Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1844)
- Date
- 1844-10-15
- Page
- Seite 323 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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323 | Reliquie unserer heiligen Vorzeit geachtet und ihr Fortbestand l gesichert werden. Diese Sätze auf das Einzelne angewendet,?sind sowohl Ausdrücke wie Gebete, welche in den blutigen § Molgungs- und Leidens-Perioden Israels abgefaßt wurden, Niddas Gepräge jener barbarischen Zeit noch die milde Luft l gegenwärtigen Humanität überlebten, zu streichen. Hieher - gehören Gebete wie D'Bmn UN u. Dipl, - die auch *. wlCf(td? yon N. Stein aus der Reihe der Gebete gestrichen $ Mdem Hingegen sind. Gebete, die, wie das ü'jjD DN"1, Ititie allgemeine Erleichterung für die Leiden Israels erflehen, beizubehaltenz denn die wenigen Länder, in denen die Israeliten vollkommen emancipirt sind, abgerechnet, schmachtet der größte Theit unserer Glaubensbrüder, besonders in den slawischen Mern und in Asien und Afrika, in mittelalterlicher Bedeckung. Die jüdischen Gebete haben aber unverkennbar den Srempel der allgemeinen religiösen Verbrüderung; wir beten nicht für unsere mdividullen Bedürfnisse ö), sondern für das Allgemeine; wir betrachten uns wie eine Familie, deren ein- Me Glieder in alle Welten zerstreut sind, und die Schmerzen l und Leiden des Einzelnen durchzuckt alle Theile, die mit ihm | durch die Bande des Glaubens vereint sind. Der freieste Israelit, in dem freiesten Lande, kann daher in solche Gebete rinstimmen und nur Feigheit und sklavische Schmiegsamkeit kW Solches zu verdächtigem suchen.— Gebet e, die auf ein I recipirteö Sp* tn cip Hinweisen, müssen in ihrer ^Integrität erhalten bleiben, also die Messiasidee A miß, wie sie war, der Grundtypus aller Gebete bleiben^), j Son den Propheten ausgesprochen, wurde die Messiasidee ein Gegenstand der verschiedensten Reflexionen, bald eine all- 1^ gemein menschliche, bald eine speciell jüdische, bald war es E ein geistiger, bald ein körperlicher Messias; aber ausgenommen | mürbe diese Idee und als das Endziel aller Wünsche und f Hoffnung in dm Gebeten dargestellt, noch lange ehe sie von ^Maimuni zum Grundprincip der Glaubenswahrheiten gemacht wurde. Wir mögen daher Maimuni beistimmcn f oder nicht, so .bleibt es nichts destoweniger eine historische | Wahrheit, daß die Messiasidee von der zweiten Tempelgesmemde an im Volksglauben tief wurzelte und dieser Glaube hielt es aufrecht in den Zeiten blutiger Prüfung: den Blick f ^ch Oben gerichtet, gab es seinen Leib den Martern seiner $ langer preis, während sein Geist in der Freiheitsidee glücki licher messianischen Zeiten schwelgte.? Von weniger Wichtigkeit ist das vielfach geäußerte Be- Wen gegen die Ausscheidung aller Ausdrücke, die eine Wief dorherstellung des blutigen Opferkultus erflehen. In den Gebeten t a l m u d i s ch e r A b f a s s u n g finden sich wenige Spuren, i ( 8) So rühmt der Midrasch (Beresch. Rabba, S. 1:10) i ^israelitischen Gebete, weil sie nicht die nächsten Bedürfnhse, sondern das Entferntere und Höhere berücksichtigen: Liyn\ : p^n n8n n:PN nn: bw jn^Dn b bv jnbn b , njdnnbsp.nD , Njna .NBnpo no ^rv nö , rib by n^n dielsich hierauf beziehen; das Gebet hat zwar die Formel btaw WN1, welche aber, so wie das rnDyn hn ein späterer Zusatz ist (Vgl. Zunz l. e. 368 Anm. b), und außerdem fehlt diese Formel in andern Siddurim (s. unsere Anm. 4). Die Hauptstelley für den Opserkultus sind in den Musafgebeten U'NO'N niJünp nx j&b nwyyüVfi, deren talmudische Abfassung aber nicht erwiesen ist; denn das Mussafgebet wurde schon während des Tempels gebetet (s. Anm. 1), in welcher Periode das Gebet uwEn ODB) doch nicht abgefaßt sein kann. Nach der Zerstörung kann allerdings das Gebet MDB', hinzugekommen sein und Rapaport (Kalir, S. 117) vermuthet wirklich, daß Nab und Samuel Solches verfaßt hätten, allein eine spätere Midraschstelle min pipü \m jbüDnUZnpnb (Wajikra rabba, 163) hebt die Formel y'NO'N NU^Ip auf. Wir wollen hiermit keineswegs in Abrede stellen, daß in der talmudischen Periode der ideale Gottesdienst noch nicht ganz durchgedrungen war, und man Tempel ohne Opferdienst für unmöglich hielt, °) nach unfern geläuterten Begriffen von der Gottesverehrung aber ist der Opferkultus je weder zu erwarten noch auch zu erbitten. Wir wenden uns zu den Hauptfragen, ob nämlich die Gebete in der Landessprache gehalten werden sollen, ob einen Theil derselben, oder ob die Absingung einiger deutschen Lieder dem Bedürfnisse entspreche. Von allen denjenigen, die ein durch Selbstdenken erleuchtetes Judenthum ^wünschen, d. h. ein Judenthum, welches alle seine Bekennner durch ein innniges Durchdrungensein von seinen ewigen Wahrheiten erleuchten soll, wird auf die Erhaltung der hebräischen Gebete gedrungen. Die heb. Gebece erhalten die heb. Sprache und die heb. Sprache stützt ujnd erhält die Religion. Das jüdische Volk, welches wie die Seepflanzen in allen Zonen des Weltmeers gedieh, schöpfte unter verheerenden Orkanen und versengenden Gluthen, frische Kräfte des Wachsthums aus dem lebensfrischen Born seiner Sprache und der heiligen Bücher; nehmet ihm die Sprache, und die Religion verliert ihren mosaischen Farbenglanz und die heil. Schrift hört auf ein Gemeingut zu sein. Ohne Staat, ohne Geistlichkeit und ohne Dogmen, hat sich die jüdische Religion nur durch die allgemeine Kenntniß ihrer Glaubensquellen erhalten, und ein blinder Autoritätsglaube kann da nicht aufkommen, wo der Kleinste in Israel gleich dem Größten aus Einer Wahrheits- und Wcisheitsquelle schöpft; denn nicht durch Lehrsätze, sagen wir mit Jean Paul, sondern durch die Bibel keimet lebendige Religion auf. Wir haben keine Päpste und Kardinäle, keine Konklave und Koncilien, nur das leben- 9) Konnte man sich doch noch im 13. Jahrhundert nicht von der Opferidee trennen, und Mancher wollte auch ohne Tempel den blutigen Kultus Herstellen, so lesen wir im Kastor u-Ferach, 22 b: “jn3 btt -)DN yy& nJBa Nin? , Nb ibn bi wyn b'un .ntn ]dts nump nnp1'^, ww vpub rmy 42*