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Der Orient · 1845-01-01 · Heft 1 (1.1.1845) · p. Seite 2

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (1.1.1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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- 2 - Weiteres zu dev Stelle'eines Rabbiners gelangt sein? .Hierauf kann nur verneinend geantwortet werden, denn, wie das wörtlich nachfolgende Schreiben des Obervorsteher-Kollegin „Wir beehren uns Ihnen hierdurch die Anzeige zu machen, daß in Folge der von Sr. Majestät dem Könige '"dem Rabbiner Herrn Dr. Geiger ertheklten Naturalisation als preußischer Staatsbürger, derselbe nach heutigem Beschluß sein Amt als Rabbinats-Affessor bei unserer Gemeinde angetreten hat. Wir zeichnen mit Hochachtung Breslau, ven 25. December 1839. Das Obervorsteher-Kollegium der hiesigen Israeliten-Gemeinde. Jonas Frankel. Heyman Lassal. Prinz. M. Fried länder. Sander Meyer. M. Schreiber, re. An den Ober-Rabbiner Herrn Salomon Li kt in. Wohlwürden. Hier, bezeugt, wäre der Dr. Geiger nur zum Rabbinatsaffeffor gewählt worden. Daß er inzwischen zum ersten Rabbiner ascendirt sei, darüber hat niemals etwas verlautet, und ein solches Gerücht würde auch durch die Lhatsache, daß seit dem Lage jenes Schreibens die Wahl eines ersten Rabbiners nicht stattgefunden hat, wiederlegt werden. Uebrigens sind die in der Gemeinde obwaltenden Differenzen noch keineswegs als definitiv erledigt zu erachten, vielmehr sind die geeigneten Schritte zur Erhaltung und Wahrung des Glaubens geschehen, daß Derselbe nur von einem der alten Lehre zugethanen Rabbiner repräsentirt, und das religiöse Interesse der altgläubigen Gemeinde berücksichtigt werde. Breslau, den 24. December 1844. Die Bertreter der Altgläubigen in der hresigerr Iuden-Gememde. Deutschland. Frankfurt a. Nt., 22. Decbr. 1844. Die Reformen nehmen in unserer Gemeinde so reißend zu, daß die nächste, hier stattsindende Nabbinerverfammlung in Allem post festum kommen wird. So wurde hier jetzt schon die Aufhebung der Fasttage beschlossen, und mit dem jüngst verflossenen Fasttage (MV '■>) der Anfang gemacht. In der Hauptsynagoge wurden daher die üblichen Fastgebete nichts recitirt, und der Abschnitt aus der Tora nicht verlesen. Unser Rabbiner vergaß diesmal diese Reform auf der Kanzel zu modificiren, wir wissen daher nicht, welche Talmudstelle ihm hier als Stützpunkt gedient haben mag; ob die Stelle pynD IST) mr&Dn mn oder die schon von andern Rabbinern misverstandene iirps* mtyn ps1* Nicht in Betracht kann es aber kommen, ob alte in der Synagoge fasten oder nicht; denn gerade, weil die Mehrheit nicht mehr fastet, sollten die für unsere historische Vergangenheit wichtigen Tage dem Volke wenigstens durch besondere Gebete in Erinnerung gebracht werden. Wird doch der Tag, an dem wir ein theueres Familienglied verloren haben, in 'Andacht und frommen Werken begangen, und die Auflösung unseres Staatskörpers sollte nicht durch ein Gebetchen oder ein ergreifendes Liedchen, mit denen man doch sonst nicht so haushälterisch verfährt, an diesen Tagen webmuthsvoll ms Gedachtniß gerufen werden? Sind wir israelitischen Bürger zu Frankfurt a. M. denn so vollständig emancipirt, daß sich diese Trauertage ganz in Freude und Wonne verwandelt haben? Har nicht erst vor einigen Tagen unser Gesetzgebender Körper den Antrag, den ein Mitglied desselben stellte, die nochbestehende Heirathsbeschrankung zwischen hiesigen und auswärtigen Israeliten aufzuheben, verworfen? — Wir geben gerne — wenn man doch die Reform des Judenthums in unfern Tagen nicht in Hebung und Belebung, sondern in allmaliger Abtödtung des religiösen Sinnes suchen will so manche Paragraphen in den 4 Schulchan Aruch preis, die wie abgestorbene Aeste am Baume des Judenthums kraftlos hängen; da findet ihr Spielzeug genug den Christbaum aufzuschmücken, den Ihr dem Judenthum bescheeren wollt, aber suchet nicht gerade, wie unverständige Kinder, nur das Werthvolle zu euerem verderblichen Spietwerk aus, damit man euch nicht auch das Werthlose zur Strafe wegnimmt. Hütet euch daher, wie ein unkundiger Gärtner auch die saftvollen, markigen Zweige abzuschneiden und bedenket, daß noch ganz Israel unsere Fest-, Freude- und Trauertage, welche eine biblische, historische Begründung haben und auf geschichtliche Momente Hinweisen, die jedem Volke heilig sind, in andächtiger Erbauung begehet. Nnsn p in. Vom .Rhein, 28. Decbr. (Ueber die Ertheilung des Religionsunterrichts in der hebräischen Schule.) Ein wesentlicher Theil der Kenntnisse eines Israeliten, bei der bis jetzt herrschenden Einrichtung unsrer Liturgie, ist unstreitig die hebräische Sprache. Nicht nur sind Gebete und Ritual des Laien und Gelehrten hebräisch; sondern auch die ganze heil. Schrift, welche sich in unzähligen Stellen von beiden wiederholt, muß in der Ursprache erlernt werden, will man die Pflichten des israelitisch-kirchlichen Lebens erfüllen, und jene genau verstehen. Ein Hersaqen von leeren Formeln, ein mechanisches Verrichten äußerer Handlungen, ohne innere Andacht und. Weihe, ist gehaltlos, spricht nicht an, und würde heutzutage Wenigen mehr genügen. — Diese Nochwendigkeit, das Wort Gottes zu verstehen, ist das Band der Vereinigung der Bekenner des mosaischen Glaubens aus allen Winkeln der Erde, — die Sprache, in welcher der Einigeinzige täglich gebenedeir wird, zu erhal-

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