Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 52 (24.12.1844)
- Date
- 1844-12-24
- Page
- Spalte 825-826 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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825 Kriüken. Kurze Anzeigen. ein Wendepunkt gewesen zu sein. — Das erste Makkabäerbuch (Xlll. 41. 42), Josef (Antkq. Xlll. 21), sowie ein Fragment der n^D (VI.) nr,n 18) erzählen uns von dem kühnen und folgenreichen Schritte des hasmonäischen Simon, daß er aus allen öffentlichen Urkunden die seleucidische Aera und die Königsnamen verwiesen, dafür aber, nach dem Letzten, die Formel eingeführt hat: p) p |l'^ W? bn.1 iHD (pnpb, (Vergl. dazu Jadaim VI. 8). Aus dem bittern glühenden Haffe, wozu die jüdische Nation gegen die politische und religiöse Tyrannei der Syrer berechtigt war, läßt es sich leicht folgern, daß hiermit die syrische Sprache, die Sprache der Unterdrücker gleichzeitig aus den öffentlichen Urkunden sowohl, wie überhaupt aus dem Gedankenaustausch des siegestrunkenen Volkes verbannt wurde, dafür aber die hebräische jetzt besonders liebgewonnene Sprache für alle Lebenssphären in Aufnahme kam. Sehr viele Erscheinungen lassen sich nach dieser Annahme ungezwungen erklären, wozu besonders die letzten Kapitel des Buches Daniel von VIII. ab gehören. Während nämlich der erste Theil dieses Buches in der hebräo-aramäischen Fassung gehalten ist, stehen die letzten Kapitel, worin unverkennbar die Makkabäergeschichte in Form der Vision charakterisirt ist, recht grell in ihrer hebräischen Gestalt ab, und unterstützen diese die Annahme eines Einschnittes, welcher innerhalb der Makkabäerperiode fällt, wonach jenseits dieses Einschnittes, dem Exile näher, der Aramäismus sein Maximum, diesseits aber die hebr. Sprache ihr Maximum und die aramäische ihr Minimum hatte. Die Formel des n^irD ^dd , welche wahrscheinlich nach (ro&y, 14) von Simon ben Satach (eiroa lOO a.) herrührt, und als eine öffentliche gerichtliche Urkunde galt, liegt uns in hebräischer Fassung, doch mit verändertem Sprachcharakter vor: ... DinDttf HD 'imb wt&tin DN (VI. nny XV. niD^) Aus derselben Zeit ist uns auch das Fragment eines Briefes aufbewahrt worden, den die Hierosolymitaner an die alexandrinischen Brüder wegen des dorthin geflüchteten Nasi, Ieschua b. Perachja geschrieben, welches ebenfalls dafür spricht, daß die Volkssprache von der Hasmonäerzeit ab die hebräische gewesen. Das Fragment lautet: ^ninN wb anipn DPtsrp nöDUtf ^N1 pim mW fyn (pTinJD 106). Und so finden wir die ganze Reihe der 200 Jahre bis zum völligen Untergang des jüdischen Staates, ja bis tief in die tannä'ische Epoche hinein, die hebräische Sprache in lebendiger Kräftigkeit und Bildsamkeit. Die Abot - Gnomen, welche sich ganz natürlich den sirachidischen anschtießen, stellen die Lebensweisheit in hebräischer Sprache dar, bis auf die Sentenzen Hillefts und der Proselyten b. Vag-Bag's und b. He-He's, welche aramäisch auftreten, weil ersterer bekanntlich ein Babylonrer und letztere, als Proselyten, wahrscheinlich geborene Syrer waren. Ein Fragment aus einem größer« Geschichtswerk, über Johannes Hyrkan's I Leben und Thätigkeit, welches vielleicht mit dem im 1. Makkabäerbuch erwähnten (I Makk. XVft 33. 24) identisch ist, das uns 826 (]WTp 66) die Apostasie Hyrkanß zum Sadducäismus erzählt, und das auch Josef mit nur geringen Differenzen (Anriq. Xlll, 18) kennt, führt uns die hebräische Geschichtssprache in einer Flüssigkeit und Anmuth, in einem so klassischen Styl vor, daß man ihn, wenn man von den wenigen Aramäismen und Hellenismen absieht, neben die Muster vorexilischer Historiographie stellen könnte. Denn selbst der Aorist des luturum apocopatuni mit dem ■) conversivum kommt in demselben noch vor: '■> HTlJI p mim 111N JpT m rpn vd mn nnte nro i1? m wjp ^bm ^b o 'n idn onüw i7to bw ijn6 nJim 7n) DyD 'ö-M NSÖJ N^l *\T\n Lftpnu. Auch das verloren gegangene obiy YID, als deffen Verfasser R. Jose in der letzten Hälfte des zweiten Jahrhunderts, war nach einigen Fragmenten zu schließen (n]D^ 82, fDltf 16) in hebräischer Sprache. Aber auch poetische liebliche Blüthen trieb die hebräische Sprache in ihrer nachexilischen Wiedergeburt, ja noch im dritten Jahrhundert, wo der vulgären Ansicht nach, keine Spur mehr im Leben und Dichten geblieben sein kann. Wer kennt nicht die tief elegischen Klänge der Sapdanim beim Hinscheiden wirkungsreicher Männer? Ich will nur eins hier citiren, welches noch an den numerösen Rhythmus der biblischen Poesie erinnert. Beim Tode des körperlich winzigen aber geistig großen R. Sera oder Se'i'ra, welcher aus Babylon nach Liberias (rpn) der Studien halber eingewandert war, leitete der Sapdan die Leichenrede mit den Worten ein: pvy rn^l »T)H npfiP pK ■p m^N O npn moN rp nj w nywyw nbu (25. pQ) nniDn. Bekannt ist das Räthsel oder die Satyre des humoristischen Bar-Kapara, welches seinem Verständnisse noch entgegen flehet: inrrra JTDin HDptW DWD D'iwi i*omi nnp man Pp bz rnnso nno — .unp “obm in in djjh nay iop (Movd Katan jeruf. 111.) (Das Werständniß findet sich von Hrn Rapaport mitgetheilt Orient 1840. LB.Nr.2. Red.) Wenden wir uns nach einem andern Gebiete, so treten uns nicht geringe Argumente für die allgemeine Verständlichkeit und Volksmäßigkeit der hebräischen Sprache entgegen» Sehen-wir auch von den ältesten Bestandtheilen des synagogalen wie Privat-Gebetes vorläufig ab, so ist doch historisch erwiesen, daß bei den gewöhnlichen Kultusverrichtungen im Tempel auch außerhalb des Gebetes, das Hebräische im Schwünge war, wofür die Traktate Joma und Tamid gehäufte Belege geben (vergl. X. nnD 11. mD die Gerichtsverhandlungen, der Zeugenverhör, das Urtheilsprechen geschah in hebräischen Worten und Wendungen ipVTOD IV. rjDiD IU. nS 11.) und das Volk muß sie wohl verstanden haben; und wo uns nur aus jener Zeit ein öffentlicher Laut herüber tönt, vernehmen wir einen hebräischen Klang. — So unwissenschaftlich es nach allen diesen lautsprechcnden Beweisen wäre zu behaupten: das Hebräische habe aufgehört eine Volkssprache zu sein: so unhistorisch wäre die entgegengesetzt. Behauptung, die hebräische Sprache habe mit gänzlicher Ver■