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Der Orient · 1844-12-03 · Heft 49 (3.12.1844) · p. Seite 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 49 (3.12.1844)
Date
1844-12-03
Page
Seite 382 (sequence 11)
Language
German
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382 mittelbar nach Durchlesung der Fra'nkeL'scheir Begriffe niedergeschrüben. Dr. Samuel Hirsch. SchubiN/ 24. Novbr. Unsere kleine Korporation von noch nicht 50 Familien, worunter ungefähr 30 zur Repartition herangezogen werden können, hat trotzdem großen.Brand unserer Stadt im Jahre 1840, wodurch viele jüdische Familien sehr gelitten, dennoch wahrend 3 Jahre bewiesen, was eine Gemeinde bei gutem Willen und Liebe zum Fortschritt zu leisten vermag. Ohne irgend einen Fond wurde eine neue, sehr würdig ausgestattete Synagoge erbaut, welche an 3000 Thlr. kostete. Diese bedeutende Summe wurde aus der Mitte der Gemeinde repartirt und mehrere Gemeindegliedec mußten Hunderte dazu beisteuern. Bald darauf fühlte man das Bedürfniß nach einem anständigen und bequemen Badehause; auch dieses stand bald fertig da. Auf Anregung unseres Repräsentanten- Vorstehers Herrn N. P. B r y bildete sich ein Krankenverpflegungs-Verein, der feit feinem Bestehen schon viel Gutes gestiftet hat. Auch wurde eine zeitgemäße Leichenordnung mit Sarg und Decke eingeführt. Im April dieses Jahres, wurde auch der Grundstein zu einem neuen Schulhause gelegt, welches schon am 14. Oktober feierlich eingeweihet wurde. Am 14. dieses Monats besuchte der Herr Oberprasident unserer Provinz die sammtlichen Institute unserer Stadt und verfehlte nicht auch die israelitische Elementarschule mit seinem Besuche zu beehren. Auf seine Veranlassung wurden mehrere Lehrgegenstande mit den Kindern durchgenommen, und soll der Herr Oberprasident, nach der öffentlichen Aeußerung unseres würdigen Herrn Landraths, mit der Schule sehr zufrieden gewesen sein. Nach beendigter Revision lud Herr Landrath Wern ich den israelitischen Gemeindevorsteher A. Kon icki und den Elementarlehrer zum zweiten Frühstück ein, welche Einladung auch angenommen wurde. Bei dem Gastmahle war sowohl der Herr Oberprasident, als auch sammtliche Notabilitaten unserer Stadt gegenwärtig. Es ist dieses hier der erste Fall, daß Israeliten auf diese Weise eine solche Aufmerksamkeit geschenkt wurde; ein Beweis, wie das stille Wirken unserer Gemeinde von Seiten der Behörde nicht unbeachtet bleibt. Wir haben aber auch in der Wahl unserer Gemeindevorsteher recht viel Glück. Herr Stadtrath Alexander wirkte sechs Jahre mit Eifer und dem besten Erfolge, und unser gegenwärtiger Vorsteher Herr Ko nicki zeigt einen lobenswerthen Eifer und den besten Willen für das Gemeindewohl zu wirken. Möge der Herr seine Bemühungen segnen« B. Oesterreich. Prag, 24. Novbr. Meine letzte Mittheilung hatte sich die geistige und wissenschaftliche Förderung der hiesigen Rabbinatskandidaten zur Aufgabe gestellt; heute muß ich, als Fortsetzung, deren - materielle Unterstützung besprechen. Auch bei der Besprechung dieses Punktes muß ich erst einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das Bachurthum — um ein neues Wort für einen alten Begriff zu schaffen — hatte viel Poesie in seinem ganzen Wesen. Man denke sich den Bachur zur Zeit, da er die talmudische Hochschule, die Prager Jeschiba besuchen sollte. Im Kopfe einige Traktate des Talmuds, im Herzen echtes Gottvertrauen, in der Taschen — weder Banknoten noch Geldanweisungen, sondern eine Empfehlung des frühem Jefchiba-Oberhauptes, einen Chaber oder — o Seligkeit! —- eine Morenu. Dazu noch der Segen des Vaters, der auf den jungen Gelehrten nicht wenig stolz ist, die Thränen der Mutter, die dem künftigen Gaon einige Sparpfennige in die Hand drückt —■ und klopfenden Herzens tritt das „Lichtchen der Exulanten" seine Wanderung nach Prag an, um Rabbi Jecheskel zu hören. Hier angelangt/ trifft ec einige Hundert Kommilitonen, deren ganzes Kapital: die Milde der jüdischen Familien ist. Freitag Abends verläßt er die Synagoge, geht durch die Straßen und ein frommer Mann, der kein Tifchkollegium zusammenbringen konnte, ist höchlich erfreut, den Dritten zum Bund gefunden zu haben. Die Zunge des jungen Mannes wild während der Tafel gelöst und in einigen Minuten kennt der Hausvater den prosaischen Hunger des Gasts. M Zweige des Familienstammbaumes werden geschüttelt, hier fällt ein Onkel, dort eine Nichte ab, die Tante hat noch einen „Tag" frei, der Schwager wird sich gewiß freuen, wenn die Lampe der Tora einige Strahlen in seine Wohnung werfen wird — kurz der Bachur, dein noch vor einer Stunde Obdach und Nahrung mangelten, ist geborgen. Die zahllosen Lichter, welche noch spatnch den Mitternachtsstunden die Gassen und Gaßchen beleuchten, werden um eines vermehrt, bei welchem der junge Champion seine Waffen für den nächsten Chilluk putzt. Sein Loos theilt er mit dem größten Theile der Bachurim; Alle haben dem Wohlthätigkeitssinne derKu mitten ihre Muße zu danken. Alfcri tempi, altri costumi! Der Rabbinatskandidat in unserer Zeit und in unserer Stadt lebt oft unter den drückendsten Verhältnissen und wäre es nicht in unserm friedlichen Oesterreich, so könnte man einen Rabbinatskandidatenaufstnnd befürchten. Statt zu lernen ist er genöthigt, um sein « Leben zu fristen, zu belehren. Keinem fallt es ein, dem W Jüngling Muße zam Studiren zu verschaffen. Unb B wie leicht wäre es, einen Freitisch für die Lehramts-und W Rabbinatskandidaten zu gründen! Eine Gemeinde, die W Männer wie Fi sche l, Epstein, Porg es rc. zu ihren Gliedern zählt, könnte doch wahrlich, durch kleine jährliche Beiträge, Freitische und Stipendia für die Jünger der Wissenschaft stiften. Ein organisirtes Privatkollegium, Freitische und Stipendia ■— und die Schulen werden mit tüchtigen Lehrern und die Gemeinden mit durchbildeten Rabbinen besetzt! So lange dies aber ein stow-

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