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Der Orient · 1845-01-01 · Heft 1 (1.1.1845) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (1.1.1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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3 Len und zu bewahren, rief die hebräischen Schulen in allen Gemeinden ins Dasein. Allein, wenn der Begriff einer Schule im Allgemeinen, Belehrung, Erziehung und moralische Bildung umfaßt, so hat die hebräische Schule noch die besondere Aufgabe zu erfüllen, Religiosität ins zarte Gemüth zu pflanzen, die Jugend zur Ausübung der überkommenen alt-ehrwürdigen Satzungen vorzubereiten, darin starken und befestigen; auch zu verhüten, daß solche nicht sobald vergessen werden. Ganz vorzüglich sind Gebet und Religionsübungen wichtige Mittel zur Erlangung wahrer Religiosität, sind Symbol und Ausdruck unseres Glaubens, und machen unstreitig in Verbindung mit der Ausübung des Sittengesetzes das Wesentliche der Religion aus. — Alle diese integrirende Theile unserer Religion bilden' nothwendig Ein Ganzes, und dürfen daher nicht gesondert gelehrt werden, ohne der Einheit wesentlich zu schaden. Ungereimt, wäre es, wenn man da t wo eine öffentliche hebräische Schule besteht, den Religionsunterricht anderswo, etwa in der deutschen, französischen oder englischen Schule (!) ertheilen wollte. — Abgesehen davon, daß schon viele kompetente Autoritäten, worunter Mannheimer, Geiger u. a. über die Nützlichkeit der Ursprache der aus Neligionsbüchern citir/ ten Sprüche, sich ausgesprochen haben, und solche von den Zöglingen öffentlich aufsagen lassen (welches doch in der hebräischen Schule memorirt und wiederholt werden muß,) — sollte der Lehrer ohne dieses schon verbunden sein, dem Religions-Unterrichte beizuwohnen, um jedem Widerspruch, jede Kollision zwischen seinen Ansichten und Auslegungen der Bibel mit denjenigen des Rabbiners zu verhüten, und den Einklang, der nirgendwo nöthiger, zu erhalten. Dadurch würde manchem Uebelstands vorgebaut, Halbheit im Verstehen dessen, was zur Jetztzeit wichtig und heilig ist, — nicht selten Kontrast in Lehre und Ausübung, vermieden werden. Es ist daher unerläßlich, daß der Religionslehrer dem Rabbiner sowohl in Wiederholung des Katechismus, als auch in Einübung der Belegstellen aus der heil. Schrift an die Hand gehe, und ihm das Geschäft erleichtere, welches zweckmäßige Verfahren bei andern Bekenntnissen schon langst mit Nutzen angewendet wird. Aus bisher Gesagtem leuchtet zur Genüge ein, daß die Religionslehre schlechterdings nicht von den sogenannten praktischen Religionskenntnissen ganz getrennt, und abgesondert gelehrt werden darf, so sie letztere nicht herabwürdigen und ihre Zwecke vereiteln will. — Aber auch sich selbst würde eine solche kalte sterile Doktrin, der die Kraft, das Salz abgeht, — schwächen und ihren Einfluß hemmen. Wir bedauern daher aufrichtig, daß diese Wahrheit an manchen Orten noch verkannt, und die Religionslehre dort nicht an ihrer eigenthümlichen Statte, d. i. in der hebräischen Schule ectheilt wird, und wünschen aufrichtig, daß diese Anomalie allenthalben, wo sie besteht, beseitigt werde» I. H. Sulz er, Religionslehrer. Hamburg, den 15. December 1844. Ich habe Ihnen in meinem letzten Schreiben versprochen, dem Orient noch vor dem Schlüsse des bürgerlichen Jahres eine kurzgesaßte Uebersicht von dem zu liefern, was sich in der letztverflossenen Zeit im Leben und in der Literatur der Juden Bemeckenswerthes zugetcagen hat. Zu Manchem, was ich blos andeute wird der Orient freilich selbst eine ausführlicheren Kommentar hinzusügen müssen. Ich beginne nun meine Rundschau von dem Kreise aus, in welchem ich selbst weile. In Hamburg zittert der Schmerz über den plötzlichen und unerwarteten Verlust des Dr. Gerson, der am 3ten December Nachmittags im 57sten Jahre seines Alters (er war 1788 zu Hamburg geboren) in allen Gemüthern noch immer lebhaft nach. Von dem Eindrücke, den der Tod dieses Biedermannes in .allen Kreisen hervorgebracht, mögen Ihnen die beiden hierbei folgenden Artikel (des „Freischütz" und des „Bergedorfer Wochenblattes") als Zeugniß dienen, welchen am Dienstage den 10. December eine lange Parentation im Hamb. Corresp. voranging. — Von neuen literarischen Erscheinungen in Hamburg ist besonders Dr. Ree's Schrift (über „die Sprachverhaltnisse der heutigen Juden" Hamburg, bei Herrmann Gobert) hervorzuheben. Herr Dr. Kley hat die vierte Auflage seines Gesangbuches bei Berendsohn in Hamburg erscheinen lassen. Es thut uns aufrichtig leid, daß in der Vorrede zu dieser Auflage das Verhaltniß der Tempeldirektion zu Herrn Dr. Kley noch einmal in's Gedächtniß zurückgerufen wurde, da gerade so jede Aussicht auf eine endliche Erledigung des beiderseitigen bitteren Streites wiederum schwindet. — Im Monat November verweilte der jüdische Gelehrte, Herr Stern,' aus Ungarn, in Hamburg. Im benachbarten Holstein wird sich die Wehrpflichtsfrage bald entschei- , den. Die Altonaer Gemeinde hat sich zwar nicht an die Stande gewandt, aber anderweitig geeignete Schritte gethan, um den üblen Folgen des Schleswigschen Votums vorzubeugen. — Die Zahl der zünftigen Meister nimmt unter den Juden Altona's auf erfreuliche Weise zu. Darüber so wie über einen Artikel des Kieler Correspondenzblattes zu Gunsten der Einschließung der Juden in die Wehrpflicht gelegentlich Näheres. Die Adresse gegen die Inkorporation Schleswig-Holsteins in den Dänischen Staat und die an Johannes Rouge in Breslau tragen auch Unterschriften von Juden in Altona. — Von Lübeck, Bremen, Oldenburg ist nichts zu melden. Im Hannoverschen ist Dr. Adler endlich an das Ziel seiner Wünsche gekommen. Wahrscheinlich wird auch zugleich mir dem Rabbinate in der Residenz das in Emden vakant, indem wohl Herr S. R. Hirsch die ihm angetragene Stelle in Mähren annehmen wird. Auch in Hlldesheim hat Herr Bodenheimer (jetzt in Erefeld) noch keinen Nachfolger erhalten. — Im Braunschweigischen ist den jetzt versammelten Ständen ein neuer 1*

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