Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1844)
- Date
- 1844-10-22
- Page
- Seite 332 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tiönellm Enkel zu glänzen sich bemühen, und auch nur glänzen. — Außer einigen ehrenvollen Ausnahmen gilt dieses von den meisten Söhnen der Reichen. Bei den Mädchen will man einmal durchaus eine oberflächliche Bildung haben; denn die vielen heterogenen Gegenstände, in welchen sie unterrichtet werden, ziehen nothwendig die Zersplitterung der Seelenkräfte nach sich, und es würde ein Pädagog erbärmlich siguriren, wenn, er. die Bildung des Herzens der Mädchen bei den Eltern aufs Tapet.brächte. — Das sind nun Klagen, die zwar oft geführt wurden, gelegentlich aber nicht genug nachdrücklich ins Gedächtniß der Eltern gerufen werden können. Ich will mich blos auf das beschränken, was meines Wissens noch nicht öffentlich gerügt würde, und wünsche, daß sowohl Eltern als Lehrer meine wohlmeinenden Worte beherzigen möchten. Es betrifft das Verhaltniß der Letztem zu Erstecen, und der hieraus hervorgehende Erfolg für den Privatunterricht. — Daß die armen Familien hier die Mittellosigkeit der armen Studicenden sich zu Nutze machen und für einen Armensünderpreis einen Aufseher für ihre Kinder miethen, darf uns wohl nicht befremden, eben weil sie, die Eltern unbemittelt und von der Mühseligkeit des Lebens zu sehr in Anspruch genommen sind, als daß sie die Wichtigkeit eines tüchtigen Lehrers weder geistig noch pekuniär würdigen könnten. Daß aber die Reichen, die Gebildeten, die Patrizier Prag's, die Mittellosigkeit der Lehrer spekulativ benützen; daß sie es sind, die lieber zehn Kommis, als Einen Lehrer besolden; daß sie es sind, die den Lehrer als ein nothwendig es Nebel, als einen bezahlten Zuchtmeister betrachten, ist eben so entwürdigend für die Hausväter selbst, als für den ehrenvollen Lehrstand. — Es giebt Familien hier, die keinen Lehrer aufnehmen, der nicht ein Dutzend .fremder Sprachen spricht (mit Ausnahme der Landessprache, die nicht berücksichtigt wird), und wenn er sonst der tüchtigste Pädagog wäre; andere nehmen Keinen auf, dessen Aeußeres nicht besonders empfehlend ist, wegen vieler Ursachen; wieder Andere nehmen Keinen ins Haus, der nicht die noch vielen heiligen Ceremonien, die dem. erwachsenen Israeliten zur Pflicht gemacht sind, verächtlich von sich geworfen und ganz nach dem allernagelneuesten Zuschnitt modernisirt ist; so wie denn Andere wieder in das Extrem verfallen, und dann hört man häufig die Klage: „Man bekommt keinen ordentlichen Lehrer", aber unter „ordentlicher Lehrer" ist ein Individuum gemeint, das für ein geringes- Honorar alles was man will leistet, ohne daß man bedenkt, wie. unglücklich die Zöglinge werden könn- ' ten, wenn sie in die Hände eines Erziehers geriethen, der alles leistet, was die Eltern wollen. — Sie wollen einen.Menschen, der, wenn er schon einmal die ausgehungerte Knochenhand nach einer Kondition ausstreckt, sich aufs Gerathewohl-auf jeden Gehalt im Voraus bescheiden soll; der sich genügsam in seine Bücher vergrabt und auf die Güter dieser Erde, keinen Anspruch macht; einen Lehrer (das Wort Erzieher hört man hier gac nicht), der wo möglich ein Baukünstler, ein Jurist, ch Mediciner, nur beileibe kein Pädagog sein soll, denn die gnädigen Mammas sagen, das sind famose Menschen, diese Pädagogen! Es werden hier jährlich 15 bis 20 Lehrer ander israelitischen Hauptschule gebildet, die freilich mit eminenten Klassen gewappnet in die Welt hinausschreiten, und sich nicht wenig auf ihre einstudicte pädagogische Gelehrsamkeit zu Gute thun; aber unter diesen jungen Männern, dir zwar nicht vollkommen, aber einen wahren Feuereifer für ihren Beruf hegen, giebt es immer einige recht gebildete praktische Schulmänner; diesen so wie den übrigen aber wird der Zutritt in die Hauser der Großen aus schmählichen Vorurtheilen versagt; sie finden ihre Plätze von Technikern, Juristen, Medicilmn, . Chirurgen, Lateinern rc. besetzt, deren Beruf es nicht einmal ist, zu unterrichten. — Die Bestem gehen demnach auf das Land, wo tüchtige Männer gehörig honorirt und ehenvoll behandelt werden, die minder Guten treiben sich so lange mit Lektionen, herum, bis der Zufall oder eine Recomandation ihnen irgend eine Kondition verschafft, und so finden wir das Erziehungsgefchaft von Kindern, deren Standpunkt in der Folge für eine ganze Nation von Einfluß fein dürfte, in den merkwürdigsten Händen!-- Wenn also Mangel an guten Lehrern hier herrscht, wenn mancher Hausvater über kur; oder lang über die Leistungen seines Hauslehrers schmerzlich enttäuscht wird, so> liegt der Grund einzig in dem .Umstande, daß die Hausväter als Kinder der Tagessorge zu wenig Arismerksamkeit den Bedürfnissen ihrer eigenen Kinder schenken; weil sie, über jede Rücksicht sich hinwegsetzend, mit den Lehrern wie mit Waarenartikeln feilschen und den wohlfeilsten vocziehen. — Wenn die Eltern sich bemühten, eine liefere Einsicht in die Sache zu erlangen, so würden sie nicht oft in der traurigen NothwendiM sich versetzt sehen, ihr heiligstes Gut einem Individuum anzuvertrauen, das entweder die Kreatur irgend einesgut bezahlten Zuschickers, oder ein beschränktes Protck tionskind ist. — Jeder Hausvater der gebildeten Klasse sollte zu prüfen, zu wählen und zu würdigem wissen, ec sollte sich selbst von der Gesinnung eines Menschen überzeugen, dem er ein solch heiliges Recht über seine geliebten Kinder einräumt, und nicht so sehr auf tiefe Gelehrsamkeit, gelehrten Ruf, als auf die eigentliche Denk- und Gefühlsweise eines Erziehers sehen, und hat er vor Allem das gerechte Selbstbewußtsein, daß er über einen Erzieher aburtheilen könne, und dann einen gesunden Lehrer, der den Anforderungen der allgemeinen Erziehungskunde vollkommen entspricht, so sott er, da das Leben einmal ohne Prosa nicht sein kann, wohl erwä-