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Der Orient · 1844-10-22 · Heft 43 (22.10.1844) · p. Seite 330

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 43 (22.10.1844)
Date
1844-10-22
Page
Seite 330 (sequence 3)
Language
German
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- 330 - Als bald die Original- Dokumente ausgelegt wurden, und einige Mitglieder die Durchsicht machten, fanden selbe zum Erstaunen, daß gerade die so sehr ausposaunlen, die aller unwichtigsten und meistens von gar nicht kompetenten Individuen unterzeichne: sind, während die von den andern Kandidaten viel wichtiger und empfehlungswerther sind; dieses Erstaunen verbreitete sich, und als man auch literarischen Ruf und Leistungen, mit in Betracht zog, stellte es sich klar dar, daß gerade der begünstigt sein sollende allen andern zurückstehen müßte. Es ist Niemanden zuzumuthen, daß gerade ein ungedecktes Manuskript die gedruckten Werke Andererer überwiegen solle. Es.vereinigte sich eine große Anzahl der Mitglieder, worunter die gebildetesten und gelehrtesten, so wie viele der reichen und einflußreichen Männer im Stillen, um keinen Parteistreit, welcher Familien- und Geschäfts- Verhältnisse benachtheiligen könnte, öffentlich aufkommen zu lassen, und beschlossen für die Wahrheit und Gerechtigtigkeit jener Partei entgegen zu treten; Einer übernahm es seinen Namen herzugeben, und so wurde fämmtlichen stimmfähigen Mitgliedern durch ein Cirkular und eine Äddresse die Wahrheit vor die Augen geführt; dieses konnte die Absicht nicht verfehlen, weil nur gesunder Menschenverstand dazu gehörte, die Wahrheit einzusehen, und so war das Resultat des Wahltages so gut als bekannt. Als sich nun die erste Partei plötzlich so getauscht als beschamtffah, weil Abordnungen, gedungene Stimmensammler und andere Mittel bei ehrlichen Leuten nichts wirken wollten, suchten sie nun Zeit zu gewinnen, einige stimm- und viele nicht stimmfähige Mitglieder anzugehen, eine Bittschrift um Aussetzung des Wahltages einzureichen. Der Konnte-Präsident berief die Komite- Glieder am 1. d. M., wobei sehr stürmische Auftritte vorkamen, indem einige derselben erklärten, daß die Aufhebung des Termins ungerecht sei, da es eine offene Parteilichkeit zeigen werde. Zum Erstaunen kam bei dieser Sitzung auch noch ein' seltener und unerhörter Fall vor. Der Präsident ließ einen bekanntlich schon seit länger als 10 Jahren hecumwandernden Bettler, der mit einem Bart und Fuchspelz versehen ist und sich Abraham oder Meyer Rosenthat in Pommern (wo bekanntlich bis zum vorigen Jahr kein Rabb.war) nennt, kommen. Dieser Mensch, der schon seit mehren Wochen von jener Partei gut gefüttert wurde, soll ein Gutachten über zwei Kandidaten geben! Mir frecher Miene und verläumderischer Zunge sprach derselbe zu Gunsten des Einen, indem er zugleich behauptete, gegen die Andern irgendwo Schmähungen gehört zu haben. Bei diesen Scenen verließen einige Mitglieder des Komitees die Sitzung, indem sie erklärten, daß sie es unter ihrer Würde halten, in solcher Versammlung zu bleiben, und so löste sich die Sitzung am 1. auf, wurde aber am 2. wieder zusammen gerufen, wo Mehre zurückblieben und dadurch gelang es, den Wahltag bis zum 1 Decbr. auszusetzen. Allgemein wird das Vorgegangene verachtet und Viele die zu jener Partei gehörten, beweisen ihren Unwillen dadurch klar, daß sie sich nun zur zweiten Partei erklären. Die Zeit wird's lehren, ob Gerechtigkeit oder Gewaltthätigkeit siegen werden. — Der Israelit gewesene Scheriff, David Salomon, wurde in der Sitzung vom 27. v. M. als Aldermann gewählt, d. i. die nächste Stufe, Lord-Mayor werden zu können. Ob die Court of Alderman. nun wieder, wie vor 9 Jahren darauf bestehen werden, die alte Formel einer Deklaration beizubehalten, worin es heißt, erkläre als ein gläubi-ger Christ, die herrschende Kirche zu beschützen, oder ob selbe erlauben werde, zu sagen, erkläre als Königl. Unterthan und Bürger, ist noch nicht entschieden. Im ersten Fall soll Hr. D. S. vorbereitet sein, es im Wege Rechtens bis zur höchsten Instanz im Oberhause zu verfechten, m die Kosten auf 6 bis 8000 £ auflaufen können. Es ist diesem Ehrenmann nicht um die bloße Ehrmstelle, , sondern um das Princip, der Religion wegen nicht zurückgesetzt zu sein, zu thun. In einem hiesigen Blatt Moniing AdYeiliscr vom 30. v. oder l.d. ist ein sehr günstiger langer Artikel vom Redakteur, welcher einen Platz in Ihrem Blatte verdient. Deutschland. H amburg, 20. Sptbr. Heute erhielt ich m Schreiben eines mir seit langen Jahren befreundeten Christen, der im Herzogthume Schleswig wohnt und dessen Stimme in Schleswig-Holstein großen Einfluß hat. Er fordert mich auf, persönlich und durch meine Freunde und Glaubensgenossen dahin zu wirken, Mi die holsteinischen jüdischen Gemeinden rechtzeitig, womöglich bis zur Mitte des Oktobers, den dann versammelten holsteinischen Standen Petitionen des Inhalts' überreichen, daß die holsteinische Ständeversammlung nicht das Beispiel der schleswig'schen nachahmen, sondern im Gegensätze zu derselben die Militärpflicht ber Im den als erlaub t, gerecht und nothwendig anerkennen möge. Mein Freund erklärt, daß die Einreichung solcher Petitionen das einzige Mittel sei, den Juden zur völligen Emancipation zu verhelfen, und daß durch die Unterlassung dieses Schrittes jede derartige Hoffnung auch für die Zukunft gänzlich abgeschnitten werden würde. Ich werde mich sofort privatim an diejenigen meiner hiesigen Freunde und Bekannten, die zur Unterstützung eines solchen Zweckes ebenso geneigt als geeignet sind, wenden und so wie mir mein Freund das nahe Erscheinen einer solchen Aufforderung im hoer Wochenblatt von christlicher Seite her ankündigt,

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