Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 49 (3.12.1844)
- Date
- 1844-12-03
- Page
- Spalte 773-774 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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773 Kritiken. Kurze Anzeigen. 774 darüber Aufschluß erwartet. Sie Hr. H., glauben doch gewiß nicht, daß die Tempelliturgie so schlecht ist, daß kein Gebet daraus für eine fromme Gemeinde zu entnehmen möglich istz Sie haben gewiß keinen solchen Egoismus, um zu glauben, daß die Tempelgebete Ihrer deutschen Liturgie nachstehen; Sie besitzen nicht jenen komischen und lächerlichen Nabbinerstolz, der in dem Auftreten als Reformator in seiner rnp~“VV> sich groß dünkt; aber eben weil ich Sie über diesen rabbinischen Hochmuth erhaben halte, wundert mich dieser Umstand um so mehr. — Doch ich schließe meine Anzeige mit dem Wunsche, Hrn. Herzfeld recht hald bei einer gründlichen wissenschaftlichen Behandlung der Liturgie, in historischer und reformatorischer Beziehung, oder auf einem andern Gebiete der jüdischen Literaturgeschichte, zu begegnen; sein Kommentar zu Kohelet har uns die Hoffnung zu manchen Arbeiten gegeben. 66) Gesänge für Synagogen. Eingeführt in der Synagoge zu Braunschweig. Zusammengestellr von H. Goldberg, Kantor und Lehrer der israel. Gemeinde daselbst. Zweite mit einem Anhänge für Kantoren vermehrte Auflage. Braunschw. 1844. 8. F. Vieweg und Sohn. Diese Gesänge habe ich bis jetzt noch nicht erhalten; die Anzeige der ersten Auflage hat sich so verzögert, daß Hr. G. zu entschuldigen ist. Indeß werden im nächsten Jahre eine Anzahl Kritiken über Musik in der Synagoge aufeinander folgen, und ich bitte die Kantoren, mir Ihre Arbeiten zu diesem Zwecke zuzusenden. 67) Die sämmtlichen Psalmen der heiligen Schrift. Lieder der Andacht, des Trostes und der Erhebung. Nach dem Urtexte der heiligen Schrift, meist nach kirchlichen Singweisen übersetzt von Dr. Moritz Alex. Zille, Prediger a. d. Univ.-Kirche in Leipzig. Lpz. 1844. 8. Im. Tr. Möller. Der christliche Verfasser ist als geistlicher Liederdichter schon aus seiner Gedichtsammlung „Gesichte, christlich-prophetische Gesänge" und „Geschichten der christlichen Kirche in Dichtungen" als ein mit der Meisterschaft der Sprache begabter, durch Innigkeit, Energie und poetische Phantasie ausgezeichneter Dichter bekannt und die gewandte Uebertragung des Psalters in Liedern nimmt unter den geistvollen Erzeugnissen des Hrn. Zille einen Ehrenplatz ein. Die Proben, welche in Zeitschriften aus diesem Schatze der Lieder mitgetheilt waren, haben die ganze Herausgabe längst als einen schönen Beitrag der Erbauungsliteratur wünschenswert!) gemacht, u. mit Recht, da sich darin die ganze Pracht des Psalters in schöner Liederform wiederspiegelt. Die Anzeige in diesem Blatte, das nur das Gebiet des jüdischen geistigen Lebens umschließt, geschieht,theils deshalb, weil der christliche Dichter in seinen metrischen Übertragungen die universelle Gewandung des Psalters beibehalten, so daß es auch Israeliten als Erbauungsbuch gebrauchen können, theils um den Reformbestrebungen' der Gegenwart, die so viele Erzeugnisse der Erbauung in vaterländischer Sprache zu Tage fördern, ein Muster vorzuhalten, das sie vor Verwässerung schützen könnte. Diese 150 Lieder des Psalters in einer geistvollen und gewandten metrischen Bearbeitung könnten auch sür die Synagoge die schönste Grundlage eines Gesangbuches bilden, die als das Wort der heiligen Schrift unvergänglich wäre, und selbst da, wo David's Leier auf deutschem Boden nicht ausreicht, so würde sie doch die Anleitung geben, wie die erhabenen Lieder eines Salomo bcn G'ebirol, Moses ben Esra, Isaak ben Gllüt, Iehuda Ha-Lewi, Israel Nag^am rc. zu Perlen des synagogalen Gesangs zu gestalten wären. Die Herren Kley, Stein, Stern rc. haben dieses zum Theil erkannt und auf diesem Wege sollte eine deutsche, vaterländische Liturgie der Synagoge fortfahren. Es sollte uns mit den Liedern und Gebeten nicht so gehen, wie mit unserer Synagogenmusik, die, aus Opern ihre Töne borgend und nehmend, eher zur Karrikatur der Synagoge wird; und fällt uns auch die eigenthümliche würdige Gestaltung einer Synagogenmusik, aus Mangel an Vorbildern, schwer, da sollten wir doch bedenken, daß die Schatze unserer kirchlichen Lieder so groß und mannigfaltig, so tiefergreifend und vom göttlichen Geiste angehaucht sind, daß keine Konfession uns gleichkommt, und wir wahrlich nicht nöthig haben, nach modernen Trivialitäten zu greifen. 68) rilP&Tp. Hauspostilla (-postille) zur Belehrung und' Erbauung für Israeliten, von (Dr.) Moritz F eit e l. Wien, 1842. 8. Fr. Edl. v. Schmid und Busch. Der Vers., ein ungarischer Arzt, liefert hier keineswegs, wie man dem Titel nach vermuthen könnte, ein allgemeines Erbauungsbuch, sondern blos zur Erbauung sich eignende Erläuterungen der Väter-Sprüche, wie sie der Vers, in einer ungarischen Gemeinde durch einige Sommersabbate, in Ermangelung eines Predigers, vorgetragen. Der Zweck war, in der Spruchweisheit der altern Rabbiner, wie sie uns in den sogenannten Pirke Abüt vorliegen, die Richtung einer reinen, nie alternden Moral nachzuweisen und daran zeitgemäße Gedanken^ und Betrachtungen zu knüpfen. Der Gedanke war um so glücklicher, als es alte Sitte ist, in den Sommersabbaten diese Sprüche in der Ursprache zu recitiren und schon frühere Volkslehrer der Israeliten diese zu Themen religiöser sabbatlicher Betrachtungen genommen. Außer den hebräischen Kommentatoren zu diesen Ahnensprüchen lagen Hrn. F. noch die Uebersetzungen von Dr. Ewald, Mannheimer, Wehli, Landau und Stern vor, die er auch zuweilen benutzt, und Res. muß gestehen, daß er diese und ähnliche Produktionen trefflich benutzt, um den moralischen Kern jedes Spruchs herauszufinden. Was die Sprache anlangt, so finde ich dieselbe, bis auf die Eigennamen, ganz gegen die Gewohnheit seiner ungarischen Landsleute, einfach, würdig und von einem Hauche der Innigkeit und Keuschheit durchweht, und da auch die Be- 49 *