Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 48 (26.11.1844)
- Date
- 1844-11-26
- Page
- Spalte 761-762 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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761 Studien. Liter. Nachr. und Miscellen. 762 Literarische Nachrichten und Miscellen. Sendschreiben an Hrn. L. Dukes in Tübingen. Am 8. Lage des Laubhüttenfestes saßen wir traulich um die gesegnete Tafel und unterhielten uns durch belehrende Vorträge über die letzte Seite des Traktats Sukka, dessen Lektüre wir nach meiner Gewohnheit jährlich an diesem Tage beendigen, um so die Feier des Festes zu erhöhen. Wir waren zehn Juden und ein Rabbiner. Letzterer, den ich durch die siegreiche Kraft meiner Beredsamkeit und meines Beispiels beinahe zum. Glauben zurückzuführen hoffen darf, hat seit einiger Zeit bei mir Unterricht im Talmud, und macht bei vielem Talente und Witz, recht liebe Fortschritte. In Bezug auf ihn trug ich eine Abhandlung über die Stelle: nvyü nm rrronty n.te m nnoa vor, und war eben im Begriff, meine Rede von der religiösesten Wärme durchdrungen zu sehen, als ein Ereigniß mir das Ohr und das Auge meiner Zuhörer raubte! Die Post nämlich, meine Freundin, wissend wie innig ich diesen Tag begehe, überraschte mich mit erfreulichen Briefen und Packeten aus 14 deutschen Vaterländern, mit Packeten, deren jedes das neueste viertel Dutzend Ihrer Werke enthielt, und mit Briefen, deren jeder von einem verschiedenen literarischen Institut die Aufforderung enthielt, diese Ihre Werke in allermöglichster Bälde zu recensiren. Kaum hörten, die Gäste Ihren Namen, so überließen sie mich meinen halachisch-hagadischen Betrachtungen, und sich der unwiderstehlichen Lust, in den Krabbe'schen Reichthümern zu krabbeln und zu wühlen. Ich war eine recht bedauerliche Figur, als ich so verlassen dastand, trauernd über die schönen Redewendungen und scharfsinnigen Kombinationen, die auf dem Wege an den Mann gebracht zu werden, nun unterdrückt werden mußten. Trotz meines Schmerzes mußte ich aber doch an dem allgemeinen Gelächter Theil nehmen, als mein Rabbiner plötzlich ausrief: ntoft nnN TlD 1Z? , DpH , DpH pDDÜ Wir alle machten ihn vergebens auf das lob aufmerksam (opl1? , Dpi1?), er ließ sich nicht stören, sagte, die Rabbiner hätten in neuerer Zeit abgeschafft, er kümmere sich auch wenig darum, und sei jedenfalls nicht gesonnen, seinen so schönartigen Witz deshalb aufzu geben. Ich selbst habe gar keine Ursache mehr, Sie in meinen Schutz zu nehmen, da Sie mich, wenn auch nicht absichtlich, um meinen herrlichen Vortrag und dessen höchst wahrscheinlichen Beifall gebracht, und ich störte nicht nur den rabbimschen Spötter in seinen garstigen Redensarten nicht, sondern nahm mir vor, selbst eine Epistel an Sie zu richten: In meiner Epistel vom vorigen Jahre (in d. Bl. Nr. 15) habe ich Ihnen allerdings erlaubt, über Jona ben G"annäch zu schreiben, wenn Sie sich künftig bessern wollen. Wirklich haben Sie sich gebessert und sagen z. B> jetzt, wie ich es damals gewünscht, daß es nicht drei sondern vier Übersetzer vom Lexikon giebt. Aber Sie haben dennoch mein Privilegium so unverantwortlich mißbraucht, daß ich in jeder der 14 Recensionen, die ich von Ihren literarhistorischen Mittheilungen" zu machen habe, zwar einen andern der 14 Rabbinen behandeln muß, doch wegen Abu'lwaUd's Sie 14 mal, das heißt in jeder Recension einmal, exemplarisch strafenwerde. Abgesehen davon, daß Sie (gewiß auch um mich zu ärgern) einen Namen als Quelle anführen, den Sie selber einst so witzig beschimpft haben, und den kein ehrlich denkender Gelehrter als Gewährsmann vorstellen sollte, abgesehen davon, daß ...... sind blos auf der ersten Seite 7 Dinge, die ich bei jedem Andern Fehler nennen würde! Sie werden 14mal erfahren, wie ich die verehrten Manen Abu'lwattd's rächen werde, wie ich die Finger klopfen werde, die mir ins Handwerk greifen, und mich nicht einmal durch irgend einen Reiz der Geschicklichkeit bestechen wollen; aber für jetzt habe ich nur noch ein Wörtchen über die drei oder vier Übersetzungen des Lexikons mit Ihnen zu sprechen: Zuvor muß ich, Herr Leopold, Euch sagen: Verwechselt nicht den Vater mit dem Sohn! Es war, der's, Lexikon hat übertragen Nicht Samuel; es that's der Juda schon. Wie konnten Sie aber so unvorsichtig sein und aus Furcht vor mir sagen, es gebe 4 Uebersetzungen, darunter die von P a r ch o n, welche mit ihren 2 Schwestern untergegangen sei, und nur die Tibbon'sche sei erhalten? Im vorigen Jahre habe ich freilich den Parchon für den bloßen Uebersetzer gehalten, indem ich dem Römischen Abschreiber geglaubt. Seitdem haben sich aber die Verhältnisse geändert. Seitdem hat Stern das Parchon'sche Lexikon edirt, und ich. schwöre Ihnen bei Ihrer unverwüstlichen Ängstlichkeit, dieses Lexikon ist die vom Römischen Abschreiber gemeinte Uebersetzung! Sie scharfblickender Glückliche, der Sie vor Jahren schon den Parchon benutzten, sind abermals glücklich, ein zweiter „schlafender Homer" gewesen zu sein! Wie konnte es Ihnen sonst entgehen, daß dieser *p-)y nur eine sehr freie Bearbeitung zu .nennende Uebersetzung vom Wurzelbuch des G'annLch ist? Glauben Sie denn, Parchon habe so sklavisch treu übersetzt wie Theodor Hell? Wenn Herr Stern sich hierüber nichts wissen macht, so ist das ein Beweis mehr von seiner Klugheit. Er fürchtete mit Recht, daß wenn er den Censor in Pesth vom Uebers. mit unbeschränkter Freiheit spricht, die k. k. Weisheit des Letztem vor den zwei Worten ernstlich erschreckt werden könnte. Aber Sie, mein Hochgelahrter Herr, im konstitutionellen Würtemberg hätten keine andere Vorsicht nöthig gehabt als die des gewissenhaften Forschers. Ich könnte Ihnen noch viele andere wichtige Geheimnisse über diese und andere Uebersetzungen des Wurzelbuches offenbaren, wenn Sie, der Sie mir so wehe thun, der Sie mir meinen Abulwattd so oft und mit so überflüssigen und unrichtigen Redensarten mishandeln, nicht verdienten, in schwebender und schmachtender Ungewißheit erhalten zu werden. Erhaben throne ich auf dem Bewußtsein meines Liefern Eindringens in die Geheimniße der Geschichte Abu.'lwal!d's, und sehe nur mit herablaßendem Lächeln auf alle diejenigen, die