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Der Orient · 1845-01-01 · Heft 1 (1.1.1845) · p. Seite 4

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (1.1.1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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sehr ansprechender, Entwurf zu einer Reform der Eidesleistung bei den Juden, vorgelegt worden. —■ Herr Rabiner Herzfeld ist schriftstellerisch sehr produktiv geworden. In Kaffel vernimmt man von der Wiederbesetzung des Rabbinats jetzt gar nichts mehr. —- In Frankfurt a. M. haben schon mehrere Familienväter ihre neugebornen Knaben nicht beschneiden lassen. Das Wechselgesetz bereitet den jüdischen Bankiers, die des Sonnabends keine Geschäfte machen, noch immer viel Verlegenheit. — Aus Hessen-Darmstadt nichts Bemerkenswerthes. Auch aus Baden und Würtemberg vernimmt man nichts von Bedeutung. — L. Dukes ist in Gemeinschaft mit Prof. Ewald und allein literarisch sehr in den Vordergrund getreten. Dr. G. Weil zeigt sich in der Bearbeitung der arab. Sprache, Literatur und Geschichte sehr thatig. — In Baiern nimmt die Betreibung der Handwerker und des Landbaues unter den Juden einen erfreulichen Aufschwung. — In Lippe-Detmold und in Meiningen scheinen wieder Reaktionen gegen die Juden zu beginnen. — In Preußen noch immer viel Schatten neben einigem Licht. Die Vereine für das Wohl der arbeitenden Klaffen haben viele Juden zu Vorstehern gewählt (so Bendorf, Dr. Veit, Jos. Mendetsohn u. s. w.); auch im Kriegsdepartement scheint unter Bopen's Leitung eine mildere Praxis in Bezug auf Avancement, Versorgung u. s. w. der Juden zu walten. — lieber die Güterankaufe in Oberfchlesien durch Juden ist man von verschiedenen Seiten her sehr ergrimmt. Die wasserpolnischen katholischen Geistlichen Hetzen die Bauern gegen die jüdischen Arendatocen auf. — Am Rheine will man die sogenannten Judenpatente aufgehoben wissen. — Die Tumultuanten in Geseke sind noch nicht abgeurtheilt. -— Dr. I. Kämpf in Strelitz hat den Tachkemonie edirt. —- In Oesterreich hat der Tod des Bankiers Todesko nicht blos wegen des Reichrhums, sondern auch wegen der Wohlthatigkeit des Verstorbenen großen Eindruck gemacht. Die böhmischen Unruhen scheinen beschwichtigt zu sein. — In Schlesien ist jetzt Dr. Geiger definitiv als erster Rabbiner in Breslau anerkannt. Er hat jüngst eine Schrift über die Mischna herausgegeben.— Im Königreiche Sachsen ist eine Verordnung in Betreff der Beschneidung ergangen. Auf das Voranstehende reducirt sich etwa die Summe des Erwähnenswerthen, was sich in Deutschland zugetragen; über die andern europäischen und über die außereuropäischen Staaten werde ich nächstens mittheilen. E. C. O e st e r rei ch. Von der gcrlizischerr Grenze, 20. Novbr. Wenn man in Galizien bei Gelegenheit mancher Verbesserungen im Kultus-, Armen- und Schulwesen, Zusammenstoß mit dm Gegnern jeder Neuerung bestehen muß, so liegt dies in der Natur der neueren Richtung, die überall mit den Männern der alten Farbe in Fehde begriffen zu sein scheint. Entrüstend aber ist es, wenn Männer, die einem deutschen Vaterlande angeboren und sich „Söhne der Bildung" nennen, ihre Schritte nach Galizien lenken und daselbst alle besseren Bestrebungen bei den Behörden, wenn auch indirekt, verdächtigen. Zu solchen Ueberläufern gehört ganz vorzüglich Herr Dr. P. , der Uebersetzer des Talmuds. Dieser jüdische Nachfolger Chiarini's, in Bezug auf die Arbeit, der auf die vom russischen Kaiser für die Uebersetzung des Talmuds ausgesetzte Prämie ein Auge warf, ging vor acht Jahren in Galizien mit einem Kompendium als Einleitung zum Talmud umher und verkaufte solches Jedem um 5 Fl. E. M., die man gerne dem Gelehrten als Lösegeld seiner Mühen gab. Nach acht Jahren kommt diese Gestalt wieder zum Vorschein und mit ihr auch der erste Band der Talmud-Uebersetzung, den ein schwerer Frachtwagen nach Galizien brachte und für den der Uebersetzer den horrenden Preis von 15 Fl. C.-M. von Jedermann, der ihm ein Kompendium abnahm, zu verlangen sucht. Als ihm diese Anforderung von mehreren Seiten abgeschlagen wurde, sah man diesen Gelehrten in aller Hast von einem hohen Beamten zum andern gehen, die Gemeinde als gottlos verschreiend, die gebildeteren Organe derselben sowie alle ihre Bestrebungen verläumdend. Herr P. scheint zu vergessen, daß diese Talmud- Uebersetzung vorzüglich das Interesse des christlichen Publikums zu wecken hatte; denn der alte jüdische Talmudgelehrte betrachtet diese Arbeit ohnehin nur als Entweihung seiner Heiligthümer, der Gebildetere nur als Tändelei und ein Geld-Medium. Es ist also unbegreiflich, was Hr. P. mit diesem ohnehin unausführbaren Unternehmen vom armen Judenthume haben, und wie er vom letztem, dem er durch diese seine Arbeit keinen Liebesdiest erwiesen, noch auf klingende Dankbarkeit rechnen wolle. — Ein Erzbischof in Galizien, dem Hr. P. dieses Werk verehrte, berief seine Domherren und den Säkular-Klerus seines Sprengels zu einer Sitzung, und verlas denselben unter lautem Gelachter einige Stellen jener Talmud-Uebersetzung mit den Worten: „Höret die Weisheit der Juden!" Hört! Hört! — F. Lemberg, 20. Decbr. Gelegenheitlich will ich Ihnen eine kleine statistische Notiz über die hiesige jüdische Population mittheilen, die ich aus der zuverlässig- ' sten Quelle entnommen habe, welche sich am besten dazu eignet, die Größe der hiesigen jüd. Gemeinde als erste in den österreichischen Staaten genau zu bezeichnen. Im Militärjahre 1843—44 wurden hier geboren männliche 495, weibliche 368. Zusammen 863 Individuen. Im Militärjahr 1842 — 43 778. Mehr pro 1843 — 44 85. Gestorben sind im Jahre 1843 — 44

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