Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 50 (10.12.1844)
- Date
- 1844-12-10
- Page
- Spalte 797-798 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kritiken. Kurze Anzeigen. 797 798 Len, außer wenn die Zelt der Noch sehr drückend war. Obgleich die Karäer dies von sich allein rühmen, so haben doch, wenigstens in späterer Zeit, auch die Rabbaniten eine unentgeldliche Unterweisung im schriftlichen und mündlichen Gesetz eingeführt. Bei den Heidenbeweisen es die Aussprüche, und die Thaten großer Männer, daß sie der Meinung waren, man könne dem Lehrer für die erhaltene geistige Bildung zwar genug Lohn, aber nicht Ehre zollen. Uebcr die Liebe haben sie eine gesündere Lehre als die Pharisäer, die aber doch weit hinter dem Evangelium zurücksteht. Aus diesem haben sie wahrscheinlich die goldene Regel entnommen, einem Andern nicht das zu thun, was wir nicht wollen, daß uns geschehe; denn sie schärfen diese fast mit denselben Worten ein. Daher soll man auch den Bruder, wenn er gegen uns oder gegen das Gesetz gesündigt hat, nicht sogleich öffentlich oder im Beisein Vieler anklagen, sondern nur dann, wenn er sich von seinem bösen Wege nicht bekehrt. Vergleiche hiermit die Vorschrift Matth. 18, 15. und 1 Tim. 5, 20. Aber sie dehnen ebensowenig als die Pharisäer den Begriff des Nächsten weiter aus als auf ihre Brüder und die hebräische Nation. Auch gestatten sie Rache und Haß gegen die, welche uns übelthun, daher Christi Ausspruch Matth. 5, 44 ganz richtig ist, wenn man unter den ccq%cuols (D^lDIp) die jüdischen Lehrer versteht. Die Pflicht zu beten leiten sie aus dem Gesetz, aus der Vernunft und aus dem menschlichen Bedürfniß ab. Sie haben sieben Namen, womit sie die verschiedenen Arten des Gehets bezeichnen: n^psr Tll min1) NM jqp cm mnp npya n:nn. sson diesen kommt raw und nmn mit der ev%ciQLGTicL überein, runn und mit itQogsv%7] und derjotg, i”i£'pD und die beiden noch übrigen mit der avzevgig, welche nach Hesychius a%dvzy\Gig v.aza 'zcov itlrjfiiislrjGciviav ist. Die Ordnung, in welcher die Gebete zu verrichten sind, ist folgende: 1) Lob Gottes wegen seiner Werke. 2) Preisung der Wahrheit, der Macht, der Majestät desselben und anderer Eigenschaften, welche sich auf die Schöpfung und Erhaltung der Welt beziehen. 3) Bekenntniß der Sünden. 4) Bitte um Vergebung der Sünden. 5) Abbitte, um Gott wieder gnädig zu machen. Der Ort des öffentlichen Gebers ist die Synagoge oder das ttfTüDH rP3, wie vorher der Tempel. Die Zahl der Bitten ist bei Einigen sieben, bei Andern drei, bei den meisten zwei, so daß früh und Abends gebetet wird um die Zeit des täglichen Opfers, dessen Stelle das Gebet einnimmt. Was sonst in Betreff des Gebets vorgeschrieben wird, bezieht sich theils auf die Personen, theils auf den Inhalt, theils auf die Sprache. Die Person soll sein (pubis), ferner verständig und rein, obgleich darüber noch gestritten wird, ob einem Unreinen das Beten verboten ist; zum Zeichen der Reinheit soll man sich vorher Hände und Füße waschen, wie die Priester vordem j Opfern thaten; die Aufmerksamkeit soll aus das Gebet gerichtet' sein und das Herz soll das denken , was der Mund j spricht. Der Inhalt des Gebets soll vorzüglich aus den 10 Glaubensartikeln genommen werden, sofern diese zum Loben oder Bitten etwas beitragen. Eine große Vorsicht und Auswahl beobachten sie bei den Titeln und Epithetis, die sie Gott geben; allzugroße Geschwätzigkeit ist verboten. R. Eliahu gibt ein Muster der sieben obengenannten Abteilungen des Gebets. Zu den Gesten, deren sich die Karäer beim Beten bedienen, gehört das Ausstrecken der Hände nach 1 Reg. 8, 38, dann Beugung der Knien und Niederfallen, Beugung des Haupts (minnt^n) oder auch des Scheitels (.TPpri), welches eine tiefere Verbeugung ist, Emporrichtung der Augen, Stehen, Erhebung der Stimme und leise Sprache, nach Art der Channa 1 Sam. 1, 13. Auch über die Kleidung und den Ort werden Vorschriften ertheilt. Man soll einen bestimmten beibehalten und das Gesicht nach Jerusalem hinwenden. Das Gebet für die Einkunft des Messias muß mit leiser Simme geschehen, wahrscheinlich wegen der Heiden, zu deren Verderben der Messias ankommt. Das Gebet der Versammlung in der Synagoge wird für viel erfolgreicher gehalten als das Gebet des Einzelnen. Der größte Theil der Weisen bei den Karäern schreibt vor, daß man in keiner andern Sprache beten soll als in der heiligen, weil sie allein die reine ist, in der keine fremden und obscönen Wörter Vorkommen, und weit Gott selbst geboten hat, daß man ihn mit den Namen ni>T anrufen soll. Sie sind nicht so abergläubig wie die Rabbaniten in Betreff der Aussprache des Namens Gottes, wie er im TszQayQK^dTov enthalten ist. Der Glauben und die Buße, welche die heilige Schrift den Betenden Empfiehlt, vergessen auch die Karäer nicht. (Beschluß folgt.) Kurze Anzeigen. 69) Dreizehntes Buch der jüdischen Antiquitäten des Flcwius Iosephus, enthält die Geschichte der Juden seit der Schlacht von Aza, in welcher Judas Makkabäus siel, bis zum' Tode Alexandra's. Ueb er setzt und durch Anmerkungen erläutert von Dr. M. H o r sch e tzk y. Groß- Kanischa, 1843. gr. 8. Johann Wajdits. (S. 107). Im Jahre 1825 hat der Hr. Vers, bei M. I. Landau in Prag die „Geschichte der Juden seit dem Rückzüge aus der babylonischen Gefangenschaft bis zur Schlacht bei Aza. Enthält das Xi, und XU. Buch der jüdischen Antiquitäten des Flavius Iosephus; übersetzt und durch Anmerkungen erläutert von Dr. M. Horschetzky. Mit einer Vorrede von M. I. Landau" herausgegeben und die anzuzeigende Schrift jetzt als Fortsetzung veröffentlicht. Es bedarf kaum eines Beweises, daß die Uebertragung der Ioses'schen Werke mit besonderer Rücksicht auf die gleichzeitige und spätere jüdische Literatur höchst nützlich und fördernd ist. Nie würde es dem Pseudo-Josef gelungen sein, seine historischen Unrichtigkeiten unter die morgen- und abendländischen Juden zu verbreiten,