Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1844)
- Date
- 1844-12-17
- Page
- Seite 399 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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399 j eitlen ganz andern an dessen Stelle sitzenum'.seine neue Lehre [ ^xauf zu gründen. Ihm wäre es daher vor Allem obgelegen, k tzjestn seinen neuen Offenbarüngsbegriff recht klar und deutlich I hinzustellen, damit die Urteilsfähigen im Stande wären, zu! erkennen, worin die neue Lehre, durch welche Israel das Heil I kommen sollte, von der {aUett sich unterscheide, und welcher | von beiden der Vorzug gebühre. Was hat er aber gethan, um seine Grundprincipien, auf! welchen das neue Gebäude errichtet werden sollte, gehörig ins t Licht zu setzen? Er hat sein Bekenntniß vorsätzlich in der l größten Unbestimmtheit abgelegt, in bxe vagsten Ausdrücke ein- 5 gchiillt, damit jeder.dabei so viel oder so wenig als er wolle, I oder auch gar nichts dabei denken könne. Wird man hier | nicht unwillkürlich an das Sprichwort vom Splitter und Balken erinnert? „Halter euch an Worte — rufen Sie mir zu „es ist der gute Rath des Mephistopbeles, und Mephisto ist ein schlauer Politikus, der sehr wohl weiß, was er sagt, nur Schade, wenn Männer Ihrer Art ihm unbedacht ins Netz gehen!" — Nun ich glaube, daß man diese Apostrophe mit mit größerem Rechte an Sie und den Reformverein richten könmie, mit der kleinen Abänderung blos, daß sie dem schlauen Politikus nicht unbedacht ins Netz gehen, sondern sich vorbedacht zu seinen Dienern und Handlangern gebrauchen lassen. Sie geben uns schöne Worte, reden von mosaischer Religion md höherer Offenbarung, wollen uns-glauben machen, Ihr Bestreben sei darauf gerichtet, uns von dem Joche des Talmuds zu befreien, die Lehre Israels von den Schlackenzu reinigen, die sich ihr im Laufe der Zeit angesitzt haben, um sie in ihrem ursprünglichen Glanze wiederherzustellen, während Cie doch längst darüber hinaus sind, während Sie sich von der Autorität der Bibel nicht weniger als von der Autorität des Talmuds emancipirt haben, während Sie den innern Gehalt der göttlichen Wahrheit, die ein früheres Geschlecht in der Lehre fand, nur noch aus den Schätzen der Weisheit,-die so viele große Geister aller Nationen gefunden haben, schöpfen. Nur sind sie ihrem Lehrer und Meister untreu geworden, daß Sie so unvorsichtig waren, und sich zu früh in die Karteblicken ließen, wodurch das Spiel gleich von Anfängen verdorben ist. Wenn Sie übrigens behaupten, daß wir die einzige ausführliche Untersuchung über den Begriff der Offenbarung, welche in neuerer Zeit aus dem Iudenthume hervorgegangen ist, einem geistreichen Nichttheologen verdanken, so beweisen damit Ihre gänzliche. Unbekanntschast mit der. neuern jüdlschen Literatur. Sie kennen also weder-des Oberrabbiners üorm.ffe-che.r „Religion des Geistes,^ noch des Landrabbilrers S amu e l H i r s ch „Religionsphilosophie der Juden-" Ntf) doch möchte es für Sie , 'der Sie sich zum Wortführer rmer religiösen.Partei im I u d e n t h u m e aufwerfen, viel ge- ^thener sein, die Werke der jüdischen Theologen zu studitcn' als die des Vincentius Aber auch dieser Bundesgenaffe, welchen Sie zu Hilfe rufen, um mich aus dem Felde zu (schlagen, erzeigt sich bei! näherer Betrachtung als treulos, indem er die Waffen gegen Sie selbst kehrt. Eine Veränderung oder VerbesserungderLehre giebt es nicht, sagt Vincentius, wohl aber einen Fortschritt in der Religion. Dies scheint auf den ersten Anblick ein Widerspruch zu sein. Allein V. unterscheidet, gerade wie ich es oben gethan, zwischen der Lehre der objektiven Religion, welche, als von Gott geoffenbaret, in sich vollendet und abgeschlossen sein muß, und zwischen der subjektiven Religion im Geiste und Gemüthe des Menschen, welche allerdings immer mehr ausgebildet und vervollkommnet werden kann und muß, ohne sich jedoch von ihrer Grundlage, der unveränderlichen und unverbesserlichen Lehre, entfernen zu dürfen. Die von Ihnen cirirten Schlußworte: „Es ist also Bedürfnis daß die Einsicht sowohl Einzelner als Aller, sowohl einzelner Menschen (als der ganzen Kirche, im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausrücke,"setzen dieses außer allem Zweifel. Man kann daher nur lächeln darüber, wenn Sie sich einbilden, daß V., wenn er heute als Jude lebte, keinen Anstoß nehmen würde den ersten Artikel Ihrer Erklärung zu unterschreiben. Die mosaischen Religion ist doch wohl die Lehre; gesetzt nun auch, daß eine u n b e s ch'r ä n k t e Fortbildung 'kein' Umsturz sei, worüber sich noch gar sehr streiten läßt, so ist sie jedoch jedenfalls eine V eränderung, eine Veränderung und Verbefferung der Lehre aber giebt es nach Vincentius nicht. Ueberhaupt sind Sie mit den Autoritäten, welche Sie zu Ihrer Assistenz hevbeiruftn, nicht sehr glücklich. Auch Moses Mendelssohn rufen sie an und fragen mich, ob er wohl die von mir aufgestellte Erklärung (nach welcher im Iudenthum die heilige Schrift als das erste, das einzige Princip der Lehre und des Lebens gelte) unterschreiben würde? er, der die Ansicht aussprach, daß die ewigen Religionswahrheiten gar nicht in den Kreis des geoffenbarten Judentums gehören? So viel haben Sie sich jedoch nicht getraut zu behaupten, daß Mendelssohn, wenn er heute lebte, auch keinen Anstoß nehmen würde, die. Erklärung des Reformvereins zu unterschreiben. Sie wissen wohl,' daß M. in derselben Schrift, aus welcher jener viel besprochen und auch viel bestrittene Satz entnommen ist, die Behauptung aufstellt, daß alle mosaischen Gesetze geoffenbart, d. i. von Gott durch Wort und Schrift bekannt gemacht worden sind, woran er die weitere Folge knüpft, daß alle diese Gesetze, und zwar außer den schriftlichen auch die mündlichen für alle die, welche im Haufe Jakobs geboren sind,' in so lange verbindende Kraft behalten, bis es dem allerhöchsten Gesetzgeber gefallen wird, uns wieder davon zu entbinden, durch eine neue Offenbarung seines Willens, die aber so laut, so öffentlich/ so über alle Zweifel und Bedenklichkeiten erhaben sein müßte, als die Offenbarung des Gesetzes selbst. Und in der Einleitung zu feinem Kommentar über das erste Buch Moses sagt M.- ausdrücklich/: „Es ist .kein Zweifel, daß unser Moses alle Warte des Gesetzes aus dem Munde G o t t e s gehört habe, mit all der Verzierung und Aus-