Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-12-17 · 51 (17.12.1844) · p. Spalte 811-812

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
51 (17.12.1844)
Date
1844-12-17
Page
Spalte 811-812 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890852--3828-3530885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kritiken. Kurze Anzeigen. 8.12 811 Nahrung von den erquickenden Früchten der ewig blühenden und immer grünen Fluren des Ostens herbeiholte, und sie verjüngte sich wieder. Vor Allen waren es Herder,, Schlegel und Rückert, die dorthin ihr Augenmerk gerichtet/diese. Bahn eröffnet und diesen für jeden Zweig des Wissens so. heilsamen Weg geebnet haben, Eben diese Zeit war es, wo auch bei den Juden ein ernster Geist rege wurde, wo auch^diesem Kolke, dem früher nur die Klausen des Talmud-Studiums offen, standen, die Hallen der Wissenschaften aller Art. geöffnet wurden; und freudig sieht man Israels Jünglinge, geschoart nach dem geistigen Lande seiner Jugend wallfahrten, um manche Felder, die so lange brach gelegen, wieder anzubauen und ihren Brüdern, deren Kreis sich allmälig vergrößert, eine frohe Ernte zu verkünden. Und sind auch diese Kräfte noch gering, diese Zahl unbedeutend, so versprechen sie doch eine herrliche, fruchtbringende Zukunft nicht mehr für Israel allein, sondern auch für das ganze Menschengeschlecht. Dahin ist der Blick des edlern israelitischen Gelehrten gerichtet, dieses Ziel muß er unabläßig verfolgen, um auch seinem, lange in Katakomben schlummernden Wissen wieder den lebendigen Geist einzuhauchen. Und bedenkt man noch außerdem, daß noch kein vollständiges Jahrhundert verflossen ist, seitdem das erste deutsche Buch, in deutscher Sprache von einem Juden verfaßt, erschienen ist, so ist es wahrhaft Staunen erregend, wie jüdische Gelehrte in den verschiedensten Fächern des Wissens nicht nur gearbeitet, sondern auch sich ausgezeichnet haben. Die Verdienste eines Rapaport, Zunz und Jost um Geschichte und Kritik der jüdischen Literatur, eines Munk und Fürst in der orientalischen Philologie, eines Frankel in der jüdischen Theologie werden für alle Zeiten unvergeßlich bleiben. Unter diesen Namen verdient auch der Verfasser des obengenannten und eben erschienenen Werkes, als ein Mann, der schon hinlänglich durch die Herausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift der jüdischen Theologie, wie auch durch die früher erschienene Lösung der Preis-Aufgabe: Was hat Muhammed u. s. w. bekannt ist, eine ehrenhafte Stelle einzunehmen. Doch ist es nicht der Verfasser, der uns hieher bestimmte, sondern sein eben herausgegebenes Lehrbuch, das sich zur Aufgabe macht, die Sprache der Mischna grammatisch zu bearbeiten, und diese hiedurch in den Kreis der andern Wissenschaften, wenigstens in sprachlicher Beziehung einzuführen. Welche Aufgabe sich unser Verfasser stellt und in wiefern sie ihm gelungen ist, lassen wir zunächst ihn selbst sprechen. Die sonstige formale Eintheilung der Grammatik in Formenlehre und Syntax schwindet von seinem Standpunkte aus (Vorr. VI. imbll.) wo es heißt: eine ausführliche gesonderte Behandlung wird man „nicht ohne Grund" vermissen, und eine ausführliche wiffentschastliche Behandlung der Mischna behält sich unser Verfasser für die Zukunft vor. Auch beabsichtigt er nicht eine vollständige Grammatik der Mischna zu schreiben (S. 17.), indem diese Sprache blos als Fortbildung des Biblisch-Hebräischen zu betrachten ist. Es ist dieser Kreis, den sich der Herr Verfasser gezogen, zwar sehr eng, aber er füllt ihn so ziemlich aus, und sollen unsere folgende Notizen manches rügen, was von ihm übersehen und übergangen worden ist. Gleich im Anfänge vermissen wir eine — wenn auch nur kurze — historische Übersicht der Sprache und Lütexatur dW Mischna, wie dies von Gesenius, Fürst und Usimarln u. a. in ihren Grammatiken geschehen ist; und wir vHHffen dieses hier um so mehr, als dieses Buch auch für christliche Gelehrte den Eintritt ehnen will (Vorw.) Ueber die Vokals spricht sich der Verfasser nur sehr kurz §. 11. aus; er entschuldigt sich zwar daselbst „der unpunktirte Text gebe keine Auskunft", das ist wohl theilweise wahr, aber nicht ganz; es ist sehr oft durch die Flexion beim St. ecinsr. die Vokali- . sation zu entnehmen. Ist ja der Titel selbst schon abweichend vom Althebr. rWb St. c. rWD — in der Bibel St. c. und auch die Bedeutung dieses Wortes^ist nicht einmal angegeben, welches wahrscheinlich hier ursprünglich das Zweite im Range nach dem Biblischen bedeuten solle; daraus ist erst das Verbum und ^on gebildet worden, wo die Grundbedeutung schon verloren ging, und die sekundäre Bedeutung „lernen" machte sich geltend, vielleicht auch mit Anspielung auf j-)ty; der Pl. heiß ( nicht sondern DWD (auch diese abweichende Endungsart in Pl. suchen wir vergebens im §♦ 20., wo vom Numerus gehandelt wird. Die jerus. Gemara hat dafür &n\inD mit dem Pl. pn\inD was ebenfalls im Babyl. ausgenommen wurde. Es ist selbst des Redakteurs der Mischna keine Erwähnung gethan. Eben so ist z. B. die Lehre der Tempora sehr mangelhaft §• 16. — beiläufig bemerken wir, daß der Verfasser, wenn er sagt (daselbst) „die Umschreibung des Part, mit rpn sei auch im Spatbibl. nicht ungewöhnlich," vergessen hat 2 Mos. 3,1. nyD ,11,-1 — und die von der Konsekution der Zeiten gänzlich auögeblieben. Wir wollen hierzu nur ein Beispiel geben. Wenn zwei auf einander folgende Handlungen Vorkommen, so geschieht dies in der Mischna auf dreifache Weise, entweder 1) das einfache Prät. kommt bei beiden Handlungen vor z. B. Berach. 3, 2. mrn ran HN1 rop, oder 2) es wird die erste Handlung durch das Part, ausgedrückr und es folgt Prät. z. B. das. 2, 3 yißltfl Ml... Mlpl, oder endlich 3) es wird die erste Handlung durch rpn mit dem Part, verbunden ausgedrückt, die andere durch einfaches Prät. z. B. das. 2, 1 pr j/yrn minn Klip m. Bei jeder dieser drei Stellungen ist auch die Bedeut, hknfichts der Zeitfolge ganz verschieden. Beim ersten Falle trat eine Handlung nach der andern ein „sie haben begraben denTodtenund sind (dann) zurückgekehrt", daher zwei einfache Präterita. Beim zweiten Falle ist nur eine Handlung vorhanden, diese Handlung war aber so, daß er * * ♦ ‘ * oder so, daß er nicht rc.'daher Part. und Prät. Beim dritten Falle sind zwei ganz verschiedene Handlungen, und die zweite Handlung trifft zufällig mit der ersten zusammen z. B. „er liest in der Tora, nun kömmt auch die Zeit, das Schma zu lesen". Aehnlich ist dies im biblisch-hebr. nachzuweisen. Auch vermissen wir eine Abhandlung überden Casus fast gänzlich; wir wol-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.