Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1844)
- Date
- 1844-11-05
- Page
- Seite 348 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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348 welche Mühe und Zeit es kosten wird, ein helleres Licht hier anzuzünden". Mügge sucht darauf den Zusammenhang dieser Judenfurcht mit den Besorgnissen darzulegen, welche die Schweden vor dem Katholicismus empfunden und die ihnen schon den Gedanken, daß wennman den Juden Rechte einraume, man sie auch den Katholiken konsequenter Weise nicht länger werde versagen können, unerträglich macht. Dann schließt Mügge diesen Abschnitt mit den Worten: „Ohne Zweifel war die Geistlichkeit diesen Jntrigum nicht fremd. In diesen nördlichen, rein protestantischen Staaten unter Verhältnissen und Gesetzen, welche seit Jahrhunderten fortwirken, kann es nicht anders sein. Wo wäre h.ier die Aufklärung, welche zur Herrschaft der Vernunft riefe?!" Es sind dies goldene, bcherzigenswerthe Worte eines edlen Christen, der auf die kleinlichen Neider und Verfolger der Juden mit echt menschlichem Schmerze hinschaut. E. C. Berlin, 10. Oktbr. Der König soll sich bei dem am Tage seines Einzuges in Berlin gegebenen Festmahl viel mit dem Radbinatsvecweser Hrn. Oettinger Unterhalten haben. — Es heißt, daß der König bei seiner jüngsten Anwesenheit in Königsberg sich den.Erfinder der künstlichen Rechenmaschine, Slonimsky aus Warschau habe vorstellen lassen und ihm 50 Friedrichsd'or geschenkt haben.' — Der praktische Arzt und Direktor eines orthopädischen Privat-Jnstituts in Berlin, H. W. Wehrend, ist zum ordentlichen Mitglieds der medicinischm Gesellschaft in Leipzig ernannt worden. — Leipzig, lj. Oktober. (Schluß.) Um so gegründeter ist dagegen die Forderung W's dem Leinen-Manufakt wieder Geltung zu verschaffen. Was nun das Garn betrifft, so ist freilich wie auch von W., die geringere Haltbarkeit des Maschinenflachsgarns auch in den letzten Tagen wiederholt hehauptet worden; aber eine so eben in der Preuß. Allg. Zeitung Nr. 189. 9. Juli veröffentlichte Erklärung Seitens derFlachsgarn-Maschinen-Spinnerei zu Lands- Hut und Erdmannsdors versichert, daß nach Versuchen mit den zuverlässigen Instrumenten angestellt, dem Handgarn von der besten Qualität nur § Haltbarkeit des Maschinengarns aus der Landshut-Erdmannsdorfer Spinnerei von demselben Material beigemeffen werden konnte. Gleichwohl verbleiben einer jeden Gattung ihre eigenthümlichen Vorzüge, und wie immer das Streben dem Eigenthümlichen, was man bietet, Geltung zu verschaffen, entschiedenen Vorzug vor dem der Nachahmung hat, so verdienen auch hier die Mahnungen und Forderungen Welp's die volle Aufmerksamkeit aller Derer, welche durch Befähigung und Stellung dazu berufen sind, in den so beklagenswerthen Verhältnissen der bei der schlesischen Leinen- Fabrikation betheiligten schlesischen Bevölkerung Abhilfe zu gewähren. So wenig es hier in Abrede gestellt werden soll, daß die Fabriken nach der Darlegung der Verhältnisse vom Vers, die nächste Veranlassung zur Sittenverderbniß bei früher mit der Leinenbereitung beschäftigten schlesischen Be, | völkerung geworden, so sind sie doch keineswegs wie der Vers. E es darzustellen sucht, für die Ursache derselben zu halten. § Wenn die Fabrik - Industrie auf dem Wege ihrer eigenthüm- | lichen Entwickelung fortschreitend, Arbeitern ihren bisherigen f Nahrungszweig entzieht, so ist sie darum noch nicht dafür i verantwortlich zu machen, wenn jene Arbeiter dann, wie der! Vers, klagt, faulenzen, stehlen, sich dem Kartenspiel, dem Trunk f ergeben re. Es würde dieses eine trostlose materielle und deterministische Ansicht von der geistigen Natur des Menschcn voraussetzm, die sehr schlecht zu dem Vertrauen paßt, welches j man in die sittliche und religiöse Bildung, in den Volksunter- M richt, nicht mit Unrecht zu setzen gewohnt ist. Oder wäre W in der That der Mensch so wenig zu sittlichem Halt, zu W- W ralischer Gesinnung und Gesittung, zur Scheu vor dem Lchr B und vor der Verworfenheit von Natur befähigt, daß er mir B durch Wohlleben und Behaglichkeit von dem Schlechten abge- B halten werden könnte? Gewiß nicht! Und auch hier muß es Bt auf das Entschiedenste geläugnet werden, daß der Weg von B dem längst gewohnten Nahrungszweig hinweg nur *u km IW Pfuhl aller Abscheulichkeiten führen müsse. Man kann km B Mann aus dem Volke so wenig wie dem aus höherem Stack B erlassen, dem Mißgeschick mit sittlicher Tapferkeit , mit km B festen Math der moralischen Tüchtigkeit und mit dem Aa- W trauen auf das Gute und Rechte zu begegnen. B So wie aber mit der sittlichen und religiösen Bildung W schon früh angefangen werden muß, so ist deren Fortsetzung B auch die Aufgabe der ganzen übrigen Lebenszeit. Aber alle W Bestrebung und Wirksamkeit in diesem Punkte ist für das B Volk mit der Schule und der Konfirmation, wenn man von B der sonntägigen Predigt absieht, zu Ende. Was in höhern jBj Ständen durch Lektüre, Kunstgenuß, Umgang mit Gebildeten, B welche allein auf geistigem Gebiete ihre Heimath, die Weck B statte und das Ziel ihres Lebens haben, geleistet wird, dam W findet sich bis jetzt nnter dem Volke so viel wie gcrr nichts. Das Volk überkommt in den reifern Jahren von der Kultur, die ihn umgiebt (und damit trifft allerdings die obige Verneckung des Verf. zusammen)- nichts als die Schlacken derselben, die jetzt namentlich excessive Genußsucht, ohne durch die feine „Sitte" und den verknöcherten - „Anstand" wenigstens gegen äußere Zügellosikeie geschützt zu sein, oder wie dies doch in bessern Kreisen geschieht, durch höhere Bildungsmittel dicjenige sittliche Macht und Festigkeit in sich zu erzeugen, rock che allein gegen bas Versinken in rohe, thierische Gemeuchelt mit Sicherheit zu schützen vermag. Auch dürfte vielleicht nicht ganz geläugnet werden, daß bei der zunehmenden w klärung im Volke die Glaubenstiefe, die Innigkeit und % nerlichkeit, und überhaupt der tiefere Bezug zu den geistigen Mächten abgenommen hat. Wenigstens hat die Verstandesbildung schon durch den jetzt weit umfassendern Kenntnißkreis