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Der Orient · 1844-11-12 · Heft 46 (12.11.1844) · p. Seite 354

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Seite 354 (sequence 3)
Language
German
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354 ritualen Küche fortfahren. — Die Schule, welche unter Leitung des trefflichen Philologen Dr. S t e r n stand, ist aus Mangel an reger Theilnahme eingegangen. Doch sagt man, sie werde bald unter Leitung des Dr.. F r e u n d mit vermehrter Kraft aufblühen. Letzterer wird besonders von dem Gemeindevorsteher Z. M. unterstützt. Auch soll ihm eine einflußreiche Stelle bei der Gemeinde zugedacht sein. Gleiwitz, 22. Oktbr. Der „Israelit des 19. Jahrhunderts" bringt mit Nr. 38 des laufenden Jahreine außergewöhnliche Beilage von dem Lehrer H. G. hier, die außer einem Aufrufe zur Bildung von Vereinen gegen alle Schacher- und Bündeljuden, und einem kleinen Seitenhieb, der dem Rabbinatskandidaten S. H. K. hier, keinem wegen seines theologischen Wissens und seiner musterhaften Moralität allgemein geachteten und geliebten Manne, zugedacht wurde — einzig und allein mir gewidmet ist. Der herrliche Genuß jener geistreichen Beilage wäre mir zwar entgangen, wenn nicht der Herr Verfasser wohlwissend, daß der „Israelit" hier nicht gelesen wird, auch hierzu Rath gewußt hätte. Die Buchhandlung Siegesmund Landberger wurde ersucht, einem jeden von ihr bezogenen Exemplare des „Orients" und der „Allg. Z. d. I." die erwähnte Beilage beizugeben. Obschon es nicht zu den Geschäften einer ordentlichen Buchhandlung gezählt wird, Annoncen zu vertheilen, vietwenigec schmähende zu verbreiten, willigte dennoch der Chef jener Buchhandlung in den Wunsch des Autors, weil auch er stets unabläßig bemüht ist, sein Schärflein zum Heil und Wohl Israels beizutragen. Auf diese Weise erhielt auch ich das Geistesprodukt des Lehrer G. gratis. — Ich würde es mir zwar als eine besondere Ehre angerechnet haben, daß mein Referat im Orient Nr. 28 einer so großen Kritik , gewürdigt worden, wenn diese nur nicht eine solche gewesen wäre, die mindestens eben so schlecht als ein G.'scher Vortrag erscheint. Anstatt zu kritisi'ren und zu widerlegen, schmäht er meine Person, ergießt sich in Injurien, erklärt meine Berichte im Orient für lügenhaft, ohne mich jedoch der geringsten Lüge überführt zu haben, bürdet mir auf, „es habe sich mein Leumund erlaubt, unfern greisen Rabbinen und was mehr sagen will, den löblichen Vorstand zu begeifern", während ich des Erstem wohl erwähnt, seine Ehre aber gewiß nie verletzt, der Letzteren hingegen auch nicht einmal gedacht habe. Allerdings führt Herr G. dies nur an, um die Benevolenz des Vorstandes zu requiriren, dessenungeachtet er doch dem Schicksale nicht entgangen ist, daß das von ihm saus facons über mich gefällte Urtel, gleich nach dem Erscheinen jenes Blattes gegen ihn vollzogen wurde. ' Da nun der Kritiker nicht einmal auf den Hauptgegenstand, der ihm zu dieser Kritik veranlaßt hat, eingeht, nämlich darauf, daß er den Talmud ein Asyl der Finsterlinge und ein aus gewöhnlichen Zeit- und Ortsfragen zusammengesetztes Werk genannt hat, weil er dieses zu widerlegen nicht vermag und zu wiederrufen es ihm an Willen und Muth gebricht, bin ich in den Augen jedes rechtlich denkenden Menschen des unangenehmen Geschäfts, eine vollständige Replik zu schreiben überhobm, um so mehr, als es von Anfang nicht meine Absicht war, eine Polemik gegen Hrn. G. zu beginnen, da ich mich wohl schämen müßte, gegen Kämpfer mit ungeschliffenen Waffen zu kämpfen. Als Pflicht jedoch halte ich es, die Gesinnung des Hrn. G. zum Judenthum, die aus jener Kritik hervorgeht, hier zu veröffentlichen, weil ich befürchte, daß dieses durch dm „Israeliten" zu wenig geschehe. In meinem mehrfach erwähnten Aufsatz Orient Nr. 28, das eben Gegenstand G.'scher Kritik ist, thar ich auch des hier vor einem halben Jahre ins Leben getretenen Mäßigkeitsvereins Erwähnung - und sprach mich dahin aus, daß da zur Einführung desselben von der katholischen Geistlichkeit mitunter auch gegen das Judenthum gepredigt wurde, die Judenheit Oberschlesiens mehr als sonst dem Drucke ausgesetzt sind, und da auch diejenigen Familien, die vom Schankgewerbe ihr ßcbeit fristeten, nun brodlos geworden sind, das Bedürfniß m Vereinen zur Verbreitung der Handwerke und desMlbaues sich mehr herausstellt. Diesem entgegnet m Hc G. folgende Worte: „Sicher wird jeder richtig urtheilende Israelit, wenn auch unter 100 Einer brodlos fl geworden, in den Mäßigkeitsvereinen einen Akt christlicher Liebe erkennen, indem diese bewirken, was die Lehren Miser Juden nicht vermochten. Im Gegentheil wäre es sehr wünschenswert!), daß die so sehr gepriesene christliche Liebe sich auch dahin erstreckte und Vereine bildete nichts von gewöhnlichen*) jüdischen Schacher- und B ü n d e l j u d e n, sondern alles von gebildeten Kaufleuten zu erkaufen. Wahrlich der hat nie gefühlt, die Wehen der Zeit, der hat nie! empfunden und getheilt den Schmerz seiner unter dem Drucke eiserner Fesseln schmachtenden Glaubensbrüder, der wie Hr. G. Jude sich nennt und so mir nichts dir nichts das Christenthum gegen die Juden aufm'zt, der ist auch eingedrungen in den Geist des Talmud's, der wie Hr. G. Talmudist sich nennt und ihn als Asyl der Finsterlinge an klagt. Indem ich nun die Akten schließe und dem großem Publikum das Unheil über Hrn. G. zu fällen überlasse/ füge ich auch hinzu, wie ich durch ihn immer mehr und mehr bewahrt fühle die Worte Jesaja's: deine Feinde kommen aus deiner Mitte« L. Hahn. *) Herr G. begnügt sich nicht mit dem Ausdrucke Schacherjunden allein, sondern fügt das Prädikat „jüdische" hinzu, damit man sie mit christlichen-nicht verwechsele! —

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