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Der Orient · 1844-12-24 · Heft 52 (24.12.1844) · p. Seite 405

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 52 (24.12.1844)
Date
1844-12-24
Page
Seite 405 (sequence 9)
Language
German
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405 md)t nut rabbinisch begründet ist, kann in der hiesigen Gemeinde nicht mehr stattsinden. Der Starke im Glauben wird zwar diesem Hindernisse möglicherweise zu entgehen suchen, der minder Starke und die große Zahl der Wankenden aber werden sich an gewissen Autoritäten halten, nach deren Grundsätzen das Judenthum im Staate aufgehen muß. Manche erwarten Hilfe von der nächsten Rabbinerversammlung; nicht etwa daß sie, wie der Konvent das Dasein Gottes, die Heilighaltung des Sabbats dekr.etiren, sondern, daß sie das Bezahlen, Einkassiren und AccepLiren der Wechsel für keine verbotene werkthatige Beschäftigung erklären werden. Hierdurch könnte zwar der Gewissensskrupel Vieler beruhigt und die Lehre mit dem Leben m soweit ausgesöhnt werden, daß man sich als frommen Israeliten geriren und demnach am Sabbat und den heiligsten Feiertagen — denn selbst der Jom Kippur kann hiervon nicht ausgenommen werden — seine Komptoir-Arbeiten versehen kann; ob aber ein derartiger Beschluß für die Erhaltung des Judenihums, und für Erhaltung des Judenthums sollen doch alle Z erst öcungsmasch inen gegen den Rabbinismus gerichtetwerden, von wirksamen Erfolg sein werde, muß. erst die Erfahrung lehren. „Ich kenne die Zeit in ihrem Fortschreiten", sagte die geistreiche Rahel, „mit Riesenschritten und Riesenarmen reißt sie das Neue hervor, und tritt sich altes zu Grabe", diesem Riesenarme aber noch die Keule zu reichen, um mit kannibalischer Wuth die ehrwürdigsten Monumente des Alcerthums zu zertrümmern, heißt der Zeit voreilen und ihre Blüthe abschütteln noch bevor die Blätter zu keimen begonnen K—m. Heidelberg, 12. Decbr. Die Nr. 47 enthält einen mit dem Namen unseres Bezirksrabbiners Unterzeichneten Aufsatz, aus dem einige Stellen eine nähere Beleuchtung verdienen, weil dieselben jeden Freund der Wahrheit tief entrüsten müssen. Herr Stud. F. mag seine Sache selbst verfechten, ich habe auch nicht zu untersuchen, wer von beiden im Recht ist. Eben so wenig interessict es zu erfahren, wie tveit der Herr Rabbiner bei den Eidesleistungen auf dem £anbe betheiligt ist, war oder sein wird. Aber da der Herr Rabbiner die Todten nicht hat ruhen lassen, wie früher oft im Leben, so jetzt den seligen Dr. Reh fuß ^gefallen, und nur was der Herr Rabbiner von diesem Meinen verstorbenen Freund sagte, bestimmt mich hierätzen aufzutreten. — Sie Herr Rabbiner müssen sich daran erinnern, daß Dr. Rehfuß im Jahre 1820 hier eine Schule, die im Schlamme der Ignoranz versunken war, auf die Bitte Mehrerer Familienvater übernahm : daß diese Schule bald nachdem der damalige Kandidat Rehsuß deren Leiümg übernommen, die schönste Früchte trug, und daß die Essige israelitische Gemeinde, sowie viele Landgemeinden, in ihm ihren Freund und Lehrer, sehr viele aber auch ihren Versorger verehrten. Nach Ihrem Berichte zu urtheilen, haben Sie Herr Rabbiner die Akten gelesen, worin dem Kandidaten Rehfuß, die Stelle als Oberlehrer und Predigerder israel. Religionsgemeinde von Großherzogl. bad. Ministerium ertheilt wurde. Ehe die israel. Gemeinde Heidelberg das Glück hatte, Sie als Rabbiner zu besitzen, war Oberlehrer Rehfuß schon definitiv angestellt, und aus dem Allen wissen Sie, daß mein seliger Freund, jedes Jahr eine öffentliche Prüfung, im Beisein der Herren Kirchmrath Wolf, Decan Beihofec, Oberrath D. Zimmern und Synagogenrathe und Vorsteher Hrn. Flehinger und Adolf Zimmern veranstaltete, und wie auf jedesmaligen Bericht dieser Herren, sowie der spätern Herren Schulinspektoren Decan Dreuttel, Dr. Züllig und Decan Sabel, dem Oberlehrer Dr. Rehfuß, vom Großherzog!, isr. Oberrath große Belobungsschreiben zugeschickt wurden. Freilich wissen Sie davon Herr Rabbiner, denn in derselben Schule, die Sie sonst nie besuchten, legten Sie den Kindern bei einer Prüfung Fragen vor, die von den Herrn Schulinspektoren als allzuverfanglich für Schulkinder abgewiesen wurden. In Ihrem obengenannten Aufsatze sagen Sie nun Herr Rabbiner „Ich hätte den Kandidaten Rehfuß um sein Brod bringen können, wenn ich gewollt hätte". Lassen Sie mich diese Worte verbessern, „Ich hätte gewollt, wenn i ch g e ko n n t h a tte". Denn Dr. Rehfuß hatte eine Prüfung bei dem seligen Rabb. Gottschalk zu Mannheim auf's Herrlichste bestanden, war nach fünfjähriger Dienstzeit von hoher Stelle definitiv angestellt, und auf solche Art bekannt, daß bösartige unwahre Berichte über ihn und sein Wirken, ihn wobl kränken, aber in seiner äußern Stellung nichts ändern konnten. Was Sie aber gethan, Herr Rabbiner, um meinen seligen Freund wirklich brodlos zu machen, kann die Welt durch Aktenstücke erfahren, wenn es Noch thut. Eben so kann es aktenmäßig bewiesen werden, daß Sie jeder guten Sache, die mein seliger Freund anregte, alle möglichen Hindernisse in den Weg legten, wie Sie die Schwachheit einer edeln Frau benutzten, um die erste Konfirmation hier zu stören, indem Sie derselben sagten, Dr. Rehfuß führe die Kinder zum Irr- und Unglauben. Wie Sie beim Entstehen der von Dr. Rehfuß gegründeten Leichenordnung darauf drangen, die alte Unordnung, z. B. das Hinausschleppen bei Beerdigungen, beizubehalten. Wie Sie einen von Dr. Rehfuß gestifteten Verein zur Abhaltung von Predigten unter den israel. Kandidaten auf die Weise zu zerstören suchten, daß Sie sich der Synagogenschlüssel bemächtigten, bis unser grehrter Vorsteher, Herr Adolf Zimmern, Ihnen dieselben durch die Polizei abnehmen ließ. Und nun erzählen Sie in Ihrem Aussätze, wie freundlich Sie

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