Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1844)
- Date
- 1844-12-24
- Page
- Seite 403 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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j' wissenschaftliche Thätigkeit enthalten sollte: was wird diese helfen, wenn zu allen Bestrebungen der materielle Grund, die l' Existenz fehlt? Und der fehlt; denn die hochherzigen Spenden \ aus Europa bezahlen nicht das Brod, das die Empfänger l ((fen, weil Gelehrte, wie Ungelehrte damit betheiligt werden!' müssen; so lange der Ungelehrte keinen Beruf, keinen Nahrungszwcig hat. Und woher soll er ihm werden, wenn Handel, Gewerbe und Landwirthschaft nicht möglich, und Alles auf jL hje Bedürfnisse einer Stadt angewiesen ist, die eigentlich keine findustrielle Khätigkeit hat. —Das Hospital wird die schrecklichen Ausbrüche des eingewurzelten Nebels hie und da wohl hem-? men. Fabriksthätigkeit aber würde Ln kurzer Zeit das Uebel ganz beseitigt haben mit allen Wurzeln und Quellen. f Unterzeichneter hat die feste Ueberzeugung, daß, wenn auch ^s zum Hospital gesammelte Geld zu dem genannten Zwecke f; nicht hinreichte, eine Anleihe in kurzer Zeit getilgt werden f; kann, und die Spenden aus Europa ganz überflüssig werden. I Aas Klima ist herrlich, der Gesundheit höchst förderlich; der s Boden ist reich; Verbindungen mit Europa sind stets unrer- | halten. I Schließlich habe ich die Bitte, diesen Vorschlag einer f Berufung von Sachkennern zu unterlegen, d. h. Solchen, die | nicht aus Büchern die Verhältnisse der Juden in Palästina i kennen, sondern durch Beobachtung des Lebens selbst unterf. richtet sind; denn nur der, der örtlich die Verhältnisse ken- I nm gelernt, hat einen würdigen Maßstab zu einer Beurthei- } lnng und zu den Mitteln, die ihnen eine segensreiche Richtung | geben können — und nur mein jahrelanger Aufenthalt dort L;; hat mir die Berechtigung gegeben zu diesen Skizzen', deren I, Ausführung den würdigen Vertretern der hohen Interessen Israels anheimgestellt bleibt, fe I. A. Rosenthal, j£ geb. in Westpreußen und wohnhaft in Jerusalem. j; Großbritannien. |- London, 7. Decbr. Die am 1. d. M. stattget fundene Rabbinatswahl ist, nachdem die Aristokraten allen | ihren Einfluß geltend zu machen wußten, ihnen keine Mitl tel zu gering, so wie kein Preis zu hoch erschien, zu \ Künsten des Dr. Adler ausgefallen. Die Parteien für | die Rabb. Hirsch und Auerbach sind insgesammt Zur Adler'fchen Partei übergegangen, so daß für erstern f in ganz London nur eine einzelne Stimme, und für j; letztem gar keine geblieben. Für Dr. Hirschfeld wai ken in den City - Gemeinden 65 Stimmen. In der } ^estend-Gemeinde, wo die Wähler mehr freien Willen 1 Hutten, ist derselbe durch Mehrheit gewählt worden, eben ~ so in mehren Platzen in England, als Dublin, Glasgow, ' Pocthsmute, Edinburg, Chatham rc. Nach Beendigung der Wahl hatten der Vorstand und . bjc Repräsentanten ein Mittagsmahl, wo zuerst auf die Gesundheit des neugewahlten Rabbiners und dann auf Dr. Hicschfeld's Wohl getrunken wurde. Bei letzterm sagte ein Hauptwerber für Adler, daß er nicht umhin könne, öffentlich zu erklären, daß Dr. H. in vielen Beziehungen den Vorzug verdiente, nm er und seine Freunde haben ihn zu jung für diese. Stelle gehalten, deshalb alles aufgeboten, einem Bejahrter» die Stimmenmehrheit zu verschaffen. Viel, sehr viel wird von dem neuen geistlichen Oberhaupt erwartet; das Feld, welches hier seit Menschengedenken brach gelegen, soll nun auf einmal edle Früchte hervorbringrn, die hierzu nöthigen Bearbeiter sind aber so verschiedenen Gedankens, daß es schwer ist, selbe zu vereinen. Der größte Theil in Geistesblindheit geboren, kennt keinen Wunsch für das Tageslicht und scheuet sich nicht offen zu sagen: wir fühlen uns glücklich in unsrer Unwiffenheit, und bedauern gehört zu haben, daß im Kontinent die Sonne scheine. — Diese Obskuranten werden den Rabbiner hochschätzen, wenn dieser die Gebete verdoppeln, mehrCeremonielles einführen, und noch einige neue Fasttage anordnen wird. Eine andere Partei will Reform, glaubt aber, daß dieses darin bestehe, daß imw pipD und ip^D Dip’ nicht gesagt twben sollen, gegen dessen» Abschaffung würden die Erstern ein solches Zetergeschrei erheben, welches über der See gehört werden würde. Soll der Rabb. die Erziehungs-Anstalten und' Schulen verbessern wollen, werden die Personal-Veränderungen viele brodlos machen müssen, um die Stellen durch bessere zu besetzen, wozu wieder viele Ausländer herüber kommen müßten, welches die Engländer nicht gerne sehen. — Ob der neue Rabb. dem, von seinem Vorgänger gegen die hiesige Boston-Schule (welche nur einen Tag feiern) ausgesprochenen Bann, bestätigen oder aufheden wird? sind die Erwartungen verschieden. Soviel ist wahrscheinlich, wenn die Boston-Reform-Partei, nur nachgeben wollte, daß auch der zweite Feiertag in dem Tempel gefeiert werden soll (somit kann doch jeder thun was er will) und hier in der City eine Branche-Schule etablirte, so würden sich mehrere hundert Mitglieder an selbe anschließen, und wenn diese dann einen wirklichen gelehrten Rabbiner als ihren Geistlichen und als Oberschuldirektor erwählen und ein jüdisches Gymnasium nach deutscher Art etabliren, dann könnten wir von der Zukunft Segen erwarten. Wenn Geld sammeln nicht der Zweck des neuen Rabb. ist, so wird er sich oft, wie ich fürchte, nach dem ruhigen Hannover zurück wünschen. — M. G. fimibint, 6. Dcbr. Die Aufnahme meines Berichtes v. 4. Oktbr. in Ihrem werthen Blatte, welcher dann in dem hiesigen Chronikle übergegangen, veranlaßt mich, wie ich Ihnen versprochen, mit beiliegend den Schlußbericht zugehen zu lassen: Der Comune-Sekretair hat zwar in dem Chronikle eine Entschuldigung einrücken lassen, welche ibn aber 52*