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Der Orient · 1844-12-10 · Heft 50 (10.12.1844) · p. Seite 391

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 50 (10.12.1844)
Date
1844-12-10
Page
Seite 391 (sequence 13)
Language
German
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391 nothigt, die Anordnung zu erlaffen, daß jede solche Anmaaßung für die Zukunft, und zwar für jeden einzelnen Badegast mit einer unnachsichtlichen Geldstrafe pr. 20 fl. K.-M. belegt werden müßte, weil das k. k. Kreisamt ohne eigene Verantwortung unter keinem Umstande gestatten kann, daß solche gesetzwidrige Bedrückungen noch ferner ausgeübt werden; daher man sich für den Fall einer nochmaligen Uebertretung noch strengere Zwangsmittel Vorbehalt. Die Berichtsbeilagen folgen anreihend zurück. Hradisch, 29. Juli 1844. In Dienstensabwesenheit: Brecherc v. Pock k. k. Kreiskommiffar m " Die Leser können aus diesem einen Falle auf die eigenmächtige Verwaltung unserer subalternen und niedrigen Beamten schließen und einen Blick in die unheimliche Werkstatte der schamlosen Bedrückung werfen.! Dank sii es dem wackern und energischen Hrn. Fran- 1 l'el, daß er die Feffeln der Büreaukratie gesprengt.und [ den unterdrückten Glaubensgenoffen Recht verschafft; ' Dilnk dem k. k. Kreisamte für die gerechte Handhajj billig des Gesetzes! Das Luhatschowitzer Wirthschaftsamt aber hat über sich silbst den Stab gebrochen und ich fthmche nicht erst seine Schande durch Worte zu lirandj marken. Unsere weise und huldreiche Regierung würde l oft in einem schöneren Lichte erscheinen, wenn nicht der k Schmuz kleinlicher und kleiner Beamten es verdunkelten, j — Ich kann nicht umhin, zum Schluffe, noch auf unf fee Schulwesen zurückzukommen. Es wundert uns naml lich, daß Hr. I. Pollak — den Lesern der Bikkure i ha-Jttim vortheilhaft bekannt -— bei dieser wichtigsten l Gemeindeangelegenheit die Hände in den Schooß legt,? da doch nur die Hebung des Schulwesens im Stande \ ist, eine kräftige, lebensmuthige und vorurtheilsfreie Gej meinde heranzubilden. Sollte der treffliche hebräische Dichter mit einem Male ganz prosaisch sein*)? | Moritz. Schweden und Norwegen. ©ImfHmim, 20. Novbr. (D.A.Z.) Der Reform 'n der Judensache ist jüngst auf die trübseligste Weise Vorschub geleistet worden. Zwei Juden, welche unbekannt mit dem Verbote, hierher gekommen waren, wurden gleich verhaftet und ein Proceß wider sie eingeieitet; der Eine wurde später losgelassen, da sich bei der Untersuchung zeigte, daß er ein portugiesischer Jude sei, welche Klasse eine alte Erlaubniß hat, in Geschäften ohne specielle Bewilligung hierher zu kommen- Dem Andern *) Der beregte Gegenstand in dem beiliegenden Schreiber um ausführlich besprochen werden, wenn die Aktenstück Mizukomnien. Red. ging es dagegen sehr schlecht: er wurde dem Gesetze gemäß zu einer Strafe von 800 Species verurtheilt, und da er nicht appelliren wollte und der König nur nach dem Urtel in der höchsten Instanz begnadigen kann, so gab es kein Mittel, um ihn zu retten; da er nicht die Strafe bezahlen konnte, mußte er sie mit dreißigtägigem Gefängniß bei Wasser und Brot abbüßen. Und so sitzt er denn nun in enger Haft als ein Opfer der Barbarei unserer Gesetze, würdig der finstersten Zeiten des Mittelalters. Wahrscheinlich wird aber der allgemeine Eindruck des Unwillens, welchen diese ganze Geschichte hervorgebracht hat, die gute Folge haben, daß selbst die hartnäckigsten Konservativen und namentlich die Bauern ihre bisherige Stellung in der Judensache unhaltbar finden und so in eine Veränderung auf dem nächsten Storthing einwilligen werden; die Lehre dieses Exempels ist wenigstens stark genug, um im klarsten Lichte zu zeigen, zu welchen Absurditäten das Verbot führt. Uebrigens scheint unsere Handlungsweise dem hier erwähnten Israeliten einen außerordentlichen Respekt für die christliche Religion eingeflößt, am meisten scheint der Katholicismus ihn angesprochen ^zu haben, aber abgewiesen, wie es scheint, von ihrem Priester, ist er einem lutherischen Prediger in die Hände gefallen, welcher nun beschäftigt ist, dieses neue Mitglied für die christliche Kirche zu gewinnen und so mit geistigen Wohlthaten ihm die zugefügten irdischen Uebel zu vergüten. Es ist jedenfalls etwas Tragikomisches in diesem unserm Bestreben, eine Seele für den Himmel zu gewinnen, wie in dem armen Manne der alte Adam mit dem Fleische selbst ausgetrieben und so Platz für den neuen Menschen gemacht wird. Man muß uns einraumen, daß wir die Bekehrungskunst recht gut verstehen; wenn man überall so starke Mittel für die Ausbreitung der religiösen Wahrheiten anzuwenden wüßte, sollten wohl mehr getauft werden, als geschieht. Zur KerrnLmß des Neformvereins. Offenes Antwortschreiben an Hrn. M. A. Stern auf dessen offenen Brief über den Reformverein. Bon M. GuLmcmn, Distriktsrabbiner. (Fortsetzung.) Daß übrigens unsere Belehrungen über den speciellen Punkt, mn den es sich hier handelt, über den Messiasglauben nämlich, nicht ohne Früchte geblieben, können Sie aus dem Schluffe meines eben erwähnten Gutachtens (S.71 der „Theologischen Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen israelischen Tempelvereins in Hamburg") wo ich

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