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Der Orient · 1844-10-29 · Heft 44 (29.10.1844) · p. Seite 340

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 44 (29.10.1844)
Date
1844-10-29
Page
Seite 340 (sequence 7)
Language
German
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340 Jahre dem Lord-Mayors-Posterr vorsteht, oder wie jetzt, daß ein Alderman Gibbs übergangen wird, weil ec sich geweigert hat von einer ihm anvertrauten Kasse Rechenschaft abzulegen, in der Regel aber werden die Aldermen nach'der Reihefolge ihres Eintritts in dieses Kollegium; dem Oberhause der City of ^onäon, zu Lord-Mayors gewählt. Die Opposition, welche sich kund gab, als derselbe Herr Salomons schon vor mehreren Jahren zum Aldecman gewählt ward, ist jetzt, Dank dem gesunden Sinne unseres Volkes und dem religiösen, moralischen und merkantilischem Stande unsrer Gemeinde, besiegt, glorreich besiegt durch inneren Werth, und der Eintritt Salomons in das Oberhaus der City ist als gesichert anzusehen. Wer. je in England war, wer nur eine Idee hat von dem was es heißt Lord-Mayor von London zu sein, der wird mit mir zugeben, daß diese Ernennung viel bedeutungsvoller ist, als wenn einer unsrer Glaubensgenossen z. B. wirklicher Staatsminister irgend eines kontinentalen Hofes geworden wäre;, der Einfluß, den dieses Evenement auf die Unterthanen unsecs, des größten Reiches der Welt haben muß, ist unberechenbar, und die vollständigste Emancipation ist nicht allein wie in Frankreich und Belgien ausgesprochen, sondern zur vollen Groß- (hat geworden. Da die angesehensten Monarchen Europas unserer Königin aufgewartet haben, so dürste auch auf sie dieses Ereigniß einen günstigen Eindruck nicht verfehlen. Es ist, wie Sie wissen, .Gebrauch, den Wählern am Tage, nach errungenem Siege, von der Tribüne öffentlich zu danken; hier war aber der nächste Tag fiDlDn .im vn Dl*1 nuw — und Herr Salomons, welcher Festtag und Samstag ehrt und heiligt, dankte nicht an diesem sondern an dem darauf folgenden Montage, „weit er am Sonnabend sein Lauberhüttenfest feierte" — und dieser Anhänglichkeit an das Gesetz, dieser echten Religiosität allein verdankt er den Sieg! — Das mögen sich Ihre vornehmen Juden auf dem Kontinente merken! Dort soll es, wie ich höre, anders sein-; in Berlin z. B. sollen mit einer oder zweien Ausnahmen die Gemeindevorsteher selbst an Festtagen höchst selten die Synagoge besuchen, wie dieses Gotteshaus an einem Wochentage aussieht, soll fast keiner von ihnen, wissen! So erzählt man sich hier und ich würde es Ihnen Dank wissen, wenn Sie in Ihrem geschätzten Blatte bald eine Skizze „Berliner Judengemeinde" geben wollten. ■ . A. H—n. Dr. Frankreich. Parks, 8. October. Aus Kairo wird (ohne Datum) von einem neuen. Fall geschrieben, wobei/Juden in Verdacht'standen, einen Christen umgebracht zu haben (wie vor vier Jahren'die Juden zu Damaskus' den Pater Thomas sollten aus dem Wege geschafft haben). Die Sache kam vor MehemedAlj der mit ruhmwerther Gerechtigkeitsliebe die schützenden men der Gesetze walten sseß und sich dafür reichlich belohn fand, indem nach vier Monaten (am 13. August) der vermißte Christ, Michael Lach um, wieder zum Vorschein km, und sich so die gegen die Juden vorgelegten Anschuldigung faktisch widerlegten. Deutschland. . Stavgard (in Pommern), 2. Qktoter (Gemeindewchli.) Auch hier fängt man an, den Kampf der Zeit zu kämpf«,. Es ist nicht der Kampf gegen Bedrückung von Außen —denn Gott sei Dank! wir leben friedlich in der Mitte unserer christlichen Mitbrüder; auch nicht religiöse Zerwürfnisse sind es, da man sich hier begnügt, keine muß zu verkaufen, dir Gebete mit verstümmelten Opern vortragen zu hören uni allenfalls etwas, das einem Predigersurrogat ähnlich ist, M gewissen Gelegenheiten hören zu müssen —und wer genügsam ist—der ist ja wohl zufrieden. Doch es ist der Kampf gep Schutzjudenstolz, es ist der Kampf, wo der Bruder dem Brüder Fesseln anlegen.will, es ist der Kampf gegen alte Vomtheile. Aber wer ist der Kämpfer, höre ich fragen, der den Muth hat, aufzutreten gegen dieses vielköpfige Ungethüm? Ein schlichter Arbeiter nur! Und was ist sein Wahlspruch? Wahrheit! und so übergebe ich dem gesammten Israel die Thatsachen. ■ Zu den wohlthätkgsten Anstalten in Israel gehört urismitig die Chebra Kadischa; auch wir haben hier ein solches Institut, das sich berechtigt glaubt, von jedem einziehenden Glaubensgenoffen 10—lOOTHlr. Antrittsgeld zu verlangen, so wie Z pCt. vom Vermögen, und außerdem einen jährlichen Beitrag von 1 Thlr. Die Gesammteinahme dieses Vereins übersteigt die Summa von 150 Thlr. jährlich. Doch was leistet dieser fromme Verein? Speist er Hungrige? Labt er Kranke? Klei- . det er Nackende? Wachet er bei Kranken? Tröstet er Sterbende? (Welches doch sein eigentlicher Beruf ist.) Nichts von i allem diesen wird gethan, oder doch nur sehr selten*). Vielinehc habe ich erlebt, daß mit unerbittlicher Strenge gegen $# rende verfahren wird. So wurde einem Manne, weil da Bruder für den Dahingeschiedenen die restirenden Beitragt nicht zahlen wollte, die Beerdigung nach dem Ritus versagt und der Bruder mußte allein seinen .Bruder so gut es an* ging —beerdigen. Ferner mußte eine arme Wittwe, umihrein Manne ein bescheidenes Grab nach dem Ritus zu verschaffen, ihre Betten und Leibwäsche hergeben. Wie verwendet dcr Verein diese Gelder? Auch ich machte, beb . Gelegenheit als man mich zwingen wollte, mich mit demselben abzufinden, dieselbe Frage, und erhielt die Antwort': Wie wir Ihr Geld verwenden, das kümmert Sie nicht, wenn wir es nur haben. *) Zur Ehre der Wahrheit muß ich bemerken, daß ß Jahren von diesem Vereine 25 Thlr. für hiesige Armen gegeben wird.

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