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Der Orient · 1844-11-12 · Heft 46 (12.11.1844) · p. Seite 359

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Seite 359 (sequence 13)
Language
German
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359 (tfjetn Talente ausgestatteter Mann, der die geheimsten Schachen des galizischen Lebens, weil in ihm selbst 'großgezogen,! kennt und namentlich die uns so fern liegenden galizisch-jüdijcher Zustände genau versteht, es unternommen hat, unter dem ^amen der hier gegebenen Überschrift*), eine trefflliche, wenn ^nch in manchen Punkten die Eitelkeiten verletzende Schil- Z mung der Iudenheit Galiziens zu geben. Das treffliche Motto jachem Talmud: Wehe mir, wenn ich es sage/ wehe mir, Imnn ich es verschweige, bezeichnet fast genan den Stand-' ) punft, den der Zeichner dieser Zustände zu seinen Landesleuten : rinnintmt$ ohne Schonung, ohne verdeckende Liebe, ohne Furcht ^Mißverständnissen, ohne auf die mögliche Beschuldigung zu achten, er gäbe durch seine Schilderungen der ohnehin intole- [ ranten. unb ungebildeten christlich en Menge eine Waffe in die Hand, schildert er eben so das, was die Juden selbst verschulj dch als auch das, was die intolerante Gesetzgebung Oesterdeichs, die katholische-'Geistesversinsterung, die Büreaukratie dazu bcigettagen, und diese Offenheit, selbst wenn man sie aus höheren Rücksichten nicht theilen kann, verdient jedenfalls unj [ere Ächtung. Der Verfasser hat in dieser Freimüthigkeit sein j Thema in zwei Abschnitte getheilt, in dem ersten beschäftigt | er sich mit den socialen Verhältnissen der galizischen Juden, I mit bei: Darstellung aller jener Gebrechen in Handel und f Wandel, in Synagogen und Schulen, welche den Juden selbst j zur Last zu legen sind, und die Hinweisung auf ihr eigentliches,Verhältnis; zum. Staate, auf ihre Rechte und Pflichten, | aus welchen doch jene Gebrechen hervorgegangen, ist nur vorüber-! gehend berührt. Der andere Abschnit hingegen versucht es, | in gedrängter Kürze die Gesetze uud Verordnungen für die | galizischen Juden in ihren gewerblichen, bürgerlichen und politischen Beziehungen durchzugehen, und vorzüglich auf die f Beschränkungen hinzuweisen, die man den Israeliten ohne Ausnahme in allen Zweigen des gesellschaftlichen und gewerblichen Verkehres, in allen möglichen Gebieten geistiger und j materieller Beschäftigungen, mit ihren etwaigen Ansprüchen I als Menschen und Staatsbürger aufgelegt. Dieser Theil der k Schilderung weist also nach, woher jene im ersten Abschnitte | dargestellten Gebrechen entstanden, er giebt die Ursache an zu { der dort geschilderten Wirkung oder die wirksame Apologie zu | der dort gebotenen Beschuldigung der Juden, und zugleich den jj Nachweis, warum die galizischen Juden mit den deutschen | nicht gleichen Schritt halten konnten. „Alle der Aufklärung J feindseligen Elemente, heißt es von diesem Theile (S. 94), f scheinen sich in Galizien vereint zu haben, um die dortigen l Luden fortwährend in dem Schlamme der Unwissenheit und z des Aberglaubens waten zu lassen. Die niederdrückende Wucht f gesetzlicher Ausschließungen und die Nadelstiche der Intoleranz, I der Judenhaß in seiner abschreckendsten Gestalt wie in seinen j öfters kleinlichen, aber, immer schmerzhaften Aeußerungen, j ^chts wurde gespart, um bei den galizischen Juden die mo- \ rö^e Kraft zu lähmen und sie unfähig zu machen, sich je j ') Leipzig, 1845. 8, bei PH. Reclam jun. Preis 18 Gr. aus ihrer sittlichen Entwürdigung zu erheben." Aber eben dieser feindseligen Elemente wegen können wir es nicht billigen, daß der Herr Verfasser die Wirkung der Ursache vorangeschickt, ja wir hätten es überhaupt gewünscht, daß die zwei Abschnitte sich so innig durchdrungen hätten, daß bei jeder Schilderung einer tiefen moralischen oder geistigen Stufe den Juden zugleich die Ursache angegeben worden wäre, wodurch dieses Uebels entstanden sei. Der Staat hat überhaupt sehr viel bei den Juden verschuldet. Der geringe Versuch der Iosephinischen Iudenordnung, die Juden Galiziens zu einer moralischen, geistigen und bürgerlichen Emancipation heranzubilden, ist schon deßhalb nicht als Verdienst der Regierung anzusehen, da sie selbst durch gegenwirkende Verordnungen, durch schmachvollen Druck und Erregung ' eines niedern Hasses den Meister verleugnete, die kaum knospenden Früchte vernichtete und was und wie die Juden auch geworden, so sind sie nicht im entferntesten anzuklagen, so wenig als der Helot oder der. Paria anzuklagen, daß er nicht wie alle andere ist. Es giebt überhaupt mit ein Thema in der Beschreibung der gatizisch-jüdischen Zustande, nämlich das Thema, die unwürdige Verfahrungsweise der Gesetzgebung, die Schmach der Beschränkungen, die Intoleranz, die Inkonsequenz der Regierenden zu geißeln, und jedes Hinausschreiten darüber ist eine Versündigung gegen die Juden. Wer will die Juden des Separatismus anklagen, ihnen vorwerfen, daß sie ihre Kinder lieber in eigenen Schulen als in christlichen unterichten lassen, wenn er sich der Hofdekrete erinnert, daß der jüdischen Jugend, nur unter den separatistischen Bedingungen der Besuch der christlichen Schulen gestattet ist? Nach dem Gesetze müssen die Iudenkinder in christlichen Schulen auf abgesonderten Bänken sitzen, von aller Verbindung mit den christlichen Kindern abgeschnitten bleiben, und in strenger Aufsicht rücksichtlich ihres Einwirkens aus ihre christlichen Mitschüler gehalten werden. Heißt das nicht, den Separatismus mit aller Gewalt herbeiführen? Aber nichr auf diesem Gebiete allein, sondern überhaupt in jeder Thätigkeit, in jeder Regung sieht man das Streben des Gesetzes, die Kluft zwischen den zwei Glaubensparteicn recht weit zu machen. (Fortsetzung folgt.) Personalchromk und Miseellen. Frankfurt a. M. Unter dem Titel: rtefi ]”D*1 üTiDpJJNID pp .TODS wird in Rödelheim (bei Lehrberger u. C.) das neugestattete Ritual, wie es hier in diesem Blatte beschrieben worden, im Drucke erscheinen. Nach den neuesten Mittheilungen in den Blättern, soll in der dortigen Synagoge auch eine Orgel ausgenommen werden, was aber höchst unwahrscheinlich ist. » *

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