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Der Orient · 1844-12-10 · 50 (10.12.1844) · p. Spalte 795-796

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
50 (10.12.1844)
Date
1844-12-10
Page
Spalte 795-796 (sequence 6)
Language
German
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795 Studien. I. Lrigland's Abhandlung über die Karaer. 796 ncn prophetischen Geist die Propheten geführt; 8) der hochgelobte Gott wird die Menschenkinder am Lage des Gerichts auferwecken; 9) der hochgelobte Gott wird einem Jeden nach seinem Wandel und der Frucht seiner Werke vergelten; 10) der hochgelobte Gott hat sein Volk in der Gefangenschaft nicht verworfen, auch wenn es den Züchtigungen unterliegt, sondern er läßt ihm zuverlässig an einem Lage das Heil zu Theil werden durch den Messias, den Sohn Davids. Ueber diese zehn Artikel hat unter Andern der berühmte R. Iefet Levita, der nach den Karäern der Lehrer Ibn-Esra's gewesen ist/ einen Kommentar geschrieben; daher kommt es, daß Ibn-Esra der Karäer mehr als andere Interpreten Erwähnung thut. Die Karäer nehmen die ganze heilige Schrift an, bestehend aus 24 Büchern, die Apokryphen achten sie gar nicht, nehmen auch ,'gar keine Notiz von ihnen. Uebcrsetzungen gebrauchten sie, namentlich sollen sie nach Simon die arabische und die griechische hochschätzen, aber immer halten sie es für sehr wünschenswert!), daß alle von Jugend auf die heilige Sprache lernen, worauf sich der sechste Artikel bezog, weil jede Übersetzung nothwendrger Weise viele Unvollkommenheiten an sich trägt. Als löbliches Hermeneutisches Gesetz gilt es bei ihnen, die Vernunft als Werkzeug der Untersuchung anzuwenden, die heiligen Schriften selbst aber als Prüfstein und einzigen Grund. Ueber die Natur Gottes philosophiren sie auf eine solche Weise, wie man sie nur billigen muß. Sie theilen die Vollkommenheiten Gottes und die Beinamen, die ihm gegeben werden, in drei Klassen: DHD, DHD ■ rbyV th) ipöä n1? dhdi, so doß mh bedeutet, was auf das Wesen, rb]h was auf die Wirksamkeit Gottes Bezug hat, rfrp1? nV) N1? was Gort nur im Verhältnis zu anderen Dingen und durch einen Denkakt unsers Verstandes zugeschrieben wird, wie ^Dlp, ^niO,; alle Eigenschaften aber, welche Gott zukommen, sind, von Gott aus betrachtet, identisch und gehen in eine strenge Einheit auf; Verschiedenheit lassen sie zu in den Wirkungen, wobei sie das Beispiel der Sonne gebrauchen, welche erweicht, verhärtet, austrock'ner, belebt rc., ohne daß sie selbst eine andere wird. Daher behaupten sie auch die Unveränderlichkeit Gottes. Den göttlichen Schöpfungsakt erklären sie für eine Hervorbringung der Materie aus Nichts; sie läugnen daher gegen Aristoteles, eine ewige Existenz der Materie. Der erste Mensch war von Gott gut und auch unsterblich geschaffen, und hatte gleich von Anfang an das Recht, die Lhiere zu tödten. Die göttliche Vorsehung dehnen sie aus Alles aus, sowie auch sein Wissen, und wenn uns etwas nicht in gehöriger Ordnung vor sich zu gehen scheint, so liegt das an der Schwäche unserer Erkenntniß.. Das Gesetz Mose's gilt ihnen für ewig und unveränderlich.., Dem Menschen lassen sie nach dem Falle den freien Willen, und lassen daher Alles in Gottes Hand sein außer der Furcht Gottes; sie läugnen zwar nicht den göttlichen Einfluß und die göttliche Hilfe, aber sie lassen deren Erfolg vom Menschen selbst abhängen« Sie nehmen eine vorausgehende Disposition des Menschen dazu an, möge diese nun von der Natur oder den Sternen oder dem Temperament herrührcn. Dieses v'ipco^a des menschlichen Herzens ist es, dem sich der Apostel Paulus so stark entgegensetzte. Einige Karäer nehmen vier Disposiionen der Seele an (r»JDn): Tod und Leben, Gesundheit und Krankheit. Todt ist die mit Sünden befleckte Seele, lebendig die von Sünden freie, welche gute Werke vollbringt. Gesundheit ist die Einsicht in die Natur und Ordnung der Dinge, Krankheit ist die Lhorheit. Setzt man diese vier Dispositionen zu je zweien untereinander zusammen, so ergeben sich sechs neue Beschaffenheiten, von denen jedoch zwei, nähmlich lebendig und zugleich tobt, gesund und zugleich krank, als unmöglich müssen verworfen werden. Die vom Körper getrennten Seelen erhalten sogleich, je nachdem sie verdient haben, Belohnung oder Strafe. Den Glauben an die Seelenwanderung erklärt R. Eliahu für etwas Thörichtes. Der Messias wird als ein irdischer König beschrieben, als ein gewaltiger Sieger, der zu seiner Beglaubigung keiner Wunder, auch nicht der Lodtenauferweckung, bedürfen wird; er wird das zerstreute Israel sammeln, alle Völker unterjochen und eine vollkommene Beobachtung des Gesetzes, -welches er ganz unverändert läßt, Herstellen. Ein bestimmtes Merkmal für die Zeit, wo er ankommt, giebt es nicht; doch wird er bald kommen, und die Ursache seines Zögerns liegt nach R. Eliahu theils in dem langsamen Laufe des Saturn, , welches der Stern Israels ist , theils in der noch nicht hinreichenden Vorbereitung des Volks auf diese Gnade. Die Sitten und Lebenseinrichtungen der Karäer sind in der Kürze Folgende: Zu Hause findet bei ihnen die größte Reinlichkeit und Mäßigkeit sowohl, im Essen und Trinken als in der Kleidung statt. Die Unterschiede der reinen und unreinen Speisen scheinen ihnen der leiblichen und geistigen Gesundheit wegen festgestellt zu sein. Eine übermäßige Anfüllung des Magens ist bei ihnen streng verboten und wird mit Steinigung bestraft, wenn Ermahnung und Peitschung nichts geholfen haben. Denn sie betrachten die Unmäßigkeit nicht als ein einfaches Laster, sondern als die Wurzel aller übrigen Verbrechen. Die Strafe der Steinigung konnte nur zur Zeit der Republik angewendet werden, seit der Gefangenschaft mußte der Bann an ihre Stelle treten. So sehr sie aber auch sich der Sparsamkeit uud Enthaltsamkeit, befleißigen, so fliehen sie doch ganz und gar eine abergläubische Auswahl der Speisen und eine übertriebene Mäßigkeit, der sie keinen Lohn oder Nutzen zuschreiben. Den Bart lassen sie der Zierde und Würde wegen .stehen. Alles Heidnische in Sprache, Essen und Kleidung soll vermieden werden. Die Aeltern wollen sich sehr hoch geehrt wissen in Wort und That, noch viel höher aber ist die Ehre, die sie den Lehrern erweisen; dies geht soweit, daß Niemand der Meinung eines Lehrers widersprechen darf; es ist dies ebensoviel, als wollte man mit der Gottheit selbst disputiren. Die Ehre und Dankbarkeit, die man ihm schuldig ist, wird ausdrücklich der gegen den Vater nachgesetzt. Viel muß es zu der Gunst, in der bei den Alten die Lehrer standen, beigetragen haben, daß sie gewöhnlich umsonst lehr-

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