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Der Orient · 1844-12-24 · Heft 52 (24.12.1844) · p. Seite 407

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 52 (24.12.1844)
Date
1844-12-24
Page
Seite 407 (sequence 13)
Language
German
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407 t>ic größte Unordnung, die Sie sich nur denken können, Md das Triumvirat, oder wenn Sie anders wollen, dns liederliche Kleeblatt. „Chascm, Singer und Baß" hat ^ch immer Bestand. — Rosch Ha-Schana war ich in Aussee, und wohnte vor Schofar-Blasen der Derascha | des Rabbiners bei, die eine Anspielung auf die neuen j Rabbiner und Nabbinatskandidaten war. Es war der l Wunsch der Gemeinde, daß der Herr Rabbinatskandid'at 1 t Singer einen religiösen Vortrag abhalte; allein der j Rabbiner wollte es durchaus nicht zugeben, aus dem einj sichen Grunde: Es sei ein großes Vergehen gegen Gott, j gegen die heiligen Engel, am Neujahrsfeste in einer Sy- | nagoge eine deutsche Rede zu halten, und Gott würde das Gebet derer gewiß nicht anhören, die einer solchen Anforderung ein williges Ohr leihen. Am ersten Sukkotfesttage, der Stimme der Gemeinde gehorchend, hielt Hc. Singer im Beisein vieler Christen und mehrerer geistlichen Herrn, einen Vortrag in deutscher Sprache. Zum Texte hatte er die Talmudstelle: H tsn nbp mäD u0) roiDl gewählt, wo er die Sukka als Symbol der Entbehrung und Beschränkung erklärt, und über die Mchcen, die einem Volks- und Religionslehrec in gegenlmtiger Zeit zu erfüllen obliegen, sich frei ausgesprochen. Genug, Sie ersehen deutlich daraus, daß die Schuld des Verfalls der Judengemeinden Mährens keineswegs den Leuten zuzuschreiben sei, sondern einzig und allein den Nachtwächtern. Herr Fasset war Kandidat der Londoner Rabbinatsstelle, da er von zweien der angesehensten Männer Londons, die zum Komite gehören, in einem an ihn adressittes Schreiben dazu aufgefordert wurde. — Tarmopol, 4. Dec. Unsere bekannte Schule hat Mn großen Verlust erlitten. Der als hebräischer Schriftsteller wie als Lehrer an unserer trefsiichen Schule bekannte JsaaßMichaelMonias ist in der Kraft seines Lebens dahingeschieden. Zu Tarnopol geboren (wann? Red.) und als Sohn eines geachteten Kaufmannes, gelang es chm frühzeitig sich gute hebräische Sprachkenntnisse zu "werben, was aber ihn auch nicht verhinderte, ein guter Talmudist zu 'sein. In seiner Stellung als Lehrer an der jüdischen Nocmalschule, die der selige I. Perl gegründet, genoß ec nicht nur die Liebe der Schüler, sondern auch der Eltern in so hohem Grade, daß selbst dielenigen, welche seiner Meinung entgegengesetzt, ihn seines f friedliebenden Charakters wegen hochgeachtet. I. M. | Monias war erster Lehrer für Talmud und hebräische Sprache an der erwähnten Normalschule, und zwar schon I JU einer Zeit, als Hr. I. Stern, der gegenwärtige Direktor der Schule zu Odeffa, der zweite Lehrer war. Er verwaltete sein Amt mit einer seltenen Pflichttreue und | ^wissenhaftigkeit 25 Jahre, und als er in der letzten | 3*it Kränklichkeit halber die Stelle aufgeben mußte, | ^mde ihm noch eine kleine Pension bewilligt. Das jj Hauptwerk, das wir nun von ihm besitzen ist sein Kol Jakob, das aber noch nicht im Druck erschienen ist; aber es wird dazu vorbereitet. Zur Kenrrtniß des Meformvereirrs. Offenes Antwortschreiben an Hrn. M. A. Stern auf dessen offenen Brief über den Reformverein. Von M. Gutmann, Distriktsrabbiner. (Schluß.) Auch in der protestantischen Kirche, welche verschieden von dem Jndenthume in ihren B.ekenntnißschriften eine geschriebene Verfassungsurkunde hat, wird die heilige Schrift, als das erste und einzige Princip der Lehre und des Glaubens ausdrücklich festgestellt. Nun sind es aber gerade die Theologen dieser Kirche, welche die von Ihnen berührten Untersuchungen über die Zusammensetzung des Kanons angeregt , und diesen zum Gegenstände der schonungslos geübten Kritik gemacht haben. Freilich sind sie deshalb von Zeloten ihrer eigenen Glaubenspartei vielfach verketzert wordenn. Sind sie aber etwa nach ihrer eigenen Meinung oder nach der Ansicht ihrer Vorgesetzten Kirchenhä'upter aus der Kirche selbst geschieden? Haben sie nicht nach wie vor ihre Lehrstühle und ihre Kanzeln inne behalten? Oder wollen Sie etwa alle diese Männer in die Acht erklären und sie als Heuchler und Betrüger brandmarken, weil sie sich zu den Grundsätzen ihrer Kirche fort und fort bekennen, und dennoch einen echten und einen falschen Jesaja unterscheiden und Einschiebsel nicht nur im Pentateuch, sondern auch im Evangelium Iohonnis erkennen? „Das wäre ja ein Streich würdig jenes Schwaben, der die -Quelle der Donau verstopfen wollte. Das können Sie unmöglich wollen." Sie sehen also, daß die Fesseln, welche ich Ihnen durch eine vorgeschlagene Erklärung anlegen wollte, und gegen welche Sie sich so gewaltig sträuben, so sehr drückend nicht sein können. Sie danken ja mit demselben Athemzuge, womit sie diese neuen Geistesfesseln zurückweisen, selbst Gott, daß das Iudenthum keine Dogmen kennt. Sie dürften also immerhin die heilige Schrift, die bisher ohne Widerspruch als das Princip des Iudenthums, als die von Gott selbst gelegte Grundlage der Lehre und des Lebens gegolten hat, als solche anerkennen, ohne daß dem 'Freien Aufschwung Ihres Geistes der geringste Zwang angelegt würde. Wollen Sie das nicht, sind Ihnen die Schriften Mosis und der Propheten eben auch nur Produkte des denkenden Menschengeistes und weiter nichts, nun so stehen Sie eben außerhalb des Kreises des positiven Iudenthums. Mögen die Bande, durch welche Sie an die mosaische Neligionsgenossenschast gefesselt sind, sein welche sie wollen, der Offenbarungsglaube ist es gewiß nicht.

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