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Der Orient · 1844-11-26 · Heft 48 (26.11.1844) · p. Seite 375

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 48 (26.11.1844)
Date
1844-11-26
Page
Seite 375 (sequence 13)
Language
German
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375 gict und der Endzweck, den zü erreichen Sie sich vorgesetzt haben. Doch w'trde ich, um jeden Schein von Ungerechtigkeit zu vermeiden, immer zwischen dem Reformvereine und seinen Krken und zwischen' Herrn Dr. Stern und' seinen Memoiren zu unterscheiden' wissen und' jenen'nicht büßen lassen für die Sünden, welche dieser begangen hat. Gehen wir nach dieser Einleitung zur Sache selbst über, tmö zwar werde ich mich bemühen, Ihrem offenen Briefe Schritt für Schritt zu folgen, damit wenigstens kein wesentlicher Punkt, worüber Sie Aufschluß von mir fordern, unbeantwortet bleibe. Der Talmud scheint Ihnen zu geringfügig, um sich über seinen Werth oder über dessen Nutzen zum Verständnis: der mosaischen Lehren in eine Controverse einzulasstn. Nun gut, lassen wir ihn bei Seite liegen. Ich will I auch nicht untersuchen, in wiefern Ihre Hoffnung, daß z die Zeit nicht mehr fern ist, wo' es nicht mehr nöthig sein wird-, über dessen dogmatischen (?) oder praktischen Unwerth | viel Worte zu verlieren, begründet sei oder nicht. Vielleicht | macht es' Ihnen Vergnügen, wenn ich Ihnen sage, daß einer I unsrer gelehrten Rabbiner, Dr. Samuel Hirsch, in seimneuesten Schrift, R ef o rm i m Iud en th u m e, die Behauptung aufstellt, daß es gar kein talmudischcs Iuden- ÜM mehr giebt, indem die Juden sich bereits über die niedrige Lebensanschauung des Talmuds erhoben und bie; Bande desselben abgestreift haben. Wichtiger scheint Ihnen die Lehre vom Messias. Hier sind wir allerdings den Worten nach einig. Ich trage kein Bedenken, den dritten Satz-der „Erklärung" zu unterschreiben mit dem Vorbehalte jedoch, daß zu der darin enthaltenen Negation auch eine Position gesetzt werde; wie der Satz in der Erklärung nakt und kahl dasteht, könnte man leicht auf den Gedanken gebracht werden, besonders wenn man das ganze negative Verfahren des Resormvereins dabei im Auge behält, daß der Messiasglaube ganz und gar aus der Lehre des IÜdenthunis gestrichen werden ' sollte und'dagegen'muffen mr uns alles'' Ernstes"' Verwahrer Ich'' wiederhole' es'noch- 1 Ms, die" Verheißung ein es"Messias, eines' Erlösers' von leibi bchm Uebeln'und*' von' geistiger' Knech'tschasi, mit andern Wor- | tfii die Lehre von der Erlösung und Vervollkommnung des * MgM Menschengeschlechts, und zwar durch die Vermittlung | dcs von Gott zu diesem Zwecke auserwählten und mit seiner | Eehre beglückten Israel, zieht sich wie ein rother Faden durch | sämmtliche Bücher der heiligen Schrift, wenn ickpauch-letzte- § cen Ausdruck gerade nicht urgiren will, f „Aber kennt denn der Pentateuch , der doch wahrlich-kei-'; ^unbedeutenden Theil der heiligen Schrift"ausmacht, einen I Wen Messias, wie Sie ihn schildern? Gewiß nicht". Ich | läge Ihnen aber: Gewiß ja! Ich will mich nicht auf alle l stellen berufen, welche eine christliche Dogmatik zum l ^weise benutzt, daß der von ihr gepredigte Messias schon l m Pentateuch vorherverkündigt sei, und welche eine jüdische l Dogmatik'mit'demselben Rechte' für' den von' ihr gelehrten ^ssiasglauben anführen könnte. Eine solche Beweisführung würden Sie gewiß nicht gelten lassen. Aber doch auf einige Stellen will ich Sie Hinweisen, aus welchen bei emer natürlichen ungekünstelten Erklärung hervorlcuchtet, daß der Pentateuch die Verheißung eines solchen Messias, wie ich ihn schildere', allerdings kennt. Wenn Gott sagt" (1 Mo'ft 18, 18, 19): Unb Abraha:n wird werden zu einem V o l k e g r o ß u n d m ä ch t i g, und es' wer den i n i h m (oder dst rch ihn)' gesegn et werden alle Völker der Erde; denn ich kenne ihn, daß er gebieten wird seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm', daß sie halten den Weg Gottes, zu üben Gerechtigkeit und Recht, damit Gott bringe über Ab raha m da s, was er ih m verheißen, so liegt in diesen Worten, wenn wir sie ganz unbefangen auffaffen, die doppelte Verheißung, einmal daß Abraham's Nachkommen zu einem großen und mächtigen Volke sich ausbreiten werden, dann aber auch daß alle Völker der Erde dereinst in'und durch Abraham' großen Segen erlangen werden', und zwar wie erläuternd hinzugesetzt wird, dadurch, daß Abraham seine Söhne und seine Familie in der Beobachtung der göttlichen Lehre (mr? ■p’i) befehligen und sie dadurch zur Hebung von'Recht und Gerechtigkeit auhalten werde, so daß dann durch die Nachkommen Abraham's das Licht der reinen Gotteslehre, die Liebe zum Rechte und zur Gerechtigkeit über die ganze Erde sielst verbreiten und diese zu einem Wohnsitze erleuchteter, frommer, vollkommener und glückseliger Menschen umgestaltet werden werde. Hier haben'sie also im ersten Buche Mosis dieselbe' Verheißung' einer me spanischen Zukunft nach meiner Schilderung, wie Sie dieselbe mit glänzenden pocci scheu "Farben geschildert' und weiter ausgeführt lesest können' bei den Propheten Jesaja (Kap. 2), Micha" (Kap. 4), Joel (Äap. 3) u a. m. Dieselbe' Verheißung an Abraham/daß in ihm od e r dur ich ihn alle Völker der Er dir gese gnb c : w erd erst so l le n, findet sich schon im 12'. Kap. der Genesis; l ichEhäbe nur deshalb jene im 18/ Kap. hervörg'choben, weil sie' deutlicher und ausführlicher ist, weil der g (ästige Gchalt der messianischen Verheißung klar und anschaulich darin hervörgehoben' wird,' während' jene' Sielle im' 12. Kapitel zwar aucch'die Allgemeinheit des Segens, der' durch 'Abraham über alle Völker sich ergießen soll, ausspricht', worin aber Lieber "Segen bestehen werde, nicht naher angiebt. Ebendieselbe' Verheißung wird wiederholt an Jakob Kap. 28, 14. Wenn Moses im fünften Buche (Kap. 18, 15) zu 'seinem. Volke spricht: Einen Pro p h e t e n aus deiner Mitte, a u s d e i n e n B r ü d e r n , w i e i ch b i n, w i r d d i r a u fstel Len "G o t t, d e i n" H err, i h m sollt i hr g e d o rch en, so ist nach meiner Ansicht auch hierin die Verheißung eines in den Tagen der Zukunft zu" erwartenden Lehrers und Messias, eines Erlösers aus der geistigen Knechtschaft des. Wahres und des Irrthums, ausgesprochen.' Zwar weiß ichUwohl, 'daß diese'Stelle meistens / und so auch von den rabbistischen Kommentatoren,'anders gedeutet und aus den Propheten stand im Allgemeinen bezogen wird, indem man den Ausdruck Ei-

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