Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 1 (1.1.1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Spalte 5-6 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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5 Studien. Literarische Dialekten 6 Verdacht, feindliche Gesinnungen gegen die bestehende Gewalt zu hegen, daher der freundliche Vorwurf, den der Kaiser dem R. Josua machte und die deshalb erhobene Anklage, gegen den ohnehin verdächtigten R. ©liefet5). S. M. N. Literarische AnaleVten. 1. Aussprache des Waw copul. (^nn w)* Diese ist heute durchgängig w ()), und nur ausnahmsweise, wie vor den Lippenbuchstaben rpu , u (1) ... Aber wie auch in den meisten abendländischen Sprachen in ihrer Kindheit, und selbst im ( späteren Alter bevor sie noch zur völligen Ausbildung gelangten, die Aussprache des w (oder y) und u nicht genau bestimmt war, und diese sin Schrift und Sprache oft Eins in das Gebiet des Andern hinüberstreiften, so scheint auch die Aussprache des waw copul. 5) Der Grund zur Anklage des R. Elieser b. P. scheint uns nach obiger Erklärung darin zu liegen, weil die Christen sich von den römischen Spielen fern hielten (cf. Tert. de Spect.), die Römer aber die Juden von den Christen so wenig zu unterscheiden vermochten, daß in den hadrianischen Kriegen die Verfolgung sich deshalb auch auf die Christen erstreckte, und umgekehrt siel so manche Anklage gegen die Christen auch auf die Juden zurück (cf. Jost Gesch. d. I. I V. S. 13). Weil nun auch R. E. b. P. diese Spiele nicht besuchte, so wurde er wahrscheinlich als Christ angeklagt. (Sein angegebener Entschuldigungsgrund jpj ist der poetischen Antwort des R. Josua gleich und ist somit Jost's Bemerkung (ibul. 111«. S. 175) zu berichtigen. Auch N. Elieser wurde ans den Verdacht hin ein Christ zu sein angeklagt (Ab. Sara, 16 5), aber auf seine Behauptung nur an einen (obersten) Richter zu glauben freigesprochen. Die etwas zweideutige Antwort pv-j,-] bp pvVJ genügte dem Richter ihn frekzusprechen, welches gelinde Verfahren bei derartigen Untersuchungen Plinius der jüngere unter Trajcm einführte. In dem bekannten Briefe an Trajan sagt er „Ich trug kein Bedenken, daß, was es auch sein möge, was sie (die Christen) hiermit bekennen, wenigstens ihre Hartnäckigkeit bestraft werden müsse. — Werden sie angegeben und überwiesen, so sind sie zu bestrafen. Wer indessen läugnet, daß er ein Christ sei, und dies dadurch beweiset, daß er unsere Götter verehrt, der verdient, ob er gleich wegen des Vergangenen verdächtigt ist, dennoch Vergebung". — Die Unterredung, die R. Elieser mit BW npV'/.einem Schüler Jesu, hatte, mag vielleichtdiese Verdächtigung veranlaßt haben, auf die er sich aber nicht mehr erinnern konnte; diese so ungegründete Anklage schmerzte ihn daher noch mehr (die Erzählung im Talmud ist nämlich nach Midrasch Kohelet S. 62 d zu ergänzen, wo es heißt: h iTül rWD H3" bp DDfW bp, durch die Frage seines Schülers “INOni ‘fr»'? N3 nWD dMV? siel ihm jene Unterredung bei, die er aber nicht für die natürliche Ursache der Anklage hielt, sondern für ein Vergeh n, mmri mrm HD bp rrDjH welches eine göttliche Straft herbeiführen mußte. als w beim Leben der Sprache keineswegs so entschieden, gewesen, und oft, ja man könnte beinahe sagen immer als u gelesen worden zu sein. (So waren, z. B. anfangs auch $ [dextr.j und W [sinistr.] nicht geschieden, erst spater sah man die NothwendigkeiL einer solchen Scheidung ein und nahm sie vor, aber willkürlich, daß der Araber! just für das hebr. VP (sch.) y* (s), und für VJ (s) y£ (sch.) hat!) . . . Was uns auf diese Vermuthung bringt, ist der Umstand, daß in einer gleichzeitig mit Abfassung der griechischen Version in hebräischer Sprache mit griechischen Lettern geschriebenen Bibel*) alle waw copul. durch ou fl), nicht aber durch ß (H gegeben sind .... . Wir erlauben..uns zum Beweis dieser Behauptung die ersten Verse des Pentateuchs aus dieser hebräisch-griechischen Bibel herzusetzen. 1. B(ys<u& ßaQa g/lco^t sfr ciGD'^aifi ovs& c{(xqs6+ 2. OvaaQsa ttLE&ct &oov ovßoov ovco6s% a?v cpve freco^ ovqovs sXoisifL (.uxQasqjsd' aX qivs a^icaiju, 3. OvLCQ(J,8Q £XüJISL COQ OVLSL COQ. 4. Oviccq £%ou{jl s-fr acoQ zcoß oviaßdsX £l(xu{i ßw cccoq ovßev aco6s%> Man sieht hier deutlich, daß das waw copul., ohne Rücksicht ob es im hebr. (“), .(“) oder (“) hat, durchaus mit 1 (ov) gegeben wird! Wir glauben, der Gegenstand verdiene die Beachtung hebräischer Grammatiker und würde eine weitere Besprechung desselben .uns sehr freuen: ... E r n h o r n. II. Hagadadentungen der Neuerm. Man wirft jetzt so oft dem Talmud willkürliche Deutung und Verdrehung der Bibel, und den Rabbinen eben solche Deutung und Verdrehung der Talmud- und Midraschstellen vor, und wahrlich unsere neuen Prediger machen es oft nicht um einen Grad besser, nur daß es ihnen um so weniger zu verzeihen ist, weil sie den Ausspruch: rninb d^D DD, den Jene höchst gläubig annahmen, doch nicht mehr werden wahr finden wollen. Hier von Vielen nur ein Beispiel solcher Deutungen! Unser Kanzelredner Dr. Salomon gründet die 13. seiner herrlichen und ausgezeichneten Feftpredigten, überschrieben: „Wie gelangt Israel zu einer würdigen Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft", auf den rabbinischen Ausspruch: daß unsere Väter aus Egypten erlöst wurden, vier Verdienste halber, die sie hatten, wovon das erste: daß sie ihre Namen nicht änderten (□£$ nN IW Salomon schilt es nun „dumme Einfalt", hier an die eigentliche Beibehaltung des Namens zu denken, wie es die Orthodoxen und Rabbiner thun; unser Midrasch meint hier nichts Anders, als die Bei- *) Mehres über dieses in mancher Beziehung merkwürdige Exemplar, wie auch eine größere Probe aus demselben findet der Leser in Eichhorn's Einleitung ins alte Testament, dem auch nachfolgende Verse entnommen sind. 1 *