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Der Orient · 1844-11-12 · Heft 46 (12.11.1844) · p. Seite 360

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Seite 360 (sequence 15)
Language
German
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360 Deputation der ungarischenJuden nachWien. Die Juden in Ungarn haben in Bezug auf die Beschlüsse. der Magnatentafel eine Deputation nach Wien geschickt. Diese hatte bereits bei dem Grafen KolowraL eine Audienz gehabt und wird nächstens bei dem Kaiser zugelassen werden. Neue literarische Erscheinung. So eben sind nun Lanchum's Scholien zu den Büchern Samuel's und der Könige von Dr. Haar brück er in Halle erschienen, also die 4. Veröffentlichung über diesen bis jetzt so unbekannten, aber höchst werthvollen Exegeten des nachmaimunischen Jahrhunderts. Die jüdischen Bekenntnißschriften. Die Buchhandlung B. Behr in Berlin hat seit anderthalb Jahren unter diesem Namen Schriften mit großer Prahlerei angekündet, worin gesagt wurde , daß diese in allmonatlichen Heften erscheinenden die wahre Aufklärung und Regenerirung des Judenthums bewirken werden. Leider ist das Judenthum um diese Regenerirung gekommen, da bis jetzt nur zwei Hefte erschienen sind. * * „ Caeterum Talmud esse d elendu m‘c ist der Refrain vieler Schriften moderner Juden. Nur sind es keine Cato ne, keine Jünger der Stoa, welche mit diesem Ausspruche ihre" Reden schließen, sondern zumeist Jünger Epikur's. Die Juden und Herr Direktor Weber aus Bremen. Bei der diesjährigen Philologenversammlung zu Dresden, der sich.auch die Orientalisten Deutschlands, unter ihnen mehrere Juden, angeschlossen hatten, hielt der Direktor Prof. Dr.^ Weber vom Gymnasium zu Bremen einen humoristischen Vortrag, in welchem er sich allerlei gehässige Anspielungen aus die Juden erlaubte. — Hofrath Prof. Dr. Thiersch, der berühmte Hellenist aus München, sonst aber auch kein Judenfreund, verwies ihm diese Ungezogenheit und Gemeinheit; und auch der Präsident der Versammlung erklärte sich gegen Weber, der seitdem die Sitzungen nicht wieder besuchte und sich schriftlich gegen den Vorwurf, als habe er die Juden beleidigen wollen, zu rechtfertigen suchte. Indessen hätte Herr Weber bedenken sollen, daß seine liebe Vaterstadt Bremen ohnehin schon hinlänglich im Gerüche des Judenhasses steht, um allenfalls jeder Anlaßgebung zur Vermehrung desselben und zur Erinnerung an ihren noch nicht abgöwaschenm Restaurations-Schandfleck entbehren zu können; dann aber scheint er vergessen zu haben, daß dies nicht das erste Mal ist, daß er sich an den Juden reibt, sondern daß vielmehr seine Schriften, so oft er nur immer Gelegenheit dazu hatte, von Judenhaß strotzen. Auch ist es wohl gut, daran zu erinnern, was man dazu sagen würde, wenn ein jüdischer Pädagog jemals seine Zöglinge in der Art zum Christenhasse aufforderte, wie es in Bremen, wo keine Juden mehr wohnen dürfen, von Seiten des Direktors der Gelehrtenschule bei seinen Schülern in Betreff des Judenhasses geschieht. Und doch will Herr Weber ein Rationalist sein; voch hat er mit Paulus, Rothe und Daniel gegen die Krummacher und gegen Maller gekämpft und sogar das schöne, bezeichnende Wort „Kruinmacherthum" für die verketzernde Staatskirche erfunden. - Die Bremer Zeitungen schweigen beide über den ganzen Vorfall; ein Beweis mehr, daß Herr Weber und seine „Stadtleute" das Unrecht und die Taktlosigkeit, die er sich zu Schul, den kommen lassen, fühlen und erkennen. S ch l e s w i g - H o l-st e i n Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen s. Z. mittheilte, daß die schleswigsche Stände: Versammlung kürzlich gegen die Zulassung der Juden zum Militairdienste sich erklärt habe, ungeachtet die Regierung in dem deßfallsigen Gesetzentwürfe bloß die Mennoniten davon befreit zu sehen wünschte. Jener christlich-staatliche Beschs ging trotz der beharrlichen Gegenreden des Ober- und Land: gerichtsadvokaten Befeler und des Pastor Morizen in der durch den fanatisch-bigotten Pastor Lorenzen überrumpelten Versammlung durch. — Damit nun nicht Aehnliches in Holstein, wo die Stände am 15. Oktober zusammentreten, sich wiederhole, hat ein christlicher Freund der Juden in No. \\ des weitverbreiteten, auch Ihnen in Leipzig zugänglichen Jtzehöer Wochenblatts die holsteinischen jüdischen Gemeinden aufgefordert, sich darüber zu erklären, ob die Sabbath-und Speisegesetze sie an der Militairdienstpflicht hindern und im Verneinungsfalle um Zulassung zu demselben zu petitioninn. Auch privatim ist die Sache von Hamburg und Altona aus angeregt worden und das Jtzehöer Wochenblatt wird dariillr wohl weitere Ausführungen bringen, worauf ich Sie im Voraus aufmerksam mache. E. 8. In der Allgem. Preuß. Zeitung startet der Israel. Gemeinde- und Schulvorstand zu Meseritz im Großh. Posen lHolzschuher, I. L. Stadthagen und Borek) öffentlich seimn Dank für die Gaben ab, die auf die Bitte des Schulinspekms für ein Schullokal der zweimal durch Feuersbrünste gänzlich verarmten, tiefverschuldeten Meseritzer jüd. Gemeinde tingt: laufen sind. Sie betragen den dritten .Theil der nothwendigen Kosten, nämlich 996 Thlr., wovon 917 aus Berlin allein. Dazu haben besonders in Berlin die GemeindeälteM der Prediger Dr. Auerbach und der Kaufmann Bein, Herr Mendel Boas in Schwerin a. W. durch Wort und That mitgewirkt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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