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Der Orient · 1844-12-17 · 51 (17.12.1844) · p. Spalte 803-804

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
51 (17.12.1844)
Date
1844-12-17
Page
Spalte 803-804 (sequence 2)
Language
German
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803 804 Kritiken. Kritik der Franks. Gutachtensammlung über die Beschnekdung, schließen, ohne einer— letzter Lage mPesth erschienenen und mir' so eben ztt'Gefichte gekommenen unbedeutenden Novität, zu. erwähnen, die wenn auch sonst kaum nennenswerth, doch eines Umstandes Willen merkwürdig ist! Diese ist : Gottesdienstlichen Vortrag am Sabbat der Tröstung, den 27. Juli, 1844. Gehalten in der Synagoge zu Gyangyvs, vom Oberrabbiner daselbst. Pesth, 1844. Das Ding ist nur eine deutsche Derascha, und giebt sich auch für nichts mehr, was wir hiermit aber gär nicht tadelnd wollen ausgesprochen haben; denn nur wenige Ungar. Gemeinden sind für eine eigentliche Predigt bereits empfänglich, und für die andern sind eben diese deutschen Deraschot als Mittel des Ueberganges von den alten Deraschot zu zeitgemäßen deutschen Vorträgen im- GeDnsilo-tzens werth, da sie doch den Geschmak und Sinn des Auditoriums ein wenig veredeln und für das Völliggute und Zeitgemäße empfänglich machen. . . . Das Merkwürdige an dieser Rede ist: Es refultirtunleugbar aus derselben (wenn dies auch nicht mir klaren Worten ausgesprochen,, vielleicht nicht einmal dem Verfasser klar zum Bewußtsein gekommen ist), daß der Verf. den eigentlichen Messiasglauben ganz aufgegeben, und nur in unseren äußern und innern Emancipation seinen Messias findet . ... Es ist unmöglich zu glauben,-daß der Verf. dies habe sagen wollen, da er sich sonst orthodoxstreng und srommgläubig zeigt und gewiß jeden Lag sein r * . rpStfbn nN'On pDN'D W mit aller Inbrunst eines frommen Rabbiners sagt, und wenn er schon vom Messias so. denkt, würde er es nicht in Ungarn öffentlich zu predigen gewagt haben, daß er aber es wohl nicht sagen wollte, es aber den ganzen Inhalt feiner Rede doch macht, das zeigt — da wir nichts mehr sagen — das zeigt wenigstenswie m a n i n U n g a r n P r e d i g t e n s ch reibt ...Die Sprache ist einfach und gewöhnlich, dem Auditorium angemessen, nur wissen wir nicht, was die französischen Worte und Phrasen: en. biblique, Decendenze, Exception u. vgl. m. se ph Wah r ma nn ist vor Kurzem Rabbiner zu Gro ß- Wardein und des ganzen Biharrer Komitats geworden, und ist d e r e r st e D o k t o r, der in Ungarn ein Rabbinat bekleidet; da die bisherigen deutschen Rabbiner Ungarns wohl philosophisch gebildet, über doch nicht öffentlich als Doktoren promovirt sind . . . Ein kompetenter Richter schreibt uns über denselben aus Großwardein : „Nebst seinen gründlichen Kenntnissen in derhebr. Literatur und im rabbinischen Fache, besitzt er auch eine ausgezeichnete wissenschaftliche Bildung und ist Doktor der Philosophie. Seine Reden sind rein deutsch und haben durchwegs eine moral. Tendenz. Ohngeachtet die Orthodoxie hier noch im hohen Grade herrscht, wird er doch allerseits gerne gehört. Wieder ein Beweis, daß das Publikum auch von einem wissenschaftlichen Religionsvorsteher, wenn er . nur von wahrhaft religiösem Sinne beseelt ist, sich leiten läßt, und nur unsere Finsterlinge es sind, die aus eignem Interesse sich bestreben, Religion und Aufklärung als Antagonisten darzustellen. . . Wir können Großwardein zu seiner Akquisition nur Glück wünschen." in einer Predigt sollen! Wir hätten dem Redner auf's Wort geglaubtdaß er französisch weiß.' 3. E—h—n. Die religiöse Geltung dev Beschneidung. Kritik der in Frankfurt am Main in diesem Jahre erschienenen Gutachtensammlung der Rabbinen. Vom Standpunkte des Rechts beurtheilt. Von S. SiisMnd, Rabbiner in Weilsburg. (Fortsetzung.) R. A d l e r in K i s s i n g e n erklärt, Abweichungen in der Auslegung der Schrift könne man sich gefallen lassen; aber nicht blos theoretischsondern faktisch die Autorität der Schrift verwerfen, das wäre eine unverantwortliche Absonderung. Die positive Grundlage des Judenthums seidiepriesterliche Bestimmung seiner Glieder als Empfänger der göttlichen Offenbarung (der scharfsinnige Leser bemerkt, daß Herr A. den Ausdruck Priester in uneigentlicher Bedeutung gebraucht: ein Misgriff der freilich /beider Aufstellung eines Princips am allerwenigsten Vorkommen sollte); folglich müsse man sich auch verpflichtet halten, jedes einzelne darin enthaltene Gebot zu beobachten, wenn nicht dessen Dispensation in der h. Schrift selbst enthalten sei. Weder die Beschneidung noch die Sabbatfeier sei weder durch ein kand noch durch eine Zeitepoche bedingt. Jene sei religiöses nicht bürgerliches Zeichen des Bundes und zu allen Zeiten beobachtet worden; diese sei eines der Zehn-Gebote, deren Wesentlichkeit im Iudenthume Niemand leugnen werdtt Darüber könne also kein Theologe in Zweifel sein,-daß diejenigen von der jüd. Religion sich losgesagt-haben , die zur Beobachtung dieser Gebote sich nicht für verpflichtet' erklären, zürn a l (!) dieselben als Zeichen des Bundes eingesetzt, z u g l d i ch die eonäitio »ine quer non, das Festhalten an diesem Bunde seien. Wer sie nicht beobachte sei zwar de jure nicht aus dem Bunde getreten, aber de facto entäußere er sich dessen und könne sohin nicht als wirkliches Bundesglied betrachtet werden. Derjenige also, der geflissentlich aus Widerspenstigkeit und Ungehorsam gegen die h. Lehre, sein Kind nicht beschneiden lasse, sei zu allem nicht zuzulassen, worauf der Israelite als solcher Anspruch mache. Man könne mit ihm nicht pjQ madjen, ihn nicht zur Tora aufrufen, ihn mit keiner Israelitin^einseg ne r» (!) und ihm auf die Schrift keinen Eid abnehmen. Andere Maaßregeln dürften weder gesetzlich noch rathsant fein. Aber denjenigen, der sein Kind nicht beschneiden lasse, in allen Synagogen als einen

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