Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1844)
- Date
- 1844-10-22
- Page
- Seite 329 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrgang Fünfter MS | Berichte, Studien und Kritiken I ’ ■ I! ■ + ■ | Jas Abonnement fuc | ein Zahn ist 5 Thlr» jj Mn abonnirtbei allen j «. Postämtern und | allm solid. Buchhandk tagen auf ein Jahr» für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Nr. Julius Fürst. 9 43 Leipzig, den 22. Oktober 1844. Inhalt. Großbritannien. London. Die Rabbinatswahl. Parteien und Umtriebe. Der Aldermann D. Salomon. — Deutschland. Hamburg. Ueber die Militärpflicht der holsteinischen Juden. Aufforderung. Breslau. Vertheidigung des Lehr- und Lese-Vereins. — Oesterreich. Prag. Der jüd. Privatunterricht. Die armen Lehrer und die reichen Herren. Prag. Die Petition der Bürger gegen die Juden. Zurückweisung der Beschuldigungen., — Freistaat Krakau. Kra kau. Das Gesetz über die deutsche Tracht. Die Chorschule. — Polen und Rußland. Warschau. Der deutsch-isr. Tempel. Dr. Goldschmidt. Schulwesen. Experimente der-Regierung. K a lisch. Ein neues Gesetz gegen die poln. Tracht. Gerücht von einer Exilirung der Warschauer Juden nach Praga. — Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Großbritannien. London/ 4. Oktbr. (Bericht über die Rabbinatswchl und Aufschiebung des Termins bis zum 1. Dcbr. a, c.) Das gewählte Konnte hielt ihre erste Sitzung am31. März, und bestimmte, daß Applikanten sich bis zum 31. Juli melden können, und erwählte endlich einen hiesigen Lehrer als Sekretär, zur Führung der deutschen Korrespondenz und Uebersetzung der hebräischen Dokumente. Es meldeten sich 13 Rabbiner, wovon das Konnte in einem Raport vom 5. August 4 Kandidaten als allen Eigenschaften und Bedingungen entsprechend, bekannt machte, und zwar 1) Dr. Adler, Rabb. zu Hannover, 0) Dr. Auerbach, Rabb. zu Darmstadt, 3) Dr. Hirschfeld, Rabb. zu Wollstein und 4) Rabb. Hirsch $ Emden. In diesem Bericht wurde der allgemeine Wahltag für alle Gemeinden im vereinigten Königreiche üuf den 13. Oktbr. festgestellt , um das Resultat am 16. Oktbr. bekannt werden zu lassen. Diesem Berichte P ein kurzer Auszug von sämmtlichen Zeugnissen, welche die vier Kandidaten eingereicht, beigefügt. Die Originale sollen 4 Wochen vor dem Wahltag zur Einsicht <lusgelegt -werden; der Präsident des Konnte, sagt M dem Berichte, daß die Uebersetzungen und Auszüge f° sorgfältig und u n parteiisch angefertigt worden, Mi er dem Sekretär seinen öffentlichen Dank zollt. ^bschon die Unparteilichkeit so besonders gelobt wurde, krblickle jeder gut Sehende, beim Anblick der Auszüge, Me augenfällige Parteilichkeit des Uebersetzers. Ob auf besonderes Geheiß, oder aus besonderer Absicht, darüber herrschen verschiedene Meinungen. Man sieht, daß der Sekretär alle seine Kräfte dem ersten Kandidaten gewidmet, und sich bemühete, jedem Privatbriefe und nichtsbedeutwder Bescheinigung einen besondern §. zu widmen, wahrend er, wahrscheinlich ermüdet, die nächstfolgenden zwei Kandidaten kurz abfertigt, indem er viele wichtige und kompetente Bescheinigungen in einen h zusammenpackt. Auch scheint es, daß Hr. Sekr. nicht weiß, daß ein Doktordiplom von der Universität nur dann ertheilt wird, wenn die Professoren in dem Abgangszeugnisse bekunden, daß der Srudirende ihre Vorlesungen gehörig besucht und dadurch gelernt hat, was zu seinem Fache gehört; hatte derselbe dieses gewußt, so wären die Anführungen von den Zeugnissen jedes Professors besonders überflüssig, und es würde nicht bekannt geworden sein, daß der erste Kandidat in Würzburg studirt und in Erlangen das Doktordiplom gelöst habe. — Es zeigte sich kurz darauf, daß der Komite-Präsident sich für den ersten Kandidaten interessire, weil dieser die Verwandtschaft eines seiner Freunde ausgesucht, und von einer hochgestellten, doch nicht kompetenten Person besonders empfohlen wurde. Es wurde dem Präsidenten nicht schwer, seine Freunde an der Börse blindlings zu gewinnen, und als seine Partei deshalb einstimmig war, glaubten sie ihrer Absicht gut zu thun, alle Interessenten dadurch zu betäuben oder zu blenden, wenn sie aussprengten, daß die allgemeine Stimmenmehrheit schon gewiß für Ihren Begünstigten entschieden, und dieser der Stelle gewiß sei. - 43