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Der Orient · 1844-11-05 · Heft 45 (5.11.1844) · p. Seite 350

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 45 (5.11.1844)
Date
1844-11-05
Page
Seite 350 (sequence 11)
Language
German
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gesetzlichen Sinnes, -— die Willckür und das Recht des .S t äx k e r n. Die b ü r g ep 11 ch e G l ei ch st ei l u n g .der J ud e n erscheint demnach jetzt als eine Forderung derinnern Politik, von Gründen unterstützt, die den ernstesten upd be- ,deutungsvollsten Thatsachen der letzten Zeit entnommen sind. Oesterreich, das hinter dieser strengen, unabweislichen Forde- .rung der innern Politik gegenwärtig weit mehr noch M fast alle christlich-europäische Staaten (wenn man etwa von Rußland absehen muß) und von allen christlich-europäischen Großmächten, wenn Preußen, was doch wohl bevorsteht, auch noch die letzten Schritte gethan haben wird, fast allein noch zurück ist, Oesterreich, aus den heftigen. Stürmen der Zeit groß und stark hervorgegangen mit der angestammten Hochherzigkeit und dem stets väterlichen Biedersinne seines erlauchten Herrscherhauses „über alles wenn es nur will" sollte die Zeichen der Zeit nicht übersehen, und mag mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden eine Maaßregel, die den zeitgemäßen Forderungen der Gesetzgebung die erste glänzende, nur zu lange vorenthaltene Genugthuung gewähren, und dem Staatsverband von Hunderttausenden Unte.rthanen, wie noch nie, kräftig und innig das Siegel der Liebe aufdrücken wird, der dringendsten Mahnung des inhaltsvollen Augenblicks Gehör geben. O e ft e r r e i ch. Aus Ungarn, 20. Oktbr. Durch den neuen Gesetzesvorschlag über die Juden ist unter Anderem bestimmt worden, daß nach 12 Jahren kein Rabbiner und Volkslehrer mehr angestellt werden soll, der nicht ein Gymnasium besucht habe und ungarisch verstehe. Die Finsterlinge werden über diese Bestimmung klagen , aber der Zeitgeist läßt sich nicht bannen. Auch hier gehen die Juden einer großen Entwickelung entgegen. Brody, 3. Oktober. (Schluß.) Der Verfall der Brodyer Realschule ist bei nur geringer Bekanntschaft mit der Leitung, dem Standpunkte und der etwaigen Nutzbarkeit dieses Instituts leicht erklärlich. Diese Schule wurde auf Verlangen der jüdischen Gemeinde im Jahre 1815 zu einer Zeit gegründet, wo die ansehnliche jüdische Kaufmaunschaft in Brody, die glänzendsten merkantilischen Konjunkturen vor sich sehend, das Bedürfniß einer erweiterten Vorbildung zum Handel fühlte. Doch gleich im Anfänge war sie in ihrem Lehrplane schon als verfehlt zu betrachten und hat deswegen nie die gewünschten Resultate gebracht. Es wird nämlich für den Eintritt in diese Lehranstalt die Kenntniß der Gegenstände der dritten Klasse einer deutschen Hauptschule gefordert. Aus dem in Bezug auf den Schulbesuch früher Berührten leuchtet es aber allzuklar ein, daß nur sehr wenige Knaben die Fähigkeit besaßen, eine Prüfung über die Gegenstände der dritten Klasse abzulegen, um die Berechtigung der Aufnahme zu erhalten. Die Realschule war also schon von vornherein auf eine geringe Anzahl beschränkt. Die in derselben im Verlaufe von drei Jahrgängen vorgetragenerr Gegenstände, sind: -Moral, deutsche Sprachlehre, .Stylü'bimgen, -Schönschreiben, Zeichnen, Geschichte und Geographie, französische und italienische Sprache, die Rechenkunst und Buchhaltung, Nacurlehre und Waarenkunde. Die Direktion M d,ie Lehrkanzeln waren ehcenwecthen, gelehrten Männern an.- vertraut. Mit Gewissenhaftigkeit und Treue lagen sie ihmr Berufspflichten pb und bildeten manche tüchtige Zöglinge, die ehrenvoll die .kommerzielle Laufbahn betraten. Doch immer, behauptete sie eine Auönahmsstellung und nur eine bestimme Klaffe von Eltern ließ ihre Kinder die Realschule frequcntü ren. Doch der immer mehr eintretende Handelsverfall vernichtete in Brody die früher bestandene wohlhabende Mittelklasse, die einzig und allein aus dieser Schule Nutzen gezogen. Die armen Bewohner schickten nach wie früher ihre Kinder in die jüdischen Lehrstuben, da sie nicht, wenn sie sich selbst mit ihren orthodoxen Grundsätzen dazu herbeigeWn Härten, ihre Kinder in die Realschule zu schicken, die Mittel besaßen, ihnen die erforderliche Vorbildung zu verschaffen, tie Reichen zogen den Privatunterricht vor, um so mehr, als mit dem Tode des Direktors, des rühmlichst bekannten Dr. Stahl b erg er, und der .edeln Professoren, der Herren Millevich -und Br e s n i tz, die Lehrkanzeln provisorisch größtenteils mit unwissenden Menschen besetzt wurden, die kaum in die E.lementarprinzipien ihres Faches eingmeiljr sind. Dieser provisorische Zustand dauert schon seit -mehr M zehn Jahren und hat dieser Schule den letzten Stoß versetzt, so daß sie ihre sieche Existenz kaum zu fristen im Stande ifu Sie zählt gegenwärtig gegen 30 Schüler, die jährlich G000 Fl. C.-M. kosten z zweihundert Gulden C.-M. jährlich siir jeden Hörer , ein schönes Honorar, wofür man eigene Hop meister bestellen könnte. Der Schulfond wird durch men Fleischaufschlag (1 Fl. 48 Xc. E.-M. pr. Stück) und durch eine Reparation auf die Gemeinde gedeckt. Herr Friedrich Große, Professor der Buchhaltung, Zeichen- und Rechenkunst, hat die Direktion gleichfalls provisorisch übernommen. Ich will die vielfachen edeln Eigenschaften des Herrn Große nicht näherdetailliren. Norme einzige will .ich erwähnen, die alle andern überragt.- Düs ist fein klar ausgesprochener Judenhaß. An vielen Orten würde diese schöne Bürgertugend ihm Lorbeerkränze erwerben. Hier aber, als Direktor einer israelitischen Anstalt, glaube ich st beinahe unpassend, wenigstens sehr wenig diplomatisch. Doch Herr Große hält es vielleicht seiner unwürdig, seine wahren Gesinnungen zu verbergen. Offen giebt sich seine große Leidenschaft kynd. Er zieht gegen die schlechte Aussprache der Zöglinge sowohl, wie überhaupt gegen alle sogenannten Zudenmanieren zu Felde. Er will seine Schüler abgewohm von allen jüdischen Unarten, wie er sich oft auszudrücken beliebt. Nebstbei sucht er alle den Juden sich darbietende Vortheile zu vindiziren. Juden, meint er, wären 'unfähig/ Schuldiener abzugeben. Dazu müsse er einen Christen brauchen. Freiversicht er sein unpolitisches, judenfeindlichesSystenu

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