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Der Orient · 1844-12-24 · Heft 52 (24.12.1844) · p. Seite 404

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 52 (24.12.1844)
Date
1844-12-24
Page
Seite 404 (sequence 7)
Language
German
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404 nicht vertheidigt, was er auch nicht konnte, weil die facla beweisen, daß D. S. nicht zum Aldermann angenommen, und deshalb den Weg Rechtens einschlagen mußte. So schon, will man hemerken, daß der in Ihrem Blatte Nr. 44. mitgetheilte Bericht des H. hier so lächerlich als lügenhaft erscheint, weil Hc. D. S. nicht daran denkt, das Laubhüttenfest zu feiern, und nicht einmal die Synagoge besucht, konnte deshalb nicht an der Danksagung verhindert worden sein, und darf um so weniger als Muster den Berlinern vorgehalten werden. In 3 Gemeinden als Birmingham, Nevcastle, Bristol und wo die Mitglieder sich nicht von den Vorstehern zu Stimmen haben antreiben lassen wollen, wurde gar nicht gewählt, und haben wir nur noch zu bemerken, daß jede Gemeinde besonders gewählt und 1 Stimme mehr für einen Kandidaten entscheidet, und jede Gemeinde rechnet nach Verhaltniß des Beitrags zur Besoldung des R. z daher hat Rothschild hier 50 Stimmen, d. h. eine Mehrheit, und Andere dagegen nur 1 und 2. Wie die Voice of Jacob in der heutigen Nr. die Wahl einer höhern Bestimmung zuschreibt, finde ich solche darin, daß dem Hause Rothschilds und seinen Verwandten Millionen zu Thell wurden, wodurch diese es vermochten, mehrere hundert £ für Mitglieder, die Beitrage seit Jahren schuldig waren, abzuzahlen, und junge Leute zu Mitgliedern einzukaufen, um für ihren Liebling mitzustimmen. — M. G. Deutschland. Frankfurt a. Mt., 15.-Decbr. Wenn sonst die Synagoge der Mittelpunkt der Glaubenssonne war, aus der sich die Lichtstrahlen nach außen hin verbreiteten und Jeder erstarkt durch Gebet und Lehren sein Judenthum mit hinaus nahm, den reflektirenden Verstand auf seinen Glauben lenkte und durch denselben das lüsterne Auge von der Sinnenwelt ab — und mehr dem jüdisch-asketischen Leben zuwendete, so ist jetzt umgekehrt die Sache nur da, um alle religiösen Gefühle ven außen dahin abzuleiten und in derselben alles gleichsam hermetisch zu verschließen, daß keine Lebenslust nach außen das Judenthum in seiner Blüthe erhalte. Der heimathliche Boden des Judenthums sott fortan nur in dem engen Raume der Synagoge bestehen, außerhalb derselben aber sollen alle Schlagbaume des Glaubens fallen, welche die Durchfahrt des Lebens in seinen Genüssen und Zerstreuungen, im Erwerb und Betriebe hemmen. — Durch diesen verderblichen Grundsatz laßt es sich erklären, warum man in unserer Gemeinde, wo nunmehr der Gottesdienst modernisirt ist, deutsche Lieder und Gesänge eine Masse Hörer herbeilockt und die ewigen Wahrheiten des Judenthums, niedergelegt in unseren heiligen Urquellen, alfabetisch dem Volke gelehrt werden, im Leben — dem häuslichen wie ' dem öffentlichen — alles mit Freude aufgiebt und obzu- - streifen sucht, was dem Juden ein unverletzbares Heilig: ' thum war; als wenn das Judenthum nur ein Gewand? wäre, das man mit dem Talit in der Synagoge an-; und ablegt, oder eine Nachtblume, die am Tageslicht ' dahin welkt! Die jetzige Fülle unseres Gotteshauses gegen die - frühere Leere berechtigte zu der Hoffnung, daß der GH > der religiösen Erkenntniß in unsere Gemeinde einziehen l werde; welche Hoffnung aber, bei der nunmehrigen Ein- J führung des antiochischen Wech selgesetzes, das man jubelnd und frohlockend theils hervorgerufen, theils! seinem Entgegenwirken gehemmt hatte, sichtlich getauscht! ist. — Die Beschneidung, das körperliche Bundeszeichen, hat hier ihre offenen und geheimen Gegner, welche wankelmüthige Eltern bearbeiten, diesen Tceubmch am Judenthum zu begehen, und schon zählt unsere Ge-! meinde durch ihre erfolgreichen Ranke vier unbeschnittene Religionsgenoffen. Auch die neu aufgetauchte Beschneidungsliteratur, mit ihrer kritischen und historischen Untersuchung bereichert die giftige Aussaat des Unglaubens und stellt die Beschneidung als das Idol des Rückschritts dar. — Die rabbinischen Gutachten B über die Beschneidung, welche der erste Angriff hemjB| gerufen hatte, waren nicht für die Oeffentlichkeit be- B stimmt; die Abfasser wollten nicht durch Gelehrsamkeit W prunken und nur ihre ungcheuchelte Gesinnungsäußemg M darlegen. Die Wenigsten wünschten eine Veröffenk- M lichung derselben, welches aber denn doch durch das mit M Recht gefürchtete Umsichgreifen nothwendig wurde. Das mm nun die Abfasser derselben, wie der Mond von den Hm- 11 den, von denen angebellt, die unsere größten Männer M der Vergangenheit verspotten, und Kraftgenies, wie Ra- W paport, Luzzatto, Mannheimer u. A. von dem sumpsigen Geschmeise, welches die mephitischen Dünste eines gewissen Blattes erzeugt, besudelt werden würden, war vorauszusehen. Daß aber ein konservativ sein wollender Rabbiner, sich seine Rittersporn an denselben verdienen wolle und nachdem er Ein ganzes Jahr über denselben gehockt und jeden Gedanken, jedes Wort aus seiner kritij sehen Goldwage abgewagt hat, nunmehr in die Posaune bläst und jubelnd verkündet, was der Wissenschaft keinen Gewinn und dem Judenthum nur Schaden erzeugt, ist ein thörichter Verrat!). — So vereinigt sich Feind und Freund, dem heiligsten und ältesten Institut den Untergang zu bereiten. Der Sabbat, das geistige Bundeszeichen, Stiches bis jetzt von unserem Staate anerkannt und geschätzt war, kann nunmehr, durch erwähntes Gesetz, um in der Synagoge durch Gebet und Predigt und außerhalb nur kulinarisch gefeiert werden; eine eigentliche Sabbatfeier, eine Ruhe von weltlichem Betriebe und werktägigen Beschäftigungen, die doch biblisch und

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