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Der Orient · 1844-12-24 · Heft 52 (24.12.1844) · p. Seite 408

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 52 (24.12.1844)
Date
1844-12-24
Page
Seite 408 (sequence 15)
Language
German
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408 - Was nun die Fragen betrifft, welche Sie mir am Schluffe Ihres Briefes vorlegen und auf die Sie eine bestimmte Erklärung mit so großem Nachdrucke von mir verlangen, so beantworten sich dieselben nach dem Bishergesagten von selbst. Ich bin so weit entfernt, die Rechtgläubigkeit eines Juden von der wörtlichien Auffassung aller der von Ihnen citirten und noch vieler anderer Stellen, in welche anthropomorphisiische Ausdrücke von Gott gebraucht worden, abhängig zumachen, daß ich im Gegentheil eine solche wörtliche Auffassung der reinen Lehre des Iudenthums entgegen, mithin als eine Ketzerei betrachte. Dies wissen aber auch alle Schulknaben aus ihren Katechismen. Lrsen Sir z. Iohlsohn's *pp den 7.36. §. (S.47 und 48. der zweiten Ausgabe) nach, wo eben diese Frage aufgeworfen und mit klaren Worten beantwortet wird. Wollen Sie ein Mehreres über diesen Gegenstand erfahren, so lesen Sie den ganzen ersten Theil des More von Maimuni, oder auch dessen Mischna- Kommentar zum zehnten Abschnitte von pvirttD, oder ist Ihnen dieses zu viel zugemuthet, so halten Sie sich an den einfachen Ausspruch des Talmuds d7N sjn p^ mm mm. Und muß denn die vielgerühmte und hochgepriesene Philosophie am Ende nicht auch zu diesem schlichten Auskunstsmittel greifen, wenn sie ihre hohen Ideen vom Wesen der Gottheit vorträgt und zum Verständnisse bringen will? Kann denn der denkende Geist, wenn er sein Abstraktionsvermögen noch so sehr anstrengtz, alle menschlichen Vorstellungen fern halten, so er Gott und seine Eigenschaften und seine Handlungsweise zum Gegenstand seiner Betrachtung wählt? Nein, er hat es noch nicht weiter bringen können mit seiner Abstraktion, als daß er die körperliche n Attribute v om Wesen der Gottheit entfernte, dagegen sind alle die Attribute, welche er der Gottheit wirklich beilegt, nach den Eigenschaften des Menschengeistes selbst gebildet, folglich auch nichts anderes als Anthropomorphismen, wenn auch von einer höhern Art. Nun giebt es freilich eine Klasse von Philosophen — und diese Klaffe ist Ihnen nicht fremd — welche eben deswegen, weil Alles, was man unter Gott denkt, nur menschliche Kräfte, nur der Menschheit zukommende Attribute sind, das Dasein eines persönlichen Gottes überhaupt läugnen und ihre ganze Verehrung dem denkenden Menschengeiste zuwenden. Diesen kann es völlig gleichgültig sein, wie wir die simplen Vorstellungen und Lehren der Bibel aufsassen; sie halten uns auf gleiche Weise für Thoren, ob wir dieselben buchstäblich oder in figürlichem Sinne nehmen. Lassen wir sie in dem ungestörten Besitze ihrer eingebildeten Weisheit^, nur mögen auch sie von unserm Tempel fern bleiben und ihn in ihrem Uebermuthe nicht entweihen- Doch Sie setzen mir den Degen auf die Brust und rufen: „Wenn Sie nur ein einziges Wort in den erwähnten Stellen anders als m seinem einfachsten Sinne nehmen, weil Jh^ Vernunft es so will, so haben Sie verloren , so werden Sie auch jedem Andern gestatten müssen, sich nach seiner Einsicht zugleich mit der Bibel und seiner Vernunft abzufinden." — Ja wohl, gestatte ich dieses einem Jeden, ich habe es bereits in einem Antwortschreiben an die Reformfreunde erklärt und erkläre es wiederholt, daß ich gerne jede aufrichtige Überzeugung, wenn sie auch noch so sehr von der meinigen ab^eicht, ehre und ächte , und ihr das Recht zugestehe sich geltend zu machen, wenn dies anders auf eine offene redliche und entschiedene Weise geschieht. Das aber der Reformverein weder offen noch redlich/ noch ent sch ieden zu Werke gegangen ist, das habe nicht nur ich, sondern alle ohne Ausnahme behauptet und dargethan, welche bis jetzt über den Reformverein sich ausgesprochen haben. Sie stellen dies wohl in Abrede und behaupten das Gegentheil, allein Ihre Stimm gilt hier nicht, weil Sie, ein eifriges Mitglied des Reform- Vereins, jedenfalls parteiisch sind. Bringen Sie mir aber hi Zeugniß von irgend einem unparteiischen Richter, wer tt auch sein mag, daß das Auftreten des Vereins ein offenes, redliches und entschiedenes gewesen ist, nun dann bin ich bereit, dem Reformvereine jede Abbitte zu leisten, die Sie mir diktiren werden. Personalchrorrik unö MiseeKerr. Prag. Von E. Alt schu l aus Prag, Dr. der Med., der medicinischen Fakultät zu Prag, der königl. UnkverM zu Pesth Mitglied, wird nächstens erscheinen: MediciMpolizeiliche Vorschläge zur Verbesserung des Verfahrens mit den Sterbenden. Ein Sendschreiben an die Gebildeten der Volkes. Aufgefaßt vom Standpunke der Mediein, Polizei, Physiologie und Theologie der Hebräer. Mit dem Inhalte dieses Merkchens werde ich Sie gar bald bekannt wachem Hr. L. Singer hat sich bemüht, Hrn.'Dr. Altschul Stellen aus dem Talmud, Sohar, Midrasch und Schulchan Arch als Belege seiner Behauptungen zu geben. Dieses Merkchen erfreut sich eines Gutachtens helldenkender Männer. * § * England. Nach einer neuen Zusammenstellung Mn unter der zur Würde eines Oberscherrffs aller englischen Grafschaften auf der Wahlliste befindlicher Kandidaten fünf sein, eine große Zahl im Verhältniß zur jüdischen BevolkerM Englands. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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