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Der Orient · 1844-12-03 · 49 (3.12.1844) · p. Spalte 779-780

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
49 (3.12.1844)
Date
1844-12-03
Page
Spalte 779-780 (sequence 6)
Language
German
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779 780 Studien. Z. Lrigland's Abhandlung über die Karäer. Wenn man mit diesen Gründen die Gegengründe der Rabbaniten vergleicht, so sieht man, daß sie höchst erbärmlich sind. R. Saadja hatte 7 Gründe für die Notwendigkeit der Traditionen beigebracht, die R. Schalmon in einer metrischen Epistel sehr geschickt widerlegt; weil diese aber, bis auf den letzten, gar zu geringfügige Dinge betreffen, so können sie füglich übergangen werden. Der letzte Grund lautet bei R. Saadja so: Zum Siebenten haben wir nöthig zu wissen, damit wir uns rühmen können der Kenntniß über die letzte Zeit der Erlösung und der ihr gleichzeitigen Auferstehung der Tobten. R. Schalmon antwortet darauf: ln den Psalmen und bei allen Propheten wird hiervon Erwähnung gethan, so daß es deiner Worte und deines Geistes nicht bedarf, es zu wiederholen. Hiermit nähern sich die Karäer ganz der christlichen Ansicht vom A. L. und sagen fast dasselbe was Jesus ausspricht Luk. 24, 44. Nachdem R. Schalmon die Zureichenheit der Schrift siegreich vertheidigt hat, nimmt er die Offensive und greift die Burg der talmudischen Traditionen mit vielem Glück an. Der Hauptgrund ist der, daß die Glaubwürdigkeit des geschriebenen Gesetzes sich stütze auf das Zeugnkß aller Juden ohne Ausnahme, auf das Gewicht der größten'Wunder, auf die Uebereinstimmung auch der Christen und Muhammedaner, daß aber das mündliche Gesetz aller dieser Stützen entbehre. Er macht darauf aufmerksam, daß es bei den Traditionen nicht heiße: So spricht Gott zu Mole, zu Aharon, sondern, so lehrt jener Rabbi oder ein anderer Lehrer, der lange nach Esra, als der Kanon längst geschloffen war, gelebt hat. Und während Mose und die Propheten überall mit einander zusammenstimmen, -sei hier beständig Streit, und man höre Klagen, daß dieser bejahe, jener verneine, dieser erlaube, jener verbiete, dieser segne, jener fluche, bei seinem Haupte schwörend. Eine reiche Fundgrube von Gründen gegen den Talmud bietet ihnen aber der Inhalt desselben dar, mit Recht nennen sie ihn eine Sammlung von ekelhaften, kindischen Fabeln, die aus den Apokryphen Sems und (Rahmis) untergeschobenen Büchern, entnommen seien; worin eine Menge alberne und sogar schmutzige Dinge zu finden seien. Hiervon wußte auch Hieronymus, der an die Algezia schreibt: Quantae traditiones Pharisaeorum sint, quas hodie vocant ösvtsqcoöelg , et quam aniles fabulae evolvere nequeo. Neque enim libri patitur magnitudo, et pleraque tarn turpia sunt, ut ecubesam dicere. Aus diesen Worten wird zugleich klar, daß zu seiner Zeit die Traditionen schon zu einem Buche vereinigt waren. Endlich sagt Schalmon: Wenn dieses Gesetz irgend wann gegeben worden wäre, so hätte es auch müssen ausgezeichnet werden; Gott hätte dies durch Weisen thun lassen, wollte er aber, daß es blos mündlich fortgepflanzt werden sollte, so haben sich die Rabbinen an Gott vergangen, indem sie es aufschrieben. Urtheile nun der Leser selbst über das, was Morin und Simon dem gelehrten Publikum über die Meinung der Karäer vom Talmud und den Traditionen aufdringen wollen. Jener sagt, die Sadducäer, Betosäer und Samaritaner verehrten einstimmig die Traditionen, während die Karäer sie hochhielten, die Mischna und den Talmud verehrten, aber ihnen kein göttliches Ansehen zuschrieben. Dieser sagt in der Historia Critica: Außer der Vernunft, dem Schriftart und dem was wir Tradition nennen, gäbe es noch zwei andere Principien, auf welche sich die Karäer stützten. Aber wie hoch sie den Talmud und die Mischna achten, geht, sollte ich meinen, aus Aeußerungen hervor, wie die von R. Schalmon, der die Nichtigkeit, Abscheulichkeit, Schandbarkeit, Thorheit und die Blasphemien gegen Gott, die sich darin finden, offen darlegt. Weit entfernt, daß sie auf Tradition, als eine zweite Quelle neben Schrift und Vernunft, sich stützen, bekennen sie vielmehr laut, daß sie nichts annehmen als die h° Schrift. Dies geht, außer den oben angeführten Stellen, auch aus dem hervor, was R. Kaleb den R. Tobias sagen läßt. Sehr richtig scheint mir Selben gesagt zu haben (Uxou hebr. 1, 3), die Karäer gebrauchten zwar eine hergebrachte Auslegung, aber stützten sich nicht auf Traditionen, als Traditionen, d. h. so, daß diele blos auf dem Ansehen derer beruhten, von denen sie herrühren, und nicht verbessert werden dürften nach der Norm der h. Schrift, der sie allein verbindende Kraft beilegen. Die Karäer unterscheiden sich von den, Rabbaniten auch durch die Art und die Ordnung, nach welcher sie die Paraschen und Haftaren am Sabbat in der Synagoge vorlesen; ihre Bestimmungen, zu welcher Zeit jeder Abschnitt vorzulesen sei, weichen von denen der Rabbaniten ab. Sie leiten die ihrigen von R. Jannai ab, der. das Haupt des Senats gewesen sei, den der hohe Priester Esra eingesetzt habe. Sie beendigen ihre Vorlesung des Gesetzes im Monat Tischri am Sabbat, und fangen erst am folgenden Sabbat wieder an, während die Rabbaniten an .demselben Tage, wo sie aufhören, auch wieder ansangen, damit sie dem Satan die Gelegenheit zur Schmähung nehmen, als wollten sie das Gesetz, nachdem sie es vollendet hätten, nicht von Neuem lesen. Ueber die Abweichungen in Betreff der Ritualien und Feste haben wir zwar schon oben Kap. 4 gesprochen, aber weil dort zu wenig von dem Fest der ungesäuerten Brode, welches mit dem Pascha verbunden ist, gesagt wurde, so wollen wir darüber Einiges nachholen; wir sehen hier wieder die Karäer gegen dasHausHillel streiten; denn R. Aharon Ben Elijahu fängt den Traktat über das Fest der ungesäuerten Brode mir den Worten an: rn I'21 t6Q p firm .IpönQf! ’D njnb m Nur vier Punkte wollen wir erwähnen. 1) Sie stritten sich welcher Tag mit dem rwn mnD, wo die Garben dargsbracht werden sollen, gemeint sei. 2) Streiten sie über tje Werke, die am Fest der ungesäuerten Brode erlaubt ser'Ä. 3) Wie man es mit der Entfernung des Sauerteigs zn halbn habe, ob man ihn an einen Heiden verkaufen oder ihm b-!rgen dürfe (wie Hillel sagt), oder ob man ihn verbrennen müsse. 4) Ob die Tage der ungesäuerten Brode sechs oer sieben sind, da sich hier widersprechende Gesetzesstellen zu ^nden scheinen. In Betreff der Sabbatsfeier war der vorziglichste Differenzpunkt zwischen beiden, daß die Karäer das vas

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