Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1844)
- Date
- 1844-11-19
- Page
- Seite 366 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Synagogenrath dort selbst, auf seinen Bericht vom 17. v. M. zu verbescheiden, und demselben dabei zu bemerken, daß es wohl keinem Zweifel unterliegen kann, daß der vorwürsige Gegenstand zu den Religionssachen gehört, welche nach §♦ 1 der höchsten Verordnung vom 11. Februar 1824 Nr. 65 und ' der Vorschrift des §. 4 der höchsten Verordnung vom 15. Mai 1833 zu behandeln sind'). Der Ministerial-Kommissar sgez.) Christ. Epstein. Dieses der urkundlich belegte Sachverhalt. Begreiflicher Weise werde ich mich nicht auf die Schimpfworte der beregten Artikel gegen meinen Charakter und gegen meine Fähigkeiten einlassen. Diese fänden am besten ihre Widerlegung, so ich das Urtheil des Großh. Oberraths über meinen Charakter und über meine Leistungen, in dessen Gutachten an Großh. Wt. Regierung im Betreff der Bezirks-Stiftung, hier veröffentlichen würde, was mir aber die Bescheidenheit verbietet. Der Schimpfende erniedrigt Niemanden als sich selbst. Wem die Wahrheit und ein gutes Gewissen zur . Seite stehen — der bedarf solcher Waffe nicht, verabscheut sie. ' Ich meinerseits habe mich blos auf Lhatsachen beschränkt, die ich mit Urkunden belegte, wer auf solche Weise mich widerlegen will, der wage es, und trete ehrlich auf, was wohl aber Niemanden möglich sein wird. Ich kann es zwar entschuldigen, wenn Hr. F. in jugendlicher Gereiztheit gegen mich losfährt j ich kann es entschuldigen, wenn dessen Beistand in brüderlicher Liebe und Eintracht den Ritter und Schildknappen in sich vereinigt — doch wäre wohl einem Manne gegenüber, dem doch eine gereiftere Erfahrung und eine vierjährige Beschäftigung mit den Angelegenheiten der Religion zur Seite stehen, einem Manne gegenüber, gegen den noch von Niemanden, und besonders von keinem seiner zahlreichen Schüler ein Vorwurf der Ungerechtigkeit oder Lieblosigkeit laut geworden, etwas mehr Mäßigung überhaupt aber mehr Wahrheitsliebe am Platze gewesen. ' Dieß mein erstes und letztes Wort über die beregten Artikel und ihre etwaigen Nachfolger. S. Fürst, Bezirksrabbiner. D e ft e r r e ich. Zolkiew, 5. Novbr. (Geschichte des Aolkiewer israel. Armenspitals.) In der hiesigen Kreisstadt Zolkiew hat im Jahre 1833 ein verheerender Brand fürchterlich gewüthet, und die meisten Hauser dieser Stadt sind ein Raub der Flammen geworden. Unter den m Asche verwandelten Realitäten war auch das israelitische Krankenhaus, ein simples von Holz gebautes *) Nach ersterer Verodnung ist dem Rabbiner die Aufsicht und Leitung beim Gottesdienst übertragen, nach der 2. Verordnung hat der Rabbiner in Religionssachen den Vorsitz beim Synagogenrath. Häuslein der Gemeinde. Da nun von allen Seiten Um terstützungsgelder zu Gunsten der Verunglückten, an das hiesige k. k. Kreisamt addressi'rt, zuströmten, und diese Gaben der damalige Kreishauptmann, der edle Menschenfreund, Freiherr von Hypostal und der hiesige gelehrte Kreisrabb. Hr. Hirsch E Hajes unter den Betheiligten austheilten, da gedachten diese edeln Männer, mit der Ersparung eines Scherfleins für das neu zu erbauende Spital auch der leidenden Menschheit, und diese Gabe war der erste Grundstein der aus der Asche sich erhebenden Krankenanstalt. Auch von andern mildthatigen Männern flössen kleine Gaben zu Gunsten dieses löblichen Zweckes zu. Der Plan zu diesem Gebäude ist zwar großartiger vorgrzeichnet worden, allein! von den Umständen und geringen Mitteln nicht unterstützt, mußte sich die Ausführung auf einen kleinen Raum beschranken. Das Gebaut welches zu dem neuen Spitale dienen sollte ward zwar aufgesührt, der eigentliche Hauptzweck aber, die Basirung eines erforderlichem festen Krankepflege-Fondes wurde leider außer Acht gelassen, und man begnügte sich einzig und allein mit der veranlaßen wöchentlichen Almosensammlung unter den bemittelten Gemeindegliedern. Aber wie man zu sagen pflegt, omne inilium fervet, Halm nur anfangs diese Bettel-Revenuen mit dem sMlichen Auslagen ziemlich die Waage gehalten, dm mit der Zeit und mit dem Eigennütze war der schm löbliche Wille dahin. Im Busen der engherzigen Gemeindeglieder erkaltete der mildthatige Humanitäts-Sm; sie hörten auf, diesen wöchentlich stipulirten Beitrag zu leisten, und — um den zerbrechlichen schwankenden Spitalsfond war es gethan. Dieses Krankenhaus gmch allmalig im Verfall, der Leidende u. Dürftige, wenn er nothgedrungen diese verlassene Stätte, wo Schmutz und Elend hausten, betreten mußte, konnte kaum die Hoffnung einer Rekonvalescenz im Busen nähren; denn kein Arzt besuchte diesen öden Ort. Die Mittel zur Wgr (von Medikamenten ist nie die Rede) waren nur, nÄ der Beschaffenheit der Laune der Gemeindeglieder, m mentan vorhanden, und der arme Kranke mußte öfters mehr aus drückender Noch als innerer Schwache seine scheidende Seele aushauchen. Diese Anstalt wac hernach der Schrecken der Kranken, .man nannte sie Chazar-Mamet (die Todespsorte) sie gestaltete sich, von kranken Individuen verlassen, zum Aufenthaltsorte der Bettler, zur Herberge der hieclands in Karavanen hecumziehenden Landstreicher, zum Behälter der Schmuggetwaaren, auch zum Asyle aller Untugenden und verderblichen Laster. — So sank ein zum Wohle der gebeugten Armen durch mildthatige Hand gestiftetes aber nicht aufrecht erhaltenes Institut, zu einem verderblichen Zwecke herab; so wird oft die mit dem Schweiße des Angesichtes ausgestreuete aufkeimende Saat, wenn der Acker später vernachläßigt wird, von wildem Unkraute verdrängt. Die göttliche Vorsehung,