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Der Orient · 1844-10-29 · 44 (29.10.1844) · p. Spalte 699-700

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
44 (29.10.1844)
Date
1844-10-29
Page
Spalte 699-700 (sequence 6)
Language
German
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699 Studien. Literarische Analekten 700 T -fs > 5, also der Kalender des laufenden Jahres — 7 K und d—1 ist, fo trifft der Neujahrstag auf den (28H—5) — 30sten August alten Styls oder 14ten Sept. neuen Styls. Das jüdische Jahr beginnt demnach am Sonnabend dem 11 ten Sept., ist ein kurzes Schaltjahr von 383 Lagen, und von den 14 bekannten Kalendern ist das 7 K genannte in dem laufenden Jahre für diesen Iahreskalender zu gebrauchen. Einige Bemerkungen über die von Herrn Prof. .Nesselselm a n in erwähntem Journal mitgetheilte Abhandlung über die Berechnung des jüdischen Kalenders. . Außer einigen kleinen Erinnerungen gegen diese Abhandlung erfordern folgende Punkte eine nähere Beleuchtung. . Band 26. Seite 71 sagt Herr Prof. Nesselmann, daß die Juden sich mit Unrecht der großen Genauigkeit und Kunstfertigkeit rühmen, die ihr Kalender habe, indem es im Laufe der Zeit bis dahin gekommen sei, daß in den 3 Schaltjahren, welche die 8te, Ute und I9te Stelle im Cyklus einnehmen ihr Passahfest nicht auf den ersten, sondern auf den zweiten Vollmond falle. Hierüber ist zweierlei zu bemerken: 1. Die Absicht, welche die jüdischen Chronologen bei der Begründung des Kalenders hatten, war nicht, wie manche Autoren glaubten, zu bewirken, daß das Passahfest durchaus am Iten Vollmonde nach dem Frühlings-Aequinoktium falle, sondern nur, zu verhindern, daß es nicht vor den ItenVollmond und nicht nach dem 2ten Vollmond fallen könne. Denn beliebig verschoben es erforderlichenfalls die Alten vom Iten Vollmond auf den. 2ten. Dies wird aus, dem Pentateuch selbst entnommen, da der -Unreine und der weit Abwesende das Passahfest am 2ten Monat feiern dursten. Demnach kann es nicht, wie Herr Prof. Nesselmann sagt, als eine Abweichung oder Verrückung angesehen werden, wenn das Passahfest einmal auf den 2ten Vollmond fällt, in welchem Falle es noch immer dem Hauvt-Principe entspricht. 2. Scheint es nicht genau gerechnet zu sein, wenn Herr Prof. Nesselmann sagt, daß die Verrückung schon 3mal den Cyklus trifft, nämlich beim 8ten, Ilten und 19ten; denn eigentlich findet derselbe nur beim 8ten und 19ten allein Statt, wenn man nur das wirklich mittlere astronomische Aequinoktium und den Mittlern Vollmond rechnet. Der Ute aber wird seine Verrückung erst in 200 Jahren erhalten. Beim Schlüsse der Abhandlung wollte der Herr Prof. Nesselmann vermittels des jüdischen Kalenders denTodestag Christi suchen, welcher nach dem Evangelium auf den Freitag, den 13ten des jüdischen Monats Nisan fiel. Da aber dies mit der Berechnung des jüdischen Kalenders vor 1844 Jahren nicht stimmen wollte, so schließt der Herr Verfasser daraus mit Evidenz, daß die christliche Zeitrechnung, wie schon manche Kritiker längs historisch bewiesen haben, nicht richtig sei, sondern daß mit großer Wahrscheinlichkeit der Todestag 5 Jahre früher gewesen sein muß, indem damals der 13te Nissan auf. den Freitag fiel. Es ist aber zu verwundern, daß der Herr Verfasser, .der mit der jüdischen Literatur bekannt zu sein scheint, da er oft hie und da vom Talmud spricht, nicht berücksichtigt hat, daß die Einrichtung des jüdischen Kalenders erst vom Jahre 500 n. Chr. an Statt findet. Selbst der Talmud soll noch gar keine feste Regeln zur Berechnung des Kalenders gehabt, haben; und, wie verschiedene Stellen beweisen, hat der damalige Kalender gar nicht mit dem uns-- rigen übereingestimmt. Endlich bemerkt Herr Prof. Nesselmann, daß die von ihm in seiner Abhandlung aufgestellten Tafeln 1. und 11. schon 1842 in Königsberg von Herrn Goldberg besonders herausgegeben sind. Da sie aber ohne Erklärungen gedruckt worden seien, so könne er, trotz jener Schrift, seine Abhandlung für-sein vollkommnes Eigenthum erklären. Es ist hier zu bemerken, daß diese, zwei oben gedachten sinnreichen Tafeln von Herrn Gold'berg aus dem wohlbekannten chronologischen Werke Iesod Olam des Rabbi Isaak Israeli zu Toledo (1310) ins Deutsche übertragen worden sind. Der Verfaffer jenes Werks giebt diese Tafel für eine alte Tradition aus. Dies zeigt, wie scharfsinnig die Entwicklung der Chronologie bei den Alten schon gewesen sei. Die Einrichtung der Tabellen ist in dem gedachten Werke zu sehen und daseldst auch zugleich die theoretische Entwicklung derselben zu finden. Literarische Aualekten. Aebev die Zeit der Verpflanzung des Talmudstudinms nach Spanien durch N. Mosche und seinen Sohn Chanoch. Von F. Lebrecht. In meinen Oxforder Briefen, die das „Magazin für die Literatur des Auslandes" vom Nov. 1843 enthält, habe ich nachgewiesen, daß die Ankunft des gefangenen Rabbiiien in Spanien, die von Abraham ben David ins Jahr 990 gesetzt - wird, auf wenigstens 30 Jahre zurück verlegt werden müsse» / Jetzt sehe ich zu meiner freudigen Ueberraschung, wie im / Wiener Jahrbuch für Israeliten von 1844—45 meine An- / sichten und Emendationen durch zufällige Übereinstimmung/ des Herrn S. L. Rapaport die Sanktion der glänzendsten Autorität erhalten. Ich darf mich des Bewußtseins erfreuen, alle die Punkte berührt zu haben, welche Hr. R. seiner Aufj merksamkeit und gelehrter Betrachtung unterwirft, wenn dies z auch dem Publikum noch nicht durch die Presse bezeugt wird.! Aber auch die wenigen Worte, die in jenen Briefen hierüber / gedruckt sind, enthalten Manches, was zur Erschöpfung des I Thema's beitragen dürste, und ich erlaube mir daher sie hier / zu wiederholen, ohne die Nebenabsicht zu verläugnen, daß ich/ dadurch zugleich meine Priorität beweise. - Diese geltend z^ machen, bin ich um so mehr mir selbst schuldig, als ich, im Betracht der Stellung eines Rapaport in der gelehrten Welt, zu besorgen gezwungen bin, man wird künftig bei Benutzung des gewonnenen Ergebnisses diesen Namen mit

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