Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1844)
- Date
- 1844-12-17
- Page
- Seite 395 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Darstellungswerse sind so, wie sie das lesende Publikum in der „Familie Hoch" und im „Hofagent Maier" kennen gelernt hat. Den Subskriptions-Preis habe ich für circa-12 Druckbogen starkes Exemplar auf Schreibpapier, großen Formats, auf nur 40 kr. festgesetzt. Sammler erhalten auf 10 Exemplare eins gratis. Die Aanien der Subskribenten werden dem Werke vorgerückt. Und so empfehle ich das Unternehmen, nächst Gott, allen Freunden der Volksbildung, insbesondere l aber meinen HH. Kollegen von nah und fern, zu geü fälliger Förderung. K r am e r. Hamburg, 9. Decbr. Vorgestern Abend langte i die Nachricht von dem Resultate der Londoner Rabbi- : rmwahl hier an. Herr Oberrabbiner Dr. Adler in; Hannover hatte die Majorität; die meisten Stimmen f nach ihm waren Herrn Landesrabbmec S. R. Hirsch; in Emden zugefallen. Ueder die Wahl selbst, die jetzt! zum fait accompli geworden ist, enthalten wir uns! aller weiteren Bemerkungen. Die Zeit und der Erfolg | mden über den Grad ihrer Angemessenheit richten f müssen. | Hamburg, 8. Decbr. Die ältesten Leute wissen j sich keines so zahlreichen Leichengefolges zu erinnern, wie | dasjenige war, welches gestern, am Sonntage, den 8., | Vormittags, die irdische Hülle des am 3. d. M. ver- § (Menen Herrn Dr, G. H. Gerson zur letzten Ruhe- I statte begleitete. Es waren nicht die 120 Wagen, welche l sich in dem, um 11 Uhr vom Trauerhause, der bisherif M Wohnung des Verewigten am Kraienkamp, aus sich | entwickelnden Zuge befanden und deren Zahl und äußere | Form mit den einfachen, unverzierten Leichenwagen der J neuen (sog. dreitägigen) Beerdigungsgesellschaft einen eigen- | thümlichen Kontrast bildete: es war die allgemeine, sich ß in dem Andrange einer unübersehbaren, dichten Menschenmenge, in den Klagen der Armen, in dem Herbeiströmen von Frauen und Kindern aus den höheren und den niedem Ständen ohne Unterschied der Konfessionsich kundzebende Theilnahme — eine Fortsetzung des vom Todes- bis zum Begrabnißtage, also 5 Tage hindurch, fast den' alleinigen Stoff der öffentlichen Unterhaltung ausmachenden Aeußerungm der allgemeinen Trauer über den herben Verlust, den die Stadt erlitten, — dieser Ausdruck einer aus der populären Wirksamkeit und dem schlichten, biederen Charakter des Dahingeschiedenen hervorgegangenen Ehrenden Pietät und Anhänglichkeit war es, der die Trauerfeierlichkeit als eine wahrhaft seltene und imposante Manifestation der öffentlichen Meinung erscheinen ließ. Etwa um 12 Uhr war der Zug, der sich vor der äroßen Synagoge vorbei durch das Altonaer (Millern-) ^hor langsam vorwärts bewegt hatte und von einem dichtem Menschenknauel umringt war, am neuen israelitischen Kirchhofe an der Sternschanze (in der Nähe des logenannten Pestberges und nicht weit vom Dammchore Liegen) angekommen» Trotz der schneidenden Kalte und des heftigen Windes waren hier nicht blos alle angesehenen Mitglieder der jüdischen Gemeinden Hamburg's und Altonas, sondern auch die christlichen. Kollegen des Verstorbenen in großer Anzahl, selbst alte, schwächliche Leute, Frauen und Kinder, insbesondere der noch am Leben gebliebene Rest der Freiwilligen der hanseatischen Legion, die Schüler der ersten Klasse der isr. Freischule, viele andere Verehrer des Verstorbenen und der aus der Ferne emgetroffene Sohn desselben versammelt. Ein langjähriger Berufsgenosse und Freund des Verewigten, selbst ebenfalls früher den Reihen der Kampfer für Deutschlands Unabhängigkeit angehörig, zugleich ein ausgezeichneter Redner, Herr Dr. Hahn, sprach am Grabe Worte, wie sie der Moment und die Veranlassung erheischten. Hoffentlich wird Hr. Dr. Hahn selbst oder einer der Zuhörer, die in seiner unmittelbaren Nähe standen, die Rede auch dem größeren Publikum mittheilen, sowie mit Sicherheit anzunehmen ist, daß Hr. Dr. F. W. Oppenheim, als Freund und Kollege des Verewigten, nicht minder als Redakteur der von Gerson und Julius gegründeten Hamburger wedicinischm Zeitschrift, in derselben einen umfassenden Nekrolog des Verstorbenen liefern wird. Gerson hat indessen nicht blos als Arzt, sondern noch weit mehr als Mensch gewirkt und durch seine Persönlichkeit und sein Wirken redlich an seinem Theile dazu beigetragm, die Gegensätze der Konfessionen zu mildern. Ruf und Ehre und Anerkennung und ein bleibender Nachruhm sind ihm nach Verdienst geworden. Und dieser Mann — man verzeihe uns diesen schrillenden Miston am Schlüsse unseres Referats — dieser Mann entbehrte, als Jude, der Bürgerrechte, des Bürgernamens in seiner Geburtsstadt, die ihm ein untilgbares Kapital von Segen und Wohlthun schuldet. E. C. Polen und Rußland. Petersburg, 24. Nov. (D. A.Z.j Die allgemeine Theilnahme, welche fast die ganze gebildete Presse Europas dem Schicksale der Juden Ru ß la nd s schenkt, wird es wohl entschuldigen, wenn ich hierbei eine ganz neue Erscheinung in den jüdischen Angelegenseiten in Rußland mittheile. Es ist ein soeben erschienener Ukas, welcher die Organisation einer staatsbürgerlichen Bildung unter den Juden des russischen Kaiserreiches bezweckt und die Errichtung besonderer Schulen für dieselbe angeordnet. Der Ukas enthält nur die allgemeinsten Grundlagen einer Herausbildung' der Hebräer, nach welchen das Ganze aufgeführt werden solM und es ist in diesen schon der große Einfluß der Bedenklichkeit nicht zu verkennen; die detaillirte Ausführung ist dem Minister der Volksaufklärung überlassen, und aus seinem Departement werden in Kurzem die einzelnen Verfügungen erscheinen, die das ganze Verfahren leiten werden. Der Ukas lautet: G 51*