Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-11-12 · 46 (12.11.1844) · p. Spalte 731-732

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Spalte 731-732 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890847--3783-3530795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

732 731 Studien. Literarische Analekten. lösen. Aus der Theorie von der Auflösung des Eides, Re wir oben mitgetheilt baden,.geht aber hervor, daß ein zw Gunsten eines Anderen geleisteter Eid nur in dessen Gegenwart gelöset werden kannz alle Kasuisten sind daher hierin einverstanden, daß durch die Kol-Nidre-Formel nur persönliche Gelübde und Eide, die man etwa im Laufe des Jahres aus Unachtsamkeit oder Leichtsinn leisten würde, gelöst werden, keineswegs aber Eide, welche sich auf das Verhältmß der Menschen beziehen. Und diesen Grundsatz sprechen gerade diejenigen Erklärer aus, die eine wirkliche Auflösung solcher Eide für gültig halten, wie z. B. R. Niffim u. I. Tam., dieser in ^T] -jDD S. 17 bei der Abhandlung derKol-Nidre-Forrnel"„ll'2i toi , ’onn TOrn mn nyi mjnrm mn:n--myntso njra nnb injm pbn pww bbii pN,nbD oro nn^o mlti Dipon« Ebenso sagt R. Nissim in Nedarim 23 b. ,,Nprn S& , btt , TOI DniJI nij/DBO Dib ^jhd nt hwi px nnnsy in n^n jpaBMtp •im nob b)DD&y idd] toi jntso Nin rpan nyi Die Reformenliebe des Herrn Holdheim begnügt sich hier mit Sekundärquellen, mit den Anmerkungen der Festpijutim, deren Fassung allerdings seinem humanen Zweck nützt, die Urquelle aber finden wir rein und Aar von jeder trübenden Verdächtigung. Aber nicht nur kann die Kol-Nidre-Formel die erwähnten Eide nicht auflösen, sondern auch eine in Gegenwart zweier Zeugen vor der Ablegung des'Eides abgegebene Nichtigkeits-Erklärung kann dieselbe nicht aufheben. Wir entnehmen dies aus folgendem Rechtsbescheid des I. Kolon (Nr. 167). A. leistete seinem Vater einen Eid, sich nicht ohne seine Erlaubmß zu verheirathen; bevor er diesen Eid ablegte, gab er zweien Zeugen die Erklärung ab, daß er im Voraus diesen Eid, den er nur leiste, um von seinem Vater irgend etwas zu erlangen, vernichte. A. verlobte sich hierauf, ohne jedoch die Erlaubmß seines Vaters einzuholen, wogegen nun der Vater protestirte. Kolon's Rechtsbescheid ging dahin, daß obgleich der Sohn in der Regel die Einwilligung des Vaters zu seiner Verheirathung nicht bedürfe, im vorliegenden Fallejedoch bei der Sache durch seinen Eid gebunden sei und die vorausgegangene Nichtigkeits - Erklärung den Eid uicht aufheben könne. Als Beleg wird die erwähnte Stelle von I. Tam über die Kol-Nidre Formel angeführt und hinzugesetzt: D rbn.l NjniD “f? 'pNfitf NSWD1 dn o by'D pattf 'otnn raro on b ton) idsjj; TOb. Haben wir auch durch diese Darstellung die Lehre von der rabbinischen Theorie des Eides noch nicht ganz erschöpft, so glauben wir doch genügend dargethan zu haben, daß auch hier der Talmud keine solche schädliche Stoffe entwickelt, daß wir, wie es Herr Dr. Heß in dem Nachwort wünscht, öffentlich unsere Verachtung gegen denselben ausdrücken sollten, um die Achtung unser nichtisraelitischen Brüder erlangen zu können. Ein Glück, daß Herr Dr. Heß nur bei einer Rabbinerversammlung und nicht bei einer Ständeversammlung assistirt, wo Frivolität und Gehässigkeit praktische Folgen haben, während sie hier nur durchs Ignoranz zu entschuldigen sind. Literarische Analekten. Ein griechisches Wort in einer Midraschstelle» Unter dieser Ueberschrift ist im Literaturblatt des Orients Nr. 34 vom' Kandidaten Drey fuß eine Erklärung über dort angeführte Midraschstellen gegeben, welche darauf basirt ist, daß das von pix"> 7i als p&b bezeichnete ODN' das griechische mog sein soll. Ilbgesehen von der Ungereimtheit, die dadurch dem Inhalte jener Midraschstellen aufgedrungen wird, wie Jedem, der sie im Originale liest, ersichtlich ist, mache ich nur aufmerksam aus den im Midrasch zu den Klageliedern von 'i für seine Worterklärung angeführten Beleg nSd (Amos 6, 10). Was wäre wohl damit in jener Heldengeschichte anzufangend — Das griechische Wort, welches ddn sein soll, ist aber kein anderes als ovncog (nimmermehr, gewiß nicht, eine verstärkte Negation, die bei Homer oft vorkommt, s. Pass. >W.- B. II. S. 407), wonach der von p^\p fm\ angeführte Beleg (Amos 6, 10), für eine hagadische Auslegeweise, in der That viel Gewicht hat'). Nun aber ist auch der Sinn jener beiden Midraschstellen ganz klar und deutlich. Im Midrasch- Rabba zu Genesis Kap. 40 erklärt priH1 '*) die Worte Barak's Nicht. 10, 5 mit -pp ,TPfi5£> ,obn DN norbtb py tb rrr&b *dj/ ob ub dni riDnb'% Dann heißt es weiter rmn N> O DDN -|b "b TOm mDN1 DDN n? Nin W ]ltb p)NO DDN , pDNDH -fab b moDJ nw b nmäöncy idd nrw no b nnOHN. Erklärung und Übersetzung: Wie, gehen soll ich mit dir (rjTtb)! nimmermehr * soll dir der Ruhm (des Gesanges) werdend Im Midrasch zu den Klageliedern lautet die ffräWche Stelle: non DD NH (Pst 77/ '*1 “>DN DDNH 1HD DDN "iDNl NID N'H \)vb pw."». Sinn und Uebert'ragung: Nimmermehr! sollte-er ewig begnadigen? Man lese nun jetzt diese beiden Midraschstellen im Zusammenhänge mit Vor- und Nachstehendem und sehe wie die hier nachgewiesene Erklärungsweise des pns*i p ganz genau die Basis der dort angeführten hagadischen Bemerkungen bildet und zwar an ersterer Stelle für die vorangehende des *) Schwerlich wird Herr Dreyfuß für seinen kuriosen Einfall, £%og für Held zu nehmen, einen Beleg in der griechischen Literatur aufsinden können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.