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Der Orient · 1844-11-26 · Heft 48 (26.11.1844) · p. Seite 374

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 48 (26.11.1844)
Date
1844-11-26
Page
Seite 374 (sequence 11)
Language
German
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- 374 - genommen ist, zu Händen gekommen wäre, so daß es mir durchaus an Zeit gebrach, Ihrer Aufforderung sogleich zu entsprechen. So unangenehm 'es mir mm Anfangs gewesen ist, daß ich Sie einige Zeit auf meine Antwort warten lasten mußte, so sehr freue ich mich jetzt darüber; denn um es Ihnen aufrichtig zu sagen, hätte ich meine Antwort alsbald nach Dürchlesung Ihres Briefes niedergeschrieben, so würde sie ganz anders ausgefallen sein, als es gegenwärtig der Fall ist. Bei allen Lobeserhebungen, welche Sie am Eingänge sowie am Schlüsse Ihres Schreibens meiner Aufrichtigkeit und Entschiedenheit in Darlegung meiner Ansichten zollen, erlauben Sie sich doch in der Mitte desselben so manche bittere Ausfälle und sarkastische Bemerkungen, welche der Würde des verhandelten Gegenstandes völlig unangemessen sind, und auf die ich in gleichem Tone zu erwiedern im ersten Augenblicke um so mehr mich berechtigt hielt, als jene Ausfälle einerseits ganz unbegründet, andererseits mit der Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung in direktem Widerspruche. stehen, welche Sie am Eingänge und am Schlüsse Ihres Briefes gegen mich aussprechen. Doch jetzt hat bei mir die gereizte Stimmung einer ruhigen Platz gemacht, und in dieser will ich mich anschicken, Ihre geehrte Zuschrift mit derselben Offenheit und Freimüthigkeit zu beantworten, welche Sie an meinem „offenen Antwortschreiben an die Neformsreund.e" anerkannt haben. ' Um Ihnen sogleich einen Beweis von dieser meiner Offenheit zu geben, gestehe ich, daß Ihre Bemerkung, die Sie gleich Anfangs machen, als wolle es Ihnen scheinen, ich hätte unter dem Einflüsse gewisser falscher Vorstellungen, nicht ohne eine leidenschaftliche Aufwallung geschrieben, wenigstens zum Theil nicht ohne Grund ist. Allerdings habe ich nicht ganz siiiti ii’ti et studio geschrieben und deshalb den Neformverein mitunter mit harten Worten angelaffen. Ich will Ihnen aber auch den Grund dieser Aufwallung angeben. Ich habe, ehe ich an die Abfassung meines Antwortschreibens an die Reformfreunde ging, Alles was mir über die Absichten und Zwecke des Vereins Licht und Aufklärung geben konnte, noch einmal durchgelesen, weil mir die 3 Sätze der „Erklärung" so vag und unbestimmt erschienen, daß ich nicht recht wußte, was ich damit machen sollte. Da siel mir nun auch., bjje:. Hr. ,3K d^s, Orients, vmn v. I< in. dio, Häyde., in welcher unmitelbar nach der Frankfurter Erklärung ein A u szu g aus.d.em M.em o ire d.es H ew'r n ' Dr. Stern, im G ö t t i n g.e n * a n H e r rn D r. N ix ß e r, a l s Entgegn u n g auf dessen Memo ix .e . u nb neue Weg r ü nd u n g der Zwecke des V e r ecksss-, wnd der Inhalt dieses Auszuges war es hauptsächlich, was meinen Eifer entzündete, in welchem ich dann vielleicht manches harte Wort des Tadels gegen den Reformverein geäußert, der zunächst und eigentlich-Ihrem Memoire gegolten hat. Nun werden Sie mir freilich entgegnen, wie ich mich denn berechtigt halten könnte, auf die Aeußerungen eines einzelnen Mitgliedes hin, welche noch obendrein gar nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, das Verdammungsurthell über den ganzen Verein und sein Bestreben auszusprechen? Dieser Einwurf wäre aber nur dann von bedeutendem Gewichte, wenn ich die Gründe zu dem ausgesprochenen Verwerfungsurtheile eben aus Ihrem Memoire hergenommen und so von dem Reformveine gleichsam eine solidarische Haftung für die Aesserungen feiner einzelnen Mitglieder gefordert hätte. Allein das habe ich durchaus nicht gethan. Ich mich ausschließlich an die Erklärung und das Programm gehalten, um die Absichten und Zwecke des, Vereins kennen zu lernen, und diese habe ich dann mit den vorgebrachten Griin- . den bestritten. In der Hauptsache würde demnach mein Ur-! theil eben so ausgefallen sein, wenn auch Ihr Memoire, sii- I ner ursprünglichen Bestimmung gemäß, das Licht der Oeffem- : lichkeit nicht erblickt hätte; nur etwas mehr Wärme ist da-! durch in meine Ausdrücke gekommen, was aber am Wesen der; Sache nichts ändert.! Wenn Sie aber im Verlaufe Ihres, Briefes, sich dahin; aussprechen, daß man ein sehr eifriges Mitglied des Reform- Vereins fein und dennoch sehr viel gegen das Programm dcr! Frankfurter Reformfreunde einzuwenden haben kann, und damit indirekt die Verantwortlichkeit des Vereins für den Inhalt des Programms in Abrede, stellen zu wollen scheim, so. kann ich Ihnen hierin nicht be.ipflichten. Sie geben si selbst zu, daß die 3 Sätze der Erklärung mit Absicht in tot größtmöglichsten Unbestimmtheit gehalten sind, so daß daraus das wirkliche Glaubensbekenntniß des Vereins nicht erkannt werden kann. Dies haben bte Stifter des Vereins wohl p fühlt, und eben deshalb haben sie mit der Erklärung zugleich, auch das PrograminMersendet, indem" dieses gewissermachn als Kommentar zu jenem dienen sollte. Wenn nun der M so kurz und unbestimmt ist, daß man nicht recht weiß, was man daraus machMssolle, so muß man nothgedrungen zu dem Kommentar greisid^umal wenn dieser nicht etwa von einem Dritten, der vielleicht in den Sinn des Textes nicht ganz eingedrungen ist, verfaßt wurde, sondern wie im vorliegenden Falle, Text und. Kommentar einen und denselben Verfasser haben. Ihnen gegenüber werde ich mir. sogar erlauben, hie und da eine. Anspielung auf das. mehr beregte..Memoire zu machen. Mögen immerhin diejenigen indiskret, gehandelt haben, welche dasselbe ohne Ihr, Vorwissen, und gegen. Ihren Willen in der Absicht ans Tageslicht zogen, um das Streben des Reformvereins zu verdächtigen; genug Ihre darin ausgesprochenen Ansichten liegen einmal offen da. Sie Haben die Echtheit des veröffentlichten Auszugs nicht widersprochen, und — qui tiieet coiisentit. Diesen Grundsatz ist man, Ih^n gegenüber, um so mehr berechtigt in Anwendung zu. bringen, als Sie sich zum Wortführer einer Partei aufwerfen, einer Partei, welche vorgiebt, die Umgestaltung und Wiedergeburt des Iudenthu.ms herbeisühren zu wollen. Man darf also wohl fragen, nicht blos welches, ist die neue Lehre, die Sie. zu verbreiten suchen, sondern auch welches ist die innere Gesinnung, die Sie zu Ihrem Unternehmen treibt, und welches ist das

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