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Der Orient · 1844-10-15 · Heft 42 (15.10.1844) · p. Seite 324

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 42 (15.10.1844)
Date
1844-10-15
Page
Seite 324 (sequence 7)
Language
German
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324 dige Wort Gottes/ die heilige Schrift, ist unser Lenker und Leiter, unsere Geschichte, die Traditionz entreißet uns die Sprache in der sie sich verkündete und der Iesuitismus und das Pfaffenthum har geebneten Boden! Als vor Jweitausenden unsere Gebete in hebräischer Sprache abgefaßt wurden, war sie schon längst nicht mehr Volkssprache, alle öffentliche Vorträge wurden in syrisch-chaldäi- Äscher Mundart gehalten und man mußte beim Verlesendes Wochenabschnitts aus dem Pentateuch das Verlesene in einer Uebersetzung wiederholen (eine Einrichtung, die auch in unserer Zeit mehr als vieles andere Beachtung verdient). Ebenso wurde das Kaddi schg ebet, das zuerst nach den öffentlichen Vorträgen eingeführt wurde, auch chaldäisch abgefaßt, weil das Volk nur diese Sprache verstand (Vgl. die Tofafot zu Berach. 3 a), für die eigentlichen Pflichtgebete aber, die man doch nach dem eigenen Ausspruch der Mischna (Sota) in jeder Sprache reeitiren darf, wurde jedoch das Hebräische beibehalten, und zwar, um die biblische Schriftsprache, in deren erhabenem Style alle unsere Gebete, welche von dieser Periode datiren, geschrieben sind, dem Volke von Jugend an einzuprägen. Und wirklich war durch die heb. Gebete das Hebräische bis zur neuesten Zeit unsere zweite Muttersprache, denn Jeder trug von frühester Kindheit an den ganzen Sprachschatz der Bibel unbewußt mit sich herum, so daß die wirkliche Sprachkenntniß leicht zu erlangen war. Das Hebräische hat aber auch noch eine solche gemüthliche Erhabenheit, einen solchen tiefen präcisen Ausdruck, daß sich keine andere so zum Gebete eignet, daher auch unter den vier Sprachen des Alterthums für das Hebräische das Gebet vindicirt wird (Jerusch. Megilla Abschn. 1; Mid. Tillim S. 25). Die hebräische Sprache muß daher die Sprache der Synagoge bleiben und nur mit ernstem Willen unserer Religionslehrer kann sie ihre frühere Allgemeinheit wieder erlangen, daß keiner mehr klage, er müsse in einer unverständlichen Sprache beten; bis unsere Jugend zu diesem Standpunkte kommt, kann darauf hmgewiesen werden, daß alle Gebete, die nicht vorgetragen werden, und diese umfassen, mit Ausnahme des Kaddisch und der Keduscha alle Pflichtgebete, injeder verstänblichen Sprache gebetet w erden können. Nur durch eine solche Einrichtung, die in jeder Synagoge, in jeder Gemeinde, ohne Aufwand eingeführt werden kann, bleibt die Einheit und Einigkeit erhalten. Deutsche Lieder und Arien, wie wir sie hier und in andern Städten hörten, unterhalten, aber erbauen und erheben nicht, man lauscht auf die Töne, aber nicht auf die Worte. Waren es die recitativen Vorträge der Gebete wie htwn , mbx ‘p-fl u. dergl., welche zur Andacht stimmten, oder die herrliche Kol-Nidre Arie mit einfallenden Chören? Wie ergreifend wirkten die Chöre in der '»nn und in dem Gebete id(iq in deren leichte Melodien die ganze Gemeinde einstimmte, und wie unbeachtet gingen die Predigtlieder vorüber. Die. hiesige Synag.-Reform hat sich im Prinerp ja sogar allzustreng an den bisherigen Mtus gehalten, talmudischen Pflichtgebete blieben unverarl.. d e r t, nur von dem später Hinzugekommenen und besonders von den Pijutim wurde Vieles, als den Zeitbegriffen nicht mehr angemessen, entfernt. In dem täglichen Frühgebete wurde in Wyitt abgeändert, wie es auch die ursprüngliche Formel war (Vgl. Menachot43b). -Vondem GebeteD)IT) an Montag und Donnerstag wurden nur 2 Abschnitte (Dyn rOfr&D böQ beibehalten. Der Ursprung dieses sch alten Gebetes (nach Zunz 1. e. 376. A. a älter als Midrasch Tillim), beruht auf eine dunkele Sage, die alle Liturgißen erwähnen 10). Die Kaddischim werden nur vom Vorbeter recitirt; am Schlüße des Gottesdienstes wird vom Rabbiner ch sehr paffendes Potpourri, aus Talmudstellen ") vorgetragen, worauf alle Trauernde unisono 12) ein hierzu verfaßtes Kaddisch beten Daß die Trauernden das Kaddischgebet reeitiren solle» ist kabbalistischen Ursprungs und beruht auf dem Aberglauben, daß die Kinder die Seelen der Eltern durch das Kaddischgebet aus den Qualen der Hölle erlösen könnten. In der bekannten Legende, welche diesem Aberglauben zu Grunde liegt, (rp^x Qn KJn) ist das Kaddisch aber nicht genannt und diese beseligende Kraft wird den Worten 'n nN D"D beige- 10) Au beachten sind folgende Worte über dieses Gebetin 'p-b ms 1/ 37. im & pnom hjidd d-idin*1? s^cy nsnDDi >irn hdbc ddoin1? ms .nibny nn bmv ivon oy TDN’ty msriD in« pNty ny nm D’jjnriDD nb ddd^ in«) nbya1? "in^r ."D’DB lpn»3 11) Die stehende Formel ist wie folgt: b#W Ä nsi'^ nn ntu ntyyi rninD boyttr 'D ntyN 'üi ddn l^yi ' D^yn p hid oko idd^i . did dm to ,nmn min “nob * 'ui am ptya Dty did inDDrn ncte ."Vjb D’pns bw DiDjy jnaty yu mm mty um Ganz dem talmudischen Sinn entgegen übersetzt Herr Rabb. Stein (Ch. ha-Bajit, 123) das mit weiser Lehre und rnin /,War dein Wandel gut himieden". Uebersetzungen müssen aber nach dem Geiste des Textes unb nicht nach dem Geiste und der Anschauungsweise des Uckersetzers gemacht werden. 12) Diese Anordnung ist dem sefardischen Minhag entlehnt, welche schon I. Emden in ^niDy, S. 174 b zur - Nachahmung empfiehlt: nDD d*TODH Jiruo l&'W nbni , nnND inw n DQll ote on ddi dn# np^yi b pN&y nmn dw w nniüi nptffiD 13) Von dem Kaddisch de-Rabbanan liegen uns 3 Formeln vor, die bekannte deutsche, 'Vn Nrnn!? Tnyi 'Ul bM die portugies. Nmp ^2üb) mit dem gewöhn lichen bp, und die von Avignon und Karpent. ,-TWD mpl n^Jp-nD nosr>l 'Ul. Herr Rabb. Stein hat nun aber dieses Gebet eigends für die Trauernden eingerichtet, die portug. Formel zu Grunde gelegt, die Messiasstellen abgeschieden, und im letzten Stücke bpf statt die Na ' b einen „die Fromme n" supplirt, mit dem schönen passol' den Zusatz pn mbp p YODruxi jo b bpi

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