Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1844)
- Date
- 1844-10-29
- Page
- Seite 343 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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343 sionisten, Künstler u. dgl. Individuen ohne Realitäten zu besitzen, Bürger und Ausschußmänner sein, so bald sie nur ihren fixen Wohnsitz in der betreffenden Stadt Mchlagen. Die Tendenz des Gesetzes geht vorzüglich auf die Würdigkeit des Charakters und die höhere Intelligenz; daher es besonders angedeutet ist, das Lehr- Personale für den Ausschuß zu gewinnen, und die Lehrer an den Haupt- und Normal-Trivialschulen haben auch ein wesentliches Interesse, zum Ausschüsse zu gehören und die Vermögens-Gebahrung der Städte zu kontcolliren, da nach den neuesten Bestimmungen, die Stadtkassen, die Gehalte, Pensionen und Schulauslagen, theils ganz, theils größtenteils zu tragen haben. Es ist kaum zu zweifeln, daß auch die jüdischen Stimmführer sich für solche Individuen entscheiden werden, wenn sie durch Charakter und Intelligenz dessen würdig erscheinen". Da sich die hohe österreichische Regierung so deutlich ausspricht, daß den israelitischen Einwohnern in der Provinz Galizien, kein gesetzliches Hinderniß im Wege liegt, sich das Bürgerrecht in den Städten und die Wahlfähigst zum Ausschüsse zu erwerben, wenn sie den vom Gesetze in dieser Beziehung bestimmten Bedingnissen entsprechen; so hängt die Erlangung dieser Rechte offenbar blos von ihnen selbst ab, sich dazu durch die Erfordernisse und eine höhere Intelligenz fähig und würdig zu machen. Es sei daher erlaubt, bei dieser Gelegenheit zu bemerken, daß es nur kränkend für den besserdenkenden Theil der Bekenner des mosaischen Glaubens sein muß, die meisten der in Galizien in einer großen Anzahl befindlichen jüdischen Gemeinden, noch immer in der tiefsten Lethargie drstarrt zu sehen) ohne für diese wohlthätige gesetzliche Bestimmung einen Sinn zu haben. Bis auf die Gemeinden in Tarnopol und Brody, bei welchen seit vielen Jahren, aus eigenem Antriebe, öffentliche zweckmäßige Lehranstalten ins Leben gerufen sind, wo die Jugend eine höhere Bildung genießt, und die ihnen auch die schönsten Früchte zum angenehmen Genüsse darbietet, denkt sonst keine einzige der andern Gemeinden daran, dem guten Beispiele, womit diese beiden Schwestern ihnen vorangingen, nachzuahmen *), und mit wehmütigem Gefühle blickt der Bessergesinnte auf das traurige Verhältniß hin, in welchem es mit der Erziehung der Kinder in derselben steht» Die bedauernswürdige Jugend ist in dieser Beziehung so vernachläßiget, paß sie der.in den Gemeinden Deutschlands und anderer Staaten, wo so viel Sorgfalt auf die zweckmäßige Bildung der aufkeimenden jungen Generation, durch Errichtung Öffentlicher Lehr-Jnstitute verwendet wird, fast mit einem' Jahrhundert zurückstehen. Mit dem Religionsunterrichte *) Der ehrwürdige thätige Gemeinde-Borstand in Lem- /vg erlangte erst dieses Lahr die hohe Bewilligung, einLehrmstitut zu errichten, und dessen Eröffnung ist im Werke. selbstden wohl auch der ärmste Vater seinem Kinde nicht entzieht, sieht es hier nicht minder sehr erbärmlich aus. Die sich damit befassenden Privatlehrer, unter der Benennung: Melamed oder Behelfer, größten Theils selbst roh und ungebildet, haben nicht einmal den geringsten wissenschaftlichen Begriff von der hebräischen Grammatik und Philologie, und von diesen wird bei jeder. Gemeinde in engen schmutzigen Zimmern — Cheder genannt — der Unterricht in dem Elementar-Gegenstande der hebräischen Sprache, ^in Bibel und Talmud mit Inbegriff der dazu gehörenden Kommentaren ertheilt. Man kann sich nun leicht vorstellen, wie der Fortgang beschaffen sei, den die bemitleidenswerten Schüler in einer Religions:Anstalt dieser Art und bei einem solchen verworrenen und unvollständigen Unterrichte, machen müssen. Keinem der Gemeindevorstande fallt es ein, daran zu denken, eine geregelte Verbesserung der unerläßlich für die Jugend notwendigen Bildungsanstalt zu treffen. Leicht könnte aber diese bei den Gemeinden zu Stande gebracht werden, wenn jeder Familienvater die jährliche Summe, die er für seine Kinder auf den unersprießlichen Privatunterricht verwendet, zu einem Fonde beitrüge, von welchem eine ordentlich eingerichtete Schule in der Gemeinde'unterhalten, und darin fähige Pädagogen, sowohl zum Unterrichte in der Religion, als auch in andern im bürgerlichen Leben nöthigen Lehrgegenstanden, mit einem systematisirten jährlichen Gehalte angestellt würden; wobei noch überdies der besondere Vortheil zu gewinnen wäre, daß auch die Kinder armer Eltern, welchen die Gemeinden den Religions - Unterricht in der Talmud-Tora beibringen lassen, an dem öffentlichen Unterrichte Theil nehmen könnten. Personalchronik und Miseellen. Der neuesten Volkszählung nach beläuft sich die Bevölkerung Roms gegenwärtig auf 170,000 Seelen, „ohne die Juden". Wie man anderwärts die Garnison nicht aufzählt — wahrscheinlich, weil ihre Stärke oft wechselt und sie meist aus nicht in den. Garnisonsstädten heimischen Männern besteht — so scheint man in Rom zu fürchten, daß man den Luden zu viel Ehre.^rweis't, wenn man sie zu den römischen Seelen, oder # überhaupt zu den Seelen zählt. Ob man nun aber auch die römischen Banditen und die Bewohner und Bewohnerinnen, diesen Schwarm privilegirter Müssiggänger, mit eingerechnet hat? * * * Aus dem Journal des Debats vom 14. Sept. erfahren die Hamburger, daß der Tempel (oder wie es dort heißt, die große Synagoge) einen ungeheuren (raste) Umfang hat und