Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1844)
- Date
- 1844-12-24
- Page
- Seite 406 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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406 verschiedenen Kandidaten die Erlaubniß zum Predigen ertheilt. Einige von diesen Herren mögen von den Beweisen Ihrer Freundschaft zu erzählen wiffen. Wie sehr es Ihnen noch darum zu thun war, meinen seligen Freund brod- und obdachlos zu machen, zeigten Sie noch zuletzt dadurch, daß Sie was bei seinem Leben unausführbar war, gleich nach seinem Lode wieder versuchten. Die Witwe und Kinder des Verstorbenen hatten Sie in der Trauerzeit aus dem Hause getrieben (Sie Herr Rabbiner), wenn es unser verehrter Vorsteher, Herr Adolf Zimmern, nicht durch sein kräftiges Auftreten vereitelt hätte. Die blühende Bezirksschule, das Andenken und schönste Zeugniß für meinen Freund , wollten Sie zerstören, hatte nicht auch hier Herr Adolf Zimmern gegen Sie gewirkt, und Sie bedienten sich dabei solcher Mittel um Unterschriften zu gewinnen, daß der größte Theil der Gemeindeglieder, bei besserer Einsicht jene Unterschriften Zurücknahmen und eine Schrift Unterzeichneten, die allen Ihren Wünschen entgegen lief, eine andere Schrift wurde von vielen Gemeindegliedern unterzeichnet, worin man auf Ihre Versetzung drang, die aber unser geachteter Vorsteher Herr A. Zimmern aus uns, mir wenigstens unbekannten Ursachen, bis jetzt noch zurück behielt. Dies zur Vertheidigung der Ehre des geehrten und geachteten seligen Dr. Rehfuß von seinem Freunde S. Reckendorf. FrmrkfurL n. Mt., 16. Decbr. In der vorgestern stattgehabten Sitzung unsers gesetzgebenden Körpers kam der von einem Mitglieds desselben gestellte Antrag zur Verhandlung, die bestehende Beschränkung der Aufnahme auswärtiger Israeliten in den hiesigen israelitischen Bürgerverband mittels Verheirathung mit Mitgliedern dieser Gemeinde auf eine bestimmte Zahl im Jahre aufzuheben. Es wurden gegen diesen Antrag viele Einwendungen geltend gemacht, welche.sich auf eine nothwendige Berücksichtigung lokaler Verhaltniße bezogen, die eine derartige Neuerung hier nicht als statthaft erscheinen lassen würden. Am Schlüsse der lebhaft geführten Berathung wurde der Antrag abgelehnt. — Das Projekt eines neuen Syn ag oge n ba ues der hiesigen israelitischen Gemeinde wird im nächsten Jahre zur Ausführung gebracht werden, obschon die Rotchschild'- sche Familie ihr früher für diesen Zweck bestimmt gewesenes Geschenk von 150,000 Fl. wegen Nichterfüllung einer Donationsbedingung definitiv zurückgezogen hat. Breslrrrr, Decbr. Das Novemberheft der Schlesischen Provinzialblätter enthält über die persönlichen und Gewerbsverhältnisse der Juden in Schlesien Folgendes: „In der Provinz Schlesien wurden am Ende des Jahres 1843 überhaupt 28,606 Juden, von denen 361 des Staatsbürgerrechts entbehrten, gezählt. Unter ihnen befanden sich 4553 Männer und 4542 Frauen, welche in der Ehe lebten oder gelebt hatten, 5357 Knaben und 5212 Mädchen bis zum vollendeten 14. Jahre, 7913 männliche und 8530 weibliche Individuen in dem Alter von 14 — 60 Jahren, und 879 männliche und 715 weibliche Individuen, die das 60. Jahr überschritten hatten. In den Städten lebten 21,647, auf dem Lande 6959, im Regierungsbezirk Oppeln 15,560, im Regierungsbezirk Breslau 10,376 und im Regierungsbezirk Liegnitz 2670 Juden. Was die Geschäfts- oder Gewerbsverhältnisse der unter ihnen vorhandenen selbstständigen Mitglieder anlangt, so gab es 270 Aerzte, Lehrer und Solche, die den Wissenschaften und Künsten oblagen oder in Kommunalämtern wirkten, 272 vom Einkommen aus eignem Vermögen, von Renten oder Pensionen, und zwar ohne Geschäftsbetrieb, und 3255 im Handelsbetriebe für eigne Rechnung undtn damit verwandten Gewerben lebende Individuen; 1150 (darunter allein im Regierungsbezirk Oppeln 924) führten Gast- und Schankwirthschaften für eigne Rechnung, 669 gehörten dem Betriebe von mechanischen Künsten und Handwerken an, 152 dem der Landwirthschaft, Gärtnerei, des Wein- und Obstbaues, endlich 344 dem Pferdehandel, Fracht- und Lohnfuhrwerk, den Brauereien und Brennereien. Gewerbliche Gehilfen waren 1265 vorhanden. Außerdem nährten sich 181 von der Verrichtung geringer Kommunal- und Gemeindedienste, 81 von Tagelöhnerarbeit, 625 vom Gesindedienste, 484 von Almosen oder in Armen- und Krankenhäusern. Von 233 Personen ließ sich kein bestimmter Erwerb Nachweisen. Ein Theil derselben fristete sein Leben durch Bettelei". Oesterreich. Mährische Grenze, 1 Decbr. (Aus einem Privatschreiben.)---Proßnitz, die ein# Judengemeinde Mährens, wohin das Licht der Aufklärung schon vor vielen Jahren gedrungen, und wo es durch das.rastlose Streben des dortigen Rabbiners Fasfel, dem es wahrhaft am Herzen liegt, Bildung und Aufklärung überall zu verbreiten, mit jedem Tage lichter und heller wird, hat vor Kurzem mit der feit mehreren Jahren errichteten und noch immer bestehenden hebräischen Schule den deutschen Unterricht der vierten Klasse beider Jahrgänge verbunden. Zum Direktor, zugleich Lehrer der mathematischen Fächer, wurde, nachdem Hr. Steinschneider die Stelle abgelehnt, Hr. Porges aus Prag, ein tüchtiger Schulmann, ernannt. In den übrigen Judengemeinden Mährens — ich habe deren acht besucht — herrscht noch immer eine dichte Finsterniß; Alles ist in tiefen Schlaf verfallen und die Nachtwächter (Rabbiner) gehen leisen Schrittes einher, daß ja Niemand vom Schlafe erwache, und fu* chm denjenigen, der die Augen aufzumachen anfangs durch Midrasch- und Talmudstellen einsingend, wiederum zum Schlafe zu bringen. — In den Synagogen herrscht