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Der Orient · 1844-10-22 · Heft 43 (22.10.1844) · p. Seite 333

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 43 (22.10.1844)
Date
1844-10-22
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 ^n, daß denn nicht Alles gethan sei, wenn er ihm seine Mühe gut bezahlt, sondern er soll ihm, desien edles Streben liebeüoU. anerkennend, durch eine wahrhaft herzliche Behandlung an die Familie zu ketten trachten.; Die edelste Gesinnung vermag nicht immerwährend aus! sich selber wirksam zu sein, wenn sie nicht von Außen j zur Wirksamkeit angeregt wird; daher soll der Lehrer,! in dessen Hand das Wohl und Weh der Kinder liegt, ^durchaus nicht als Fremder, -sondern gleichsam \ als der nächste Verwandte der Kinder, nach den Eltern j angesehen und behandelt werden. — Wer möchte es glauben, daß es hier sogar Hauser giebt, in welchen dem Hofmeister ein ordinärer Magen zugemuthet wird, als dm Eltern und den Kindern? — Es ist schändlich j aber wahr. — j Man glaube ja nicht, daß, wenn auf die Lehrer im j Allgemeinen ein würdigender Blick gerichtet, die hohe I Meinung, die so viele irriger Weise von sich haben, be- | günstige werden würde, im Gcgentheil möchte die Zahl der Charlatane vermindert werden, und der edlere Päf dagog würde Alles aufbieten, um seiner Pflicht gewissennachzukommen, denn die höchste Belohnung für ein edles Herz ist An erkennung. Jg. S—f. Prag 22. August. Das monströse Bittgesuch unserer Bürger gegen die Juden, welchen Erfolg oder Nichterfolg es auch habe, ist nun bereits der Geschichte anheim gefallen. Es iß ein Zeugniß der niedrigen und vöbelbasten Gesinnung, das sie der etwa daran zweifelnden Nachwelt gegenüber selbst sich ausgestellt. Es ist eine Schandsäule, die sie im Tempel der Geschichte sich selber errichtet, die für alle Zeiten Kunde geben wird von dem gemeinsten Krämersinne, der sie beseelt. Die vielen wichtigen politischen Güter, die man anderswo in Deutschland zu erringen strebt, kaffen unsere Bürgerschaft ganz unberührt. Für Preßfreiheit, Geschwornengerichte, Oeffentlichkeit Md Mündlichkeit und dergleichen Bagatellen kann man' sich nicht beklagen, sie je petitioniren gesehen zu haben. Aber wo ihr Krämerinteresse ins Spiel kommt, wo es gilt, der Han-' delskonkurrenz nur etwas freieren Lauf gelassen zu sehn, da erheben sich alle wie ein Mann, erwacht plötzlich der 68piit üe eoi'p8, fangen sie an, in Masse zu suppliciren. Da wird die Sturmglocke gezogen, kommt der Neid und die Scheelsucht, schnell Bundestruppen zu werben unter dem Vorurtheil und dem Hasse, unter allen Antipathien und Beschuldigungen, da ist auch die verrostetste Waffe nicht zu schlecht für den x Kampf. Was wird die Zukunft sagen zu diesem philisterhaf- : ^lr Zetergeschrei, zu diesem Allarmschlagen, daß die Grundfaulen des Staats für erschüttert, die Landeswohlfahrt für if fruchtet erklärt, so auch für jüdische Kaufleute dieBeschränkung des Wohn- und Handlungslokals aufhären sollte? Was t die Weltrichterin zu den Vehikeln sagen, die die Büreiner großen Hauptstadt anzuwenden sich nicht entt ^ddet, um ein altes Erbstück des Unrechtes noch ferner zu I erhalten? zu diesen pyramidalen Lügenanklagen, die sich selbst richten, zu diesem widerwärtigen, geifernden Ton, in dem das ganze Bittschreiben gehalten ist? Man weiß nicht, soll man mehr die bornirte Hasenherzigkeit, die egoistische Verzagtheit anstaunen, mit der der mannigfach bevorzugte, privilegirte christliche Handelsstand die Rivalität einer Handvoll Juden fürchtet, oder die nichts scheuende, vor nichts erröthende Schlechtigkeit, die im Gemälde ihrer Verleumdungen in den grellsten Farben sich überbietet, in der augenscheinlichen Furcht noch immer nicht grell genug aufgetragen zu haben, um die ihr nöthige Indignation hervorzurufen. Aber in der Hast und Wurh, in der sie die Mittel zusammenrafften, ihren Zweck zu verfolgen, ging ihnen alle Besinnung verloren und so sahen sie nicht ein, wie sie eben durch diese auf die Spitze getriebenen Beschuldigungen solche von vorn herein verdächtigten und aller Glaubwürdigkeit beraubten. Mit derselben Unbesonnenheit wird darin auch eine fast drohende Sprache gegen die Regierung geführt und alle derselben schuldige Ehrfurcht, ja selbst jeder Anstand, wie er den bittenden Unterthanen geziemt, ganz aus den Augen gesetzt. Die dort geführten Klagen nun einer Widerlegung zu würdigen, wäre eben so thöricht als die Anklage selbst. Die Juden haben ihre Gegner bereits zur Genüge zurechtgewiesen, mehr als nothig vielleicht schon sich gerechtfertigt, und alle gegen sie erhobenen Vorwürfe zu Schanden gemacht. Es möchte nun auch an der Zeit sein, die noch immeraustauchenden Schriften gegen die Juden undihre Gleichstellung dem Tribunale der Wahrheit und der bessern öffentlichen Meinung zu überlassen, die sich nun auch ohne unsere Hilfe von selbst Bahn brechen wird. Ist doch Alles, was unsere Feinde gegen uns noch verbringen, nichts als alte abgestandene, tausendmal schon widerlegte Lügen und Sophismen, nichts als aufgewärmter Kohl, dem hungrige Schriftsteller höchstens ein Ragout von albernen Anekdötchen noch beizugeben pflegen. Man hat viel schon darüber geschrieben, was die Liebe alles vermag; aber daß der Haß, resp. der Krämerneid, auch Wunder thun kann, das hat sich in neuester Zeit offenbart« Was das Volk über Nacht gelehrt worden ist! Jeder Schusterbube wußte letztlich, daß es heuer 100 Jahre werden, seit Maria Theresia uns aus dem Lande gejagt, und es schien ihm keine Jubiläumsfeier angemessener, als unsere abermalige Verjagung. Auch unsere Supplikanten haben es für gut befunden, uns — historisch zu verleumden. Sie entwerfen eine 3gliedrige geschichtliche Skizze, worin die Nachtheile des jüdischen Einflusses in der Vergangenheit, Gegenwart und — Zukunft nachgewiesen werden sollen. Von den Zeiten des Römerreichs, dessen Verfall uns ebenfalls hier aufgebürdet wird, bis auf dm heutigen Tag wären wir die Schöpfer aller Uebel gewesen. Man sieht unsere Bürger machen auch Geschichte, und noch dazu die vergangene. Schade daß sie es noch nicht versucht, auch Mythologie zu machen. Sie würden in Pandocens Büchse hübsche Ersparnisse angebracht haben; Statt Krieg, Pest, Hungersnot!), Krankheiten, und anderer Plagen

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