Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 1 (1.1.1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Spalte 13-14 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Kritiken- Kurze Anzeigen, 14 daß die Streitenden auf der Hohe der Zeitbildung stehen; auch ist sie allein geeignet, nach außenhin diejenige Achtung einzuflößen, nach welcher wir mit Recht streben sollen. Im übrigen empfehlen wir obiges Schristchen, nicht in so weit es gegen Holdheim gerichtet ist, dessen vielfältige Verdienste wir keinesweges verkennen, sondern insofern es manche sehr ansprechende und geistreich-belehrende Stellen darbietet. Frankfurt a. M. Dec. 1344. I. M. Jost. 71) Lehrbuch zur Sprache der Mischna, von Dr. Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau. Erste Abtheilung. ‘ Lehrbuch. Breslau bei Leuckart, 1845. 8. VII!. 54. (Zw eiter A rtikel.) (Fortsetzung.) Wir sind nun an die Grenze der Zeit angelangt, in welcher die Sammlung und Redaktion dieses Schriftdenkmals entstanden ist, welches uns jetzt besonders beschäftigt, der Mischna nämlich, welche unbezweifelr ihre meisten Bestandtheile aus einer frühern, ja sehr frühen Zeit herdatirt. Wir werden demnach die Mischnasprache nicht als ein Erzeugnis einer verknöcherten formulirten Schulsprache, sondern als den Reflex des lebendigen Volksbewußtseins, als der gediegene letzte Ausläufer des biblischen Idioms zu betrachten haben. Hat die Mischnasprache auch nicht den poetischen Glanz, die prophetische ^Erhabenheit und den rhythmischen Wohllaut der Bibelsprüche, so hat sie dafür an Klarheit des Ausdrucks, an Reichtyum der Worte und Wendungen vieles voraus und wenn man ihr, nach hergebrachten Formeln, das goldene und silberne Zeitalter nicht geben kann, so darf man ihr das ehrene Zeitalter nicht versagen, d. h. das Zeitalter der geläufigen, ungenirten Prosa. Diesen Reichthum und diesen Fleiß hat sie theils durch eine konsequete Ausbildung der im Wibelhebräisch angedeutetm Keime, theils durch Aufnahme von Außen. — Eine wissenschaftliche Grammatik des Mischna-Idioms wird erstens die Metamorphosen zum Bewußtsein bringen, welche an diesem, verglichen mit dem biblischen, erscheinen, wird dann der Quelle dieser Veränderungen theils durch innere Ausbildung und Erweiterung, theils durch äußere Vergrößerung und Zunahme, auf die Spur zu kommen suchen. Die Wichtigkeit des ersten Moments, nämlich der Nachweis, wie sich die hebr. Sprachgeist aus innerem organischen Triebe entfaltet hat, erhellt daraus, daß nicht selten rückwärts von diesem auf manche dunkele Partien des klassischen Hebr. ein Licht geworfen wird. Einige Beispiele sollen diese Seite erläutern, welche bis jetzt meines Wissens der Beachtung völlig entgangen sind. —- In der Mischna finden sich, wie im Biblischen, Kollektivnomina im Plural; soll aber ein Singuläres, ein einzelner Theil, bezeichnet werden, dann wird der Singular und zwar mit weiblicher Endung gebraucht. Pfeffer, aber n^D (rQfcy IX. toVl all loc. und wahrscheinlich auch D)1» 1) ein Pfefferkorn; prEp Gucken, nwp eine einzelne Gurke, Melonen, nyh; ganz analog dem arabischen nomen singularitatis oder unitatis mit W* 0 6 0 6 -0 mit Melone; Stroh aj ein Strohhalm. Ebenso erweist sich aus der Mischnasprache, daß der Hebräismus so gut wie die arabische Sprache die noniina acticmis der Pielform in der Form hatte, die wir aber durch langen Gebrauch schon in konkreter Bedeutung antreffen. Von hm finden wir von Dt#p umn, von wm wmn; vielleicht gehören auch hierher die spätbiblischen Formen und *jrpn. Die Weiterbildung des Biblischen zeigt sich besonders an dem Gebrauche des Hisil für Inchoativer. Wie von den Farben im Althebr. gesagt wird CPIND roth werden, weiß werden, so erweitert das Neuhebr. diesen Gebrauch und bildet konsequent bleich werden (dtidd Hl.) sauer werden, rp"iDi"l faul werden. Während im Biblischen der Dual noch sehr beschränkt auftritt, ergiebt sich der erweiterte Gebrauch desselben in der Mischna. OO2OQ Scheere, o^Op zwei Kaben, zwei Handhreiten, D^DJl zwei Henkel an einem Gefäße, nr>2.1f2 Beinschienen. — Wir werden im Verlaufe noch Gelegenheit finden darauf hinzuweisen, welche organische Bildsamkeit die Mischnaspr. manifestirt hat, welche sie eben befähigte, für einen großen Zeitraum ein Organ für die seltensten Begriffsformirung abzugeben und einen Ausdruck für die mannigfaltigsten Themata zu schaffen. Nachdem hier umrißlich der Punkt angegeben worden, von welchem bei Behandlung dieses Thema's ausgegangen werden muß, wollen wir an das Geiger'sche opus oder vielmehr opuscolum gehen, und sehen, wie der Verfasser die Aufgabe gefaßt und wiffenschci stlich gelöst har. Verdient auch der Versuch in dieser noch unbearbeiteten Disciplin und die Anregung Anerkennung, muß auch Einzelnes als trefflich ausgesprochen werden: so darfauch nicht verhehlt werden, daß die Behandlung des Ganzen eine durchaus unwissenschaftliche und verfehlte zu nennen ist. Der ganzen Arbeit ist eine so unverzeihliche Flüchtigkeit, eine riesige Oberflächlichkeit anzusehen, daß man sie für das Produkt eines Monats und nicht , eines jahrelangen Fleißes halten würde. Vielleicht rührt dieses von dem dogmatischen Vorurtheil gegen Mischna und Talmud, von welchem der Verfasser sich nicht frei machen kann, daß sich eine schiefe Auffassung durch das ganze Werk schlängelt. Gleich die Einleirung läßt den verrückten Standpunkt erkennen. Mit Uebergchung und Nichtbeachtung aller der Momente, die /eben nicht ohne Grund für die Lebendigkeit und Volksmäßigkeit der hebr. Sprache in aller Breite ausgeführt werden, stellt der Verfasser die rrivialgewordene Behauptung auf: „Seit der Zeit des zweiten Tempels" war die Volkssprache der Juden in Palästina das Aramäische" und