Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1844)
- Date
- 1844-10-29
- Page
- Seite 344 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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344 am 6. (in der Wirklichkeit schon am 5.) eingeweiht wurde, welche Feierlichkeit (nach dem Korrespondenten des Journal des Debats) mit dem Oratorium Judas MakkaLaus von Händel schloß, das von 260, sage zweihundert und sechzig Musikern und Dilettanten exekutirt worden sei. An der letzteren Mittheilung ist eben so wenig ein wahres Wort, als an der Notiz, daß „der Tempel nach dem Plan des berühmten Architekten Reidenhoff" gebaut sei. Ein Architekt dieses Namens, geschweige denn ein berühmter, ist nicht blos in Hamburg, sondern wahrscheinlich / überall unbekannt. Daß aber eine Namensverwechselung stattgefunden habe, wird um so weniger anzunehmen sein, als Heer Klees Wülbern der Erbauer des Tempels ist. Frankfurt a. M. Rothschild besucht an den hohen Festtagen nicht mehr die große Synagoge zw Frankfurt a. M., sondern 'hält Privatgottesdienst, weil ihm — Herr Stein nicht gefällt. — * * Hamburg. Mad. Lorette Leo, geb. Behrens und ehemalige verheirathete Behrens zu Hamburg, hat kürzlich 70,000 M. Banco zu wohlthatigen Zwecken bestimmt, so daß die Zinsen dieses Kapitals den jüd. Gemeinden zu Hamburg, Altona und (ihrem Geburtsorte) Pyrmont zu Gute kommen sollen/ Die neue Stiftung heißt nach ihrem verstorbenen Sohne Joseph Simon B ehren s'sche Stiftung und bezweckt hauptsächlich Beisteuer zur Miethe für arme Familien und Unterstützung von jüdischen Studirenden und Handwerkern. Die ausführlichen. Statuten sind bereits gedruckt. Rußland und Polen. Im Gouvernement Wilna sollen 921 jüdische und nur 130 christliche Kaufleute wohnen. Bon den jüdischen sollen gegen f- Schankwirthschaft getrieben haben.'— Bei Tomaschow im Gouvernement Masovien will Abraham Elbinger eine jüd. Kolonie für Ackerbau und Fabrikwesen gründen. Die Negierung hat bereits eine Strecke Landes zu diesem. Zwecke überwiesen. Arme und verwaiste Kinder sollen erzogen und besonders letztern zum Ackerbau und zur Fabrikrhätigkeit verwendet werden, aber auch den erforderlichen Schulunterricht genießen. Schleswig. Bei der Berathung über den Entwurf wegender Militärpflichtigkeit sprachen besonders der Ober- Gerichts-Advokar B e sc l e r, der Pastor M o r i z e n und der Landmann Wenzen zu Gunsten der Juden; gegen sie in der verbrauchten Manier insbesondere Pastor Lorenzen.' * * Preuße n. Nach der Düsseldorfer Zeit, soll die Preuß. Regierung den Provinzialständen von 1844 das neue Judengesetzprojekt vorzulegen beabsichtigen. Hamburg. Das portugies. Bethaus (der frühereTempel) wurde am 12. Sptbr. feierlich eingeweiht. Es soll auf 10 Jahre (a 700 Mk.) gemiethet sein. Die Wahl des Lokals findet allgemeinen Beifall und auch viele deutsche Familien .scheinen sich dem portugiesischen Ritus anschließen zu wollen. Der Chasan, Herr Casfuto, hält oft Vorträge, ungeachtet er ein sehr beschäftigter (Privat-) Sprachlehrer ist. — Im neuen Tempel waren vor dem Neujahrsfeste nur noch fünf Männer - Stellen unvermiethet geblieben. An beiden Neujahrsfesttagen waren jedesmal wohl 900—1000 Menschen gegenwärtig. * ff * Rußland und Frankreich. In einem — in französischer' Sprache—erscheinenden Journale Rußlands wird eine Parallele zwischen dem Slavenreiche und dem heutigen Frankreich zezogen, die zu Gunsten des Ruffenthums ausfällt. Die Franzosen — heißt es— hätten ihr Blut für ein leeres Phantom verspritzt; in Frankreich stürben Viele vor Hunger: in Rußland hingegen wäre das goldene Zeitalter — wenn auch unter eisernem Zepter—; für die Proletarier würde hinlänglich gesorgt. Wir berühren diese kecke Parallele nicht weiter, da Jeder, den der russische Branntwein oder die russische Knute noch nicht um den gesunden Verstand gebracht, das Maaßlose der Vergleichung selbst einsehen wird. Wir fragen blos: was hat Rußland der französischen Judenemcnicipation gegem'lberzustellen? gehört die Verbannung der Grenzjnden in den Begriff russischer Freiheit, Sicherheit und Fürsorge? 4° ff ff Jüdisch ^Volkslied er. Es ist erfreulich, daß bet „Orient", wie er schon oft den literarischen Sinn in vielen Kreisen geweckt und genährt, auch auf den reichen Schatz, der im jüdischen Volksliede vergraben liegt, aufmerksam gemacht und in diesem Punkte bereits ein lebhaftes Interesse erregt hat. Die von Ink mitgetheilren-hebräisch - spanischen Volkslieder haben Hrn. A. Asher in Berlin auf hebräisch-proven^alische hingeleitet, die in der nächsten Nummer mitgetheilt werden sollen. Wir wünschen, daß dies Thema oft bereichert werden möge.. Paris. Herr Ad. Cremieux, der Präsident unseres Konsistoriums und als Redner und Advokat ausgezeichnet, hat nach dem Schluffe der Kammersession an seine Wähler zu Chinon, die er in der Deputirtenkammer repräsentirte, einen trefflichen Rechenschaftsbericht über seine Voten über die innere und äußere Politik Frankreichs abgestattet. Hr. mteur gehört der entschiedenen Opposition an. — ES ist also doch möglich, daß der Israelit die Interessen seines Landes vertreten kann. Verlag von E. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.