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Der Orient · 1844-10-29 · 44 (29.10.1844) · p. Spalte 701-702

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
44 (29.10.1844)
Date
1844-10-29
Page
Spalte 701-702 (sequence 7)
Language
German
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701 Studien. Literarische Ztrralekterr. 702 Wohlgefallen als Gewährsmann vorzeigen, und mir keine Erwähnung vergönnen. Meine Worte in Nr. 136 jenes Blattes lauten so: „Hier blätterte ich in Jbn Chaldun's berühmtem Werke Mokaddamat und fand, daß der Admiral Abderrahman's III. in Spanien Sbn Romahis, hieß. Sogleich erinnerte ich mich einer korrupten Stelle in Abraham Ben Daud's (Dior) Sepher Hacabbala (Bl. 41, b der Amsterd. Ausg.), wo eine Waffenthat dieses Admirals erzählt wird, der Name aber einmal 'TiNEn (Damachi) u. einmal pnNEH (Dam ach in) genannt wird. Daß aber kein anderer als der obige darunter zu verstehen und von nun an zu lesen sei, bedarf keines weitern Beweises". In Nr. 143 fahre ich dann fort: „Die berichtigte Leseart „Roinahis“ in Sepher Hacabbala ist nicht bloße Wortverbesserung, sondern bestätigt eine -von mir in einer besonderen Abhandlung durchgeführte Behauptung, daß die dort von Abraham ben Daud erzählte Gefangennehmung der vier großen Rabbinen von 990 auf 960 zurückverlegt werden muß. Daß selbst Zunz in der neuesten Zeit noch diesen für die Literaturgeschichte der Juden in Spanien hochwichtigen Anachronismus übersehen konnte, ist eine wahre Merkwürdigkeit. Es ist gar die neue Leseart nicht nöthig, wenn man bedenkt, daß ja der ehrliche Abraham ben Daud ausdrücklich sagt, es wäre dies zur Zeit Abderrahman's III. geschehen (der 962 starb), und daß er bei dem an 20 Jahre später stattsindenden Streit zwischen H e n o ch und Josef Satanas ausdrücklich den König Hakem (starb 976) nennt. Offenbar ist die Buchstabenzahl 750=990, welche in unseren Ausgaben ist, falsch und dafür 720= 960 zu lesen. Ich bemerke hierbei noch, daß von jenem merkwürdigen Schiffe und dem von ihm bestandenen Kampfe auch die arabischen Geschichtschreiber mit einigen Varianten sprechen, und Abulfeda versetzt die Expedition ins Jahr 955, was ganz mit dem Berichte ben Daud's zusammentrifft, der vorsichtig sagt: „es geschah dieses nah dem Jahre 4720 (=960), vielleicht etwas früher oder später", (pyß rnriD ]H ayD nn» jri,)* Vergleicht man übrigens die Namen Abd er rahm an, Hakem, und später Hischam und den Hagib Almanz or, welche Abr. b. David mit solcher Bestimmtheit nennt, so wäre es eine thörichte Aengstlichkeit, noch an den Zahlwerthder Buchstaben fwn zu glauben. Auch innere Gründe sind genug vorhanden, die Begebenheit in die Jahre zwischen 950—60 zu versetzen. Nur muß man den Muth haben zu behaupten, der biedere A. b. D. sei dürftigen Urkunden oder mündlichen Traditionen bei dieser Erzählung gefolgt, und sei daher auch einer sichtbar schwankenden Haltung verfallen. Mt der Zeit von 960 stimmen die» Worte '»DD iTH nt "DU PN.1 NT")^ m sehr übel, und noch übler paßt eine Verbindung Haji Gaon's mit Josef Satanas*), der um. 970 unter Hakem ins Morgenland flieht. Ein 200 Jahre altes Ereigniß konnte dem Geschichtschreiber nicht mfyt, genau überliefert werden, und die Jahreszahlen der Ommajaden mochten ihm auch nicht so fest im Gedächtnisse gelegen haben, als er im christlichen Lande sein Werk schrieb. Aus dieser Unsicherheit floß auch der Umstand, daß Abraham den Namen des vierten gefangenen Rabbinen nicht ermitteln konnte. Ich selber getraue mir, 700 Jahre nach A., den Namen anzugeben. Er ist ohne Zweifel: n&tfD p -]])n 'l. Man vergesse nicht, baj3*-n\sn nicht nur die Namen des 4. Rabbinen nicht weiß, sondern auch gar nicht sagt, wo er hingekommen ist; er muß aber doch irgendwo verkauft worden, oder auf dem Schiffe gestorben sein. Warum ist die Geschichte hierbei lautlos? Wir treten aber in ein ganz anderes Verhältniß zur Auffassung der Wahrheit, wenn wir annehmen, Rabbi Chanoch war der vierte nsn, den die Tradition von den vier Weisen im Sinne hatte. Ein Knabe war er gewiß nicht mehr, und vielleicht gleicht sich Thatsache und Wahrscheinlichkeit aus, wenn wir dafür halten, daß die schöne Frau, welche sich auf so erhabene Weise den Wünschen des gewattthätigen Lüstlings entzog, nicht die Mutter, sondern die Gattin Chanoch's war. Ich muß noch, ehe ich diese Bemerkung schließe, eine These über Chasdai b. Isaak ben Schafrut, der auch in unserer Erzählung eine Rolle spielt, wagen, obgleich der Gegenstand anderswohin gehört. Ich behaupte nämlich, daß der im MUDDnn von Alcharisi (XVIII) gefeierte rn brttH N'IMH WDH-p pntf» kein Vater unsres Chasdai ist, wie Jost meint, kein Sohn unsres Chasdai ist, wie Zedner meint, sondern Chasdai in eigener Person ist! Statt pnm 'n '-iDn D hat man 's ■»nidD 'i zu lesen, und sich weder von Konstantinopoler noch Amsterdamer Setzern irre machen zu lassen. Ja wenn Alcharisi selber mir gegenüber käme und die Leseart verteidigen wollte, ich würde um Verzeihung bitten und sagen: „Sie irren sich, es gab keinen I. B. Chasdai, wenigstens keinen, der zu Ihrer Schilderung paßt!" Die Verwunderung, welche Hr. Zedner (Auswahl historischer Stücke re. S. 72) ausspricht, daß Alcharisi den Chasdai b. I. nicht als den ersten Dichter nennt ist so ungerecht, daß es beweist, wie Alcharisi selber wirklich unsern Chasdai gemeint. Alcharisi, der sür freigebige Reiche überhaupt sich in die zärtlichste Rührung versetzte, würde sich im Paradiese noch Vorwürfe darüber machen, einen Mann wie Chasdai nicht in das Register seiner Huldigungen ausgenommen zu haben. Aber es bedarf keines andern Beweises, denn es giebt kernen *) Satanas ist das arab. und ist ihm dieser Name vielleicht erst in Folge des Streites von der Gegenpartei beigelegt worden. Gerade so wird der Gegen-Gaon des Saadja, Josef ben Jakob, genannt. Doch heißt auch ein arabischer Feldherr aus späterer Zeit Josef Schaitanas.

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