Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1844)
- Date
- 1844-12-17
- Page
- Seite 397 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I 397 f. Fortschritte in der russischen Sprache und Literatur gemacht |' haben , persönlich von der Rekrutenpflicht befreit. 9) Daß alle Kosten, die zur Errichtung und Erhaltung der Hebräerschulen nothwendig sind, aus den besondern Mitteln gedeckt werden, die zu diesem Zwecke dem Ministerium der Volks- . aufllärung zur Verfügung gestellt werden, und daß die Summen, die etwa am Ende eines Jahres übrig bleiben dürsten, „ jU{ Bildung eines hebräischen Schulfonds verwendet werden ' sollen; 10) daß die hebräischen Privatschulen und Hauslehrer dm allgemeinen hierüber gültigen Vorschriften, mit den dem Wesen der Sache nach nothwendigen Abänderungen, unter- J geordnet werden sollen. I Nach den hier angegebenen Prinzipien werden Sie nicht [; unterlassen, die nöthigen Vorschriften zur Organisation der (Bildung der Hebräer zu entwerfen, und auf den Grund derselben zur Ausführung zu schreiten. Und um die gegenwärtigen hebräischen Lehr- und gelehrten Anstalten sowie die Hauslehrer zu ermitteln und sie unter die Leitung des Ihnen anvertrauten Ministeriums zu bringen, überlasse ich es Ihnen, nach den an die betreffenden Behörden hierüber erlassenen £ Mittheilungen an den Orten, an welchen die Juden wohnen, i* zeitliche Kreis- und Gouvernementskommissionen von Christen s' und Juden zu errichten und sie mit den gehörigen Vorschrif- § tm Ihrerseits zu versehen. Wir hoffen, daß dieser neue Be- U ms unserer Fürsorge für die moralische Verbesserung des »' Zustandes der Hebräer dieselben aneifern wird, auch ihrerseits 1' mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zur Erfüllung Idieses Plans mitzuwirken, der nur ihr wahres Wohl bezweckt. |f: Gatschina, den 13. Rov. 1844. (Gez.) Nikolaus." j Zur Kermtuiß des Reformverems. l Offenes Antwortschreiben an Hrn. M. A. Stern auf dessen offenen Brief über den t Reformverein.! Von M« Gutmann, Distriktsrabbiner. (Fortsetzung.) Sie suchen mich auch ad absurdum zu führen. Me bej haupten, die Anklage, als bezwecke der Reformverein nichts [ Geringeres als den Umsturz der ganzen mosaischen Religion, Isei nicht nur gegen die Gesinnung, sondern auch gegen den $ Verstand der Erklärenden gerichtet. „Denn sich auch nur den Schein geben wollen, als erziele man eine religiöse Reform und gleich mit dem ersten Worte die Religion über den Hausin werfen, das wäre doch gar zu dumm." Je nun, klug \!)Qt der Reformverein seine Sache gewiß nicht angefangen; | dies hat der Erfolg mehr als hinreichend bewiesen. Während I Tausende, wie das Programm aussagt, von der Theilnahme [ am talmudisch-rabbinischen Iudenthume sich innerlich losgei sagt haben, und Viele, durch die geistige Bildung der Zeit getränkt und genährt, bei dem gegenwärtigen Zustande des Iudenthums sich höchst unbehaglich suhlen, hätte man doch mit Grund erwarten sollen, daß alle jene Lausende auf das gegebe Zeichen sich aufmachen und den Fahnen des Vereins zueilen würden, um ihre Zustimmuug zu der neuen. Lehre freudig zu erklären. Wo sind aber die Schaaren geblieben, die sich nm das aufgesteckte Panier der Freiheit gesammelt haben? Warum macht der Verein die Verzeichnisse derer nicht bekannt, welche durch seine in alle Welt ausgesandte Apostel, die Erklärung und das Programm und das zweite Rundschreiben, bekehrt worden sind? Ich muß mir hier schon wieder die Freiheit nehmen, Sie an das Memoire des Herrn Dr. Srern in Göttingen, an Herrn Dr. Rießer zu erinnern. Denn darin, daß der Verein so ungeschickt war, dieses Memoire, in welchem als Endpunkt der Reform die Vernichtung desOffenbarungsglaubens angegeben wird, sich aus den Händen spielen und an das Licht der Oeffentlichkeit ziehen zu lassen, darin lag der Hauptgrund, weshalb alle diejenigen, in welchen noch ein Funke des väterlichen Glaubens lebendig ist, vom Beitritte abgeschreckt worden sind. Außerdem würde gar Mancher, dem es an dem nöthigen Scharfsinne gebrach, die verschlungenen und zweideutigen Phrasen zu entwirren und aufzulösen, in dem guten Glauben, daß es sich blos um einen Kampf gegen den Talmud und die Verbindlichkeit seiner Vorschriften handelte, als Mitstreiter beigetreten sein. Höchst ungeschickt ist es auch vom Vereine, daß er gerade Sie zum Wortführer und Vertheidiger seiner Sache bestellt hat, wodurch man eben unwillkürlich an Ihre in dem Memoire geäußerten Grundsätze erinnert und zu dem Glauben gebracht wird, daß die Stifter des Vereins dieselben Ansichten mit Ihnen theilen. Es wird doch den Herrn nicht an Muth gebrechen, das begonnene Werk selbst zu vertreten und wider die dagegen erhobenen Angriffe in Schutz zu nehmen? Dann war es eben höchst unklug, ein solches Werk zu unternehmen. Was nun Ihre übrige Polemik, die Sie speciell gegen die von mir aufgestellten Grundsätze führen, betrifft, so beruht dieselbe auf einem gänzlichen Misverstä'ndnisse meiner Worte. Denn daß Sie diese vorsätzlich verdreht haben sollten, um sich das Spiel leichter zu machen, das traue ich Ihnen, der Sie ein so großer Freund der Offenheit, Geradheit und Entschiedenheit sind, nimmermehr zu. Sie gehen von der Voraussetzung aus, als wäre ich ein Anhänger des todten Buchstaben, glaubend, als wollte ich den Quell der Offenbarung zu einem stehendem Wasser machen, als gestände ich der Vernunft gar kein Recht zu in Sachen der Religion. Dies habe ich aber nirgends gesagt, und dies ist mir auch noch nie in den Sinn gekommen. Allerdings sind mir die heiligen Bücher, welche nach dem Glauben Israels Moses und die Propheten durch Gottes Eingebung niedergeschrieben haben, das erste und einzige Prineip der Lehre sowohl als des Lebens. Ich