Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 47 (19.11.1844)
- Date
- 1844-11-19
- Page
- Spalte 739-740 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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739 740 Studien. Kausch oder Koreisch? — Deutsch-Hebr. Volkslieder. Leser sich überzeugen, daß der jüdische Gelehrte Koreisch oder Koraisch heißt. Nicht ein eitles Streben der Pietät war es, dem Stammvater der jüdischen Lexikographie den glänzenden Familiennamen des Propheten zu vindiciren, sondern die Ueberzeugung, daß der vokallose Name mit diesen Buchstaben historisch wahrscheinlich nur solche Lesung zulaffe, veranlaßte mich, der Spur der Wahrheit in den ältesten Schriften 'nachzugehen, und ich fand, daß die Alten nicht anders gelesen haben. Man mußte doch vor Allem mit Recht fragen, woher kamen die Pockocke's, Gagnier's, Wolf rc. zur Aussprache Karisch? Der Mann, welcher den Namen trägt, ist durch eine Zeitkluft von mehr als 800 Jahren von uns entfernt; wir finden plötzlich, ohne uns an irgend eine Tradition lehnen zu können, das Wortgerippe t£/np, welches Karisch, Kerisch, Kurisch, Korisch, K irisch, Kar er sch rc., kurz alle Stufen der Tonleiter durchlaufen kann, ohne daß Jemand sagen dürfte, diese sei die rechte und jene die Unrechte. Welcher Entscheidungsgrund konnte also den früheren Gelehrten zu der bisher üblichen Aussprache vorliegen? Wenn man vor 200 Jahren dennoch Karisch vorgezogen, so geschah es nicht aus dem leisesten Bewußtsein eines Anspruchs dieser Lesart, sondern blos, weil der 2t-Laut unter den Vokalen das ist, was die Luft unter den Elementen, weil er bei den semitischen Völkern, und bei den Juden bis heutigen Tages, stets das Universalmittel war, vokallose Buchstaben lautbar zu machen. Das Kar i sch kein arabischer Name ist, daß Korersch dagegen, ein außerordentlich verbreiteter, und daß bei den Juden b e n Koreisch so viel als der .K o r e i sch i t e heißt, daran hat man nicht gedacht, wenigstens haben die jüdischen Gelehrten nicht daran gedacht, die wahrscheinlich als Erfinder der Aussprache K arisch diese in die Literatur verpflanzt. Daß aber der Name arabisch ist, leidet so wenig Zweifel, als der Name Ali, oder Sosian, oder Hass. Wir finden bei Juden und Christen, die unter den Muhammeda- . nern gewohnt haben, alle Namen der 2(raber, nur der Name Muhammed war ihnen zu tragen wohl nicht gestattet. Habe ich bisher die Lesart nur wahrscheinlich gemacht, so wird man sogleich ihre Unwiderleglichkeit sehen: Als ich gegen Zunz die Vermuthung ausgesprochen habe, daß Koreisch gelesen werden müsse, bestätigte dieser nicht nur meine Meinung, sondern er zeigte mir auch, daß an der Stelle, wo der Name von Naschi (st. 1103) angeführt wird, (mir dem O-Laut) geschrieben stehe, eben so in einem karäischen Werke aus der Zeit um 1100. Aber auch in den meisten älteren Handschriften wird der Name so geschrieben; unter Anderem in der'Leydener Handschrift der Lexika von Menachen ben Seruk und Donasch (die durch Vermittelung des Herrn Ministers Eichhorn einem hiesigen Gelehrten zugesendet worden und mir vorlag). Ich glaube nun nicht mehr, daß irgend Jemand noch deshalb an der Lesart Karisch festhalten wolle, weil'sie unter dem angestammten Schutze des Schlendrians steht, und man wird von jetzt an nur Koreisch oder Koraisch lesen dürfen, wenn man Geschichte und Gründe nicht für schwächer hält, als das misbräuchlich sich spreizende Herkommen. F. Lebrecht. Deutsch - hebräische Volkslieder'). I.') Nacht-Leinen 8). Ich bcfthl mein’ Seel in Gottes Hand, Der mich hat von Mutterleib gesand't. Der ist mein Helfer und Beistand, Sein heiliger Nam ist in der ganzen Welt gar wohl- - bekannt. Mein' Versicherung Hab ich auf dich mein Gott, Laß mich nicht wer'n mein'm Feind zu Spott, Gib mir Hüls, zu halten dein heilig Gebot! Dein Barmherzigkeit kein Ende hot (hat). Jzundert bin ich anbereit, legen zu gehn. Dein heil'ger Nam' soll stets bei mir stehn, Daß er mich soll bewahren heut und immer mefjn1 2 3 4) Laß mich haben in deinen Augen Chesed und Chen. Ich leg mich nieder zu Rast und Ruh, Auf-ich mein Gott mein Versicherung thu, - Du sollst mich behüten und bewahren von allem Bosen Und sollst uns bald aus unser nfei erlösen. 1) Im LB. Nr. 22 habe ich zum ersten Male ein deutschhebräisches Volkslied, betitelt „Ein neues Klaglied" über die Pest in Prag 1714, mitgetheilt, und zu Mittheilungen von ähnlichen Volksliedern in einer Einleitung aufgefordert. Hr. A. Ink theilte hierauf zwei spanisch-hebräische Volkslieder (Nr. 42) und Hr. ,Asher in Berlin ein proven^alisch-hebräisches (Nr. 46), das mit Nächstem umschrieben und erläutert werden sott, mit. Hier bringe ich nun von Hrn. A l e x a nder Elsässer in Oberdorf bei Bopsingen zwei andere deutsch-hebräische Volkslieder, die nicht minder als die frühern von Interesse sein dürften. Ich habe bereits in meiner erwähnten Mittheilung (Nr. 22) darauf aufmerksam gemacht, daß dergleichen Volkslieder ihre eigene Melodien hatten, und zwar in der Regel wurden sie nach der Melodie älterer schon bekannter Lieder gesungen, wie mein mitgetheiltes Klaglied über die Pest nach einen Proßnitzer Kedoschim-Lied (Märtyrer- Lied) gesungen wurde; ich wünsche daher, daß die geehrten Herren Mittheiler, wo es noch zu ermitteln ist, auch auf die Melodie ihr 2tugenmerk richten mögen. Red. 2) Diese Nr. 1 ist entnommen aus einem alten Büchlein, das den Titel führt HNnp ppn “HD b. h. Ordnung des Nachtgebets. Da in dem mir vorliegenden Exemplare das Titelblatt fehlt, so kann ich über das Büchlein selbst nichts mittheilen, nur soviel mag sicher sein, daß es zu Sulzbach gedruckt wurde. Elsässer. 3) Nacht-Leinen, d. h. das Ablesen des bestimmten Gebets beim Schlafengehen (leinen d^ h. lesen). Die Ueberschrift des Liedes ist: „Ein schön Nacht-Leinen vor Weiber und Maiden, eh' daß sie wollen schlafen gehen". Elsässer. 4) mehn - mehr.