat in dem bei FirminDidot erscheinenden „Univers“ den größten Th eil. seiner „G eschl ch t e von Palästina" veröffentlicht. Dieses Geschichtswerk soll den Ruhm des berühmten Orientalisten noch mehr befestigen. Die polytechnische Schule zählt dieses Jahr viele Juden unter ihren Zöglingen. — Hr. R. Ieramec, Sekretär des Konsistoriums zu Paris, Vice-Präsident des Komite'ö zur Unterstützung und Aufmunterung, hat soeben, durch k. Entschluß vom 29. August, eine Ehrenmedaille erhalten. Unser ehrwürdiger Glaubensgenosse hat sich dieser hohen Auszeichnung durch eine jener humanen Handlungen erworben, bei denen man nicht weiß, was man mehr bewundern soll, ob den Muth des Bürgers oder die Nächstenliebe. Folgendes liest man in den Journalen v. Juni 1843 über diese Handlung: „Gestern Morgens um 8 Uhr ist der junge Duval, acht Jahre alt, in den Kanal St.-Martin gefallen. Bon dem Geschrei der Zuschauer dieses Vorfalls herbeigezogen, hat sich Hr. Rafael Jeramec, ein achtbarer Kaufmann, in den Kanal gestürzt, wo es ihm gelang, das Kind zu ergreifen. Der überschüssige Rand setzte das Leben des Kindes und dessen Retter in Gefahr, als der Schleusenmeister Jaulet glücklicherweise ihnen zu Hilfe gekommen ist. — Hr. I. Bloch ist durch einen Ministerialbeschluß vom 18. Nov. 1844, zum Rabbiner in Altkirch ernannt worden. — Am 10. Nov. fand eine Versammlung statt, die sich die Hebung des religiösen Lebens unter den jüdischen Franzosen zur Aufgabe machte. — Hr. N. v. Rothschild ließ für seinen neugebornen Knaben einen Mohel aus London kommen. — L’Univ. asr. Deutschland. Hamburg, 23. Decbr. Dem vor acht Tagen voraufgegangenen Resumv der neuesten Vorgänge auf dem jüdisch-kirchlichen und politischen Gebiete innerhalb Deutschlands lassen wir heute eine zusammenfassende Uebersicht der jüngsten, auf die Zustande des Juden des Auslandes bezüglichen Thatsachen folgen, wobei wir auf analoge deutsche Verhältnisse abermals zurückkommen werden. Nachträge zu beiden Artikeln behalten wir uns für den Anfang dieses Jahres vor. Wenden wir uns zuerst zu den nichtdeutschen Provinzen deutscher Staaten, so erblicken wir zunächst in Ungarn eine unfruchtbar gebliebene legislative Thätigkeit des Reichstages. Durch die Amendements der Magnaten hatten die Vorschläge der untern Tafel bereits sehr gelitten; obgleich diese nun die Beschränkungen des Emancrpationsgesetzentwurfes pure angenommen, ist doch noch von keiner Bestätigung desselben durch die kaiserlich österreichische Negierung die Rede. — Durch Chorin's Tod ist das Arader Rabbinat erledigt; gleichzeitig finden Vakanzen in Hannover, Hildesheim, Breslau, Prag, Kassel und bald wohl auch in Emden statt. — Die galizisch.jüdischen Zustande hat eine besondere, in Leipzig erschienene Broschüre beleuchtet. — Im Großherzogthum Posen scheint jetzt eine größere literarische Thätigkeit (Hirschseld gegen Ghillcmy, Krakauer gegen Dr. W. Fränkel rc.) sich entfallen zu wollen; auch sollen in Krotoschin viele talmudistische Bücher gedruckt werden, von denen eine Anzahl Exemplare an der polnisch-russischen Grenze den Verdacht der unwissenden und rohen Grenzwachter, als seien sie kommunistischen Inhalts, erregt haben und deshalb angehalten worden sein sollen. — In Ostpreußen macht die Absicht des Dr. med. Falksohn zu Königsberg, eine gemischte Ehe mit der Tochter eines christlichen Beamten zu schließen, vieles Aufsehen. — Gehen wir nun zu dem vom Könige von Dänemark (als Herzog) beherrschten Schleswig über, so hat sich leider die Majorität der Ständeversammlung gegen die Theilnahme der Juden an der Wehrpflicht erklärt. Das Konnte der (deutschen) holsteinischen Stände zu Itzehoe stimmt diesem Ausspruche bei, „weil sie keine staatsbürgerlichen Rechte besäßen." Uns erscheint dies als ein (Zirkelschluß, von dem wir wünschen, daß die Stände selbst ihm keine Sanktion ertheilt haben möchten (der Ausgang der Debatte ist uns nämlich noch unbekannt). — Unter den skandinavischen Reichen nimmt Norwegen gegenwärtig am meisten unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Dort wird das Schicksal des §. 2 des Grundgesetzes vom Storthing des Jahres 1845 entschieden werden. Doch läßt die Bestimmung in Betreff der portug. Juden schon jetzt eine sehr weite Auslegung jenes Paragraphen zu. — In Rußland ist ein Unterrichtsgesetz erlassen worden, das aber noch lange auf dem Papiere stehen bleiben dürfte. Ukase und moderne Trachten wirken weniger als humane Behandlung, deren Anwendung auf die Juden Rußlands und Polens noch immer nicht erfolgt. — Auch in Krakau ist die Lage der Juden seit 1830 progressiv beklagenswerther geworden. — In England ist ein neuer Rabbiner (Dr. Adler zu Hannover) und ein neuer Prof, der hebr. Sprache an der Londoner Universität (Dr. Marx) gewählt worden. —