Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 51 (17.12.1844)
- Date
- 1844-12-17
- Page
- Spalte 801-802 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studie« und Kritiken für züdrsche Geschichte und Literatur. JVi H4« Leipzig, den 17. December 1844« Inhalt. Literatur-Berichte. Waag-Neuftadtl. — Kritiken. Die Frankfurter Gutachtensammlung über die Beschneidung, beurtheilt vom Rabbiner S. Süßkind. (Fortsetzung.) — Studien. Liter. Analekten. Einladung zu Beitragen für die Fürst'sche Concordanz. — Nachlese zu Fürst's Concordanz von L. Löw, Oberrabbiner in Groß-Kanischa. — Ueber eine Stelle im Sefer Mizwot Gadol, zur Berichtigung des Hrn. S. Deutsch. — Kurze Anzeigen. Geiger's Lehrbuch zur Sprache der Mischna. Angezeigt von I. Levy. — Literarische Ankündigungen. Literatur - Berichte» Waag-Neustadtl, 2 Decbr. Da die mit so vielem Beifall aufgenommenen „Literaturberichte^ sich nicht blos darauf beschränken, den Leser mit den neuesten Erscheinungen, sondern überhaupt mit der jiid. Literatur der Gegenwart bekannt zu machen, und darum oft schon Berichte über Produkte vergangener Jahre heranbrachten und heranbringen, (was immerhin sehr lobens- und anerkennenswert!) ist, da .dadurch manche vortreffliche Werke, die zur Zeit ihres Erscheinens — wo der Sinn für jüdische Literatur noch nicht so rege war, diese auch noch keine oder doch nicht viele öffentliche Organe hatte —, und bis heute dem größeren Publikum unbekannt blieben, jetzt der unverschuldeten Vergessenheit entrissen und zur Kunde der liter. Welt gebracht werden, . . .) so erlaube ich mir, die Aufmerksamkeit jüd. Literaten auf ein hebräisches Merkchen heute zu lenken, das zwar schon beinahe anderthalb Decennien alt, aber trotzdem nur sehr wenig gekannt ist, das aber dies Schicksal beiweitem nicht, vielmehr allgemeine Bekanntheit und Anerkennung verdient. Es führt den Titel: r.Nn .mpnynn M-PO (System der Tropen) vfr NOO *Tnn\ Ofen, 1832. 8. S. 136. Unläugbar eines der besten und werthvollsten Merkchen, die die neue hebräische Literatur aufzuweisen hat, und übertrifft an Tiefe und Gründlichkeit weit des hochbegabten Lewisohn's;N^NL^O,' Mit dem es zwar gewissermaaßen einen Weg verfolgt, nur gehen beide auf verschiedenen Straßen. Die beiden Werkchen bilden zusammen ein schönes Ganze und vervollständigen einander. Denn während man bei Lewisohn das tiefe poetische Gefühl, den begeisterten unds begabten Dichtergeist bewundert, der die Blüthen orientalischer Poesie so schön und wahr zu erfassen und wiederzugeben weiß, müssen wir in Wahrmann achten und bewundern den tiefen Forscher und gründlichen Kenner, der die Natur dieser Geistesblüthen — und zwar sowohl der Poesie als der Prosa — so richtig erfaßt, und uns alle ihre Eigenschaften so genau und gründlich anzugeben weiß. Und während L. an das Gegebene sich halt und dessen Schönheiten uns zu enthüllen sucht, gehet W. an die Genesis derselben und sucht ihre Entstehung nachzuweifen. — Das ,,System der Tropen^ zerfällt in drei Abschnitte, deren erster (S. 13—45)über Entstehung und Bildung der Tropen überhaupt spricht, und wo der Vers, die Entstehung der prosaischen Tropen in der Thätigkeir des auf die Verwandtschaft der Dinge und Begriffe reflektirenden Verstandes, die der poetischen hingegen in der Lebhaftigkeit und Stärke des Gefühls, dem die gewöhnlichen Ausdrücke zu gemein und schwach dünken, findet z . . . deren zweiter (S. 46— 99) dann die prosaischen Tropen, jeden besonders, durchgehet, gründlich definirt und erläutert, was der dritte Abschnitt (S. 99—136) wieder mit den poetischen thut, immer erschöpfend und originell, mit besonderer Rücksichtnahme auf das Hebräische, aus welchem die Belege genommen sind, und wobei mitunter sehr treffliche und originelle, philologische sowohl als exegetische Bemerkungen Vorkommen. In eine specielle Analyse des Werkes einzugehen, erlaubt eines Literaturberichts enger Raum nicht, und wollen wir dies um so mehr jetzt unterlassen, da der Herr Verfasser damit umgehet, dasselbe nächstens in einer deutschen Umarbeitung dem Publikum vorzulegen . . . was allerdings sehr vortheilhaft wäre, wenn er auch das Hebräische meisterhaft handhabt . . . Wir können von dieser Umarbeitung nur Gutes erwarten, da Wahrmann seiner Ausgabe vollkommen gewachsen, ein gründlich gelehrter, wissenschaftlich gebildeter Mann und ein logisch-richtigdenkender Kopf ist *). . ♦ Ich kann diesen Bericht nicht *) Der Bruder des Herrn Verfassers, R. David Ic- 61