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Der Orient · 1844-11-12 · 46 (12.11.1844) · p. Spalte 725-726

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Spalte 725-726 (sequence 3)
Language
German
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725 Studien. Der Eid nach dem rabbinischm Judenthum. der Trichotomie des menschlichen Wesens^) und der platonischen Zdeenlehre der Fall. Aber wenn wir diese Dichtung als Maaßstab nehmen, so stellt sich heraus, daß die Blüthe der jüdisch-alexandrinischen Bildung bereits angebrochen war, und daß im Geiste jener Zeit dieses Lehrgedicht als Lastschrift versaßt wurde. Was die Form dieser Dichtung anlangt, so erscheint sie, wie in der alten Poesie der Hebräer; es ist in ihr nämlich ebenfalls ein Parallelismus der Glieder, eine Art numerösen Rhythmus, so fremd auch diese Form der griechischen Sprache ist. Die Form ist dem Lehrgedichte Jjob und dem nationalen Liederschätze, dem Psalter, nachgebildet, und an Reichthum und Fülle des Ausdrucks -9), an tief durchdachten Schilderungen 30), fehlt es eben so wenig, als in dem erwähnten hebräischen Lehrgedichte. Dabei fließt die Sprache in thyrhmischer Freiheit hin und die'Darstellung ist sentenziös. Die griechische Sprache des Gedichts ist im Zuschnitte des alten Hebräismus mit künstlerischem Bewußtsein gehalten; aus Wendungen, Satzverbindungen und Redensarten, aus den Assonanzen, Paranomasien und Verbindungen von Wörtern desselben Stammes ist nicht nur ersichtlich, daß der Dichter ursprünglich in dieser Sprache geschrieben, wie übrigens schon Hieronymus gar nicht daran zweifelt^), sondern daß er mit einer gewissen Meisterschaft und Kunstfertigkeit die Sprache zu handhaben verstand, und daß er die nationalgriechischen Schriftsteller gelesen habe32). Die hebräisirende Farbe der Sprache ist mehr eine Folge des althebräischen Gepräges dieser Dichtung, als einer unreinen Gräcität, was man ebenfalls bei den übrigen jüdisch-hellenistischen Schriftstellern im Auge behalten muß. — Was den Verfasser anlangt, so war der Dichter ein alexandrinischer Jude, der unter der Regierung des Ptolemäus Physkon (145—117) dieses Lehrgedicht zum Tröste und zur Belehrung seiner damals gedrückten Glaubensbrüder geschrieben. Der politische und religiöse Zustand der damaligen egyptischen Juden, der bürgerliche Druck und das hereinstürmende Heidenthum auf dieselben, waren die Veranlassung, sich der gläubig gebliebenen anzunehmen. Nach dem Muster des Kohelet-Verfassers suchte auch er seine Empfehlung der Weisheit an Salomo's Namen zu knüpfen, und wie Ben-Sira *3) die Stelle 1 Kön. 5, 9 — 14 zu idealisiren und auszuspinnen 34). Schon sehr früh hat die Sage den Salomo als Ideal der Weisheit angesehen, alles Wissen in ihm komm- : 27) Id. 1, 4. 8, 19. 20. 9, 15. 15, 11. 16, 14, wo die Unbekanntschaft mit dieser Lehre sich herausstellt. 28) Id. 7, 22 ff. 29) Man vgl. nur 5, 10—12. 17, 18. 30) Z. B. 2, 1-6. 7, 22-26. 31) Israel. in lider. Salom. 32) Vgl. 2, 7—9. 11, 17 wo vlrj äfioQcpos zu beachten. 33) Sira 47, 13. 34) Weiüh. 7, 17—21. 726 trirend, und nicht nur vonBen-Sira bis Josefs), von dem Chronisten bis zu dem Talmud 3 6), sondern durch den ganzen Orient hat diese Sage Geltung gewonnen3^). — Der Name des Dichters hat sich uns nicht erhalten, und die Vermuthung, daß er Salomo geheißen haben mag, hat weiter keinen Werth. Polemische Mittheilungen Erwiderung auf Dr. Hold heim's Frage: Was lehrt das rabbinische Judenthum über den Eid? (in Nr. 35 unb 41 des „Jsr. des 19. Jahrh.") Von Raphael Kirchhvim. Es giebt Schriftsteller, sagt Jean Paul, die gleich den Oliven, durch den ersten Druck das feine Jungfernöl hergcben, und bei der zweiten stärkern Presse nur Baumöl, bis sie endlich bei der dritten nur gewöhnliches Brenn öl liefern. Auch Hr. Dr. Holdheim fängt schon an gewöhnliches Brennöl auszuprcssen, das der „Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" konsumirt,' als den vortrefflichsten Brennstoff seiner Fixirleuchte. Und so wie oft schlechte Fabrikate die Etiketten der guten in lockender Weise zum empfehlenden Aushängeschild haben, so hüllen Autor und Redakteur unter der Larve des Fortschritts und unter der falschen Etikette „Wahrheit", die feindlichsten Gesinnungen gegen die jüdische Glaubmsgenossenschaft, und um den Rabbim'smus zu bekämpfen, tragen sie kein Bedenken, das im öffentlichen Geschäftsverkehr und im allgemeinen Staatsleben so tief eingreifende Institut des Eides unrichtig zu deuten. Wenn es eben so wahr wäre, wie es nicht ist, daß der Glaube auf eidliches Aussagen und Bestätigen, im öffentlichen und Privatleben, nach der Theorie des Rabbinismus zu erschüttern sei, was doch der Zweck der rubricirten Aufsätze fern sollte, so würden diese Eisenmengerkaden höchstens bewirken, daß der Judeneid um eine Phrase bereichert würde, oder daß der Beeidigte zuvor ein Glaubensbekenntniß ablegen müßte „er bekenne sich zu den Holdheim'schcn Grundsätzen". Ist Herr Holdheim mit diesem Resultat zufrieden? Wenn es Hrn. Holdheim wirklich um den wahren Zweck zu thun gewesen wäre, so hätte er, um den Verdacht einer Verdächtigung der heiligsten Gefühle seiner Glaubensgenossen zu entgehen, zuerst bevorworten müssen, daß er nur vom p r o m i s s o r i fch e n Eide spreche, der assertorische hin- 35) Jos. Alterth. VIII. 2. 5. 36) S. Charuse Peninim. 37) S. Kleukar, Sal. DenkwürdigkeitensMlga, 1786), S. 149 ff.! 46

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