Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1844)
- Date
- 1844-10-08
- Page
- Seite 319 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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319 I I hei den bestehenden Verhältnissen nicht zeitgemäß und deswe- I gen auch keine heilsamen Holten^ herbeiführen wird. I Brody hat, als mit derÄÄsten Handelsplätzen Europas verkehrende Freistadt, sich den industriellen Bestrebungen ergeben und darüber an dem religiösen Entwickelungskampfe ihrer Brüder wenig Antheil genommen. Doch eben dieses auf rein materiellen Erwerb beschränkte Leben hatte jenen Egoismus zur Folge, der desonders unter der Jugend als widrige , Erscheinung austaucht, und um so mehr abstößt, als er mit dem loyalsten Gesinnungen und den edlen Handlungen einiger Veteranen einer frühern, besseren Zeit im krassesten Widerspruche steht.- Hoffen wir, das dies nur eine Uebergangsepoche sei, und daß die von der Außenwelt eben nicht verwöhnten Juden ernstlich daran denken, in ihrer eigenen Mitte die Keimen rein germanischer Gesittung zu pflegen, aber die moralisch religiöse Grundlage dabei nicht aus den Augen verlieren. (Beschluß folgt.) Urkunden zur Geschichte der Juden im Mittelalter. i. Znnocenz IV. ertheilt den Juden in der Christenheit folgende Urkunde, um sie gegen die Anschuldigungen, daß sie zu ihrem Osterfeste Christenblut brauchen, zu schützen. Lyon, 1248. 3. Juli. Papst Jnnocenz, Knecht der Knechte Gottes, ertheilt dm in Deutschland angestellten hochwürdigen Vätern, Erzbischöfen und Bischöfen seinen apostolischen Gruß und Segen. Wir haben aus Deutschland die betrübende Kunde erhalten, daß man in Eueren Städten und Diöcesen bedacht ist, die Güter der Juden auf eine widerrechtliche Weise an sich zu reißen, und zu solchem Zwecke bösliche Rathschlage ersinnet und mancherlei Anklagen erdichten, und ohne wohlweislich zu überlegen u. zu erwägen, daß den Juden in gewissem Betracht die Hut des christlichen Glaubens anvertraut war; daß sie das Gebot der heil. Schrift haben: „Du sollst nicht tödten" und daß es ihnen gesetzlich untersagt ist, bei der Pesach-Feier Leichen oder dergleichen zu berühren, bürdet ihnen man auf —sie verzehrten gemeinschaftlich das Herz eines gemordeten Kindes — indem man glaubt, also sei es in ihrem Gesetzte vorgeschrieben, was sich doch geradezu entgegengesetzt verhält, mb ihnen rechnet man es zur Schuld, wenn irgendwo eines Menschen Leichnam gesunden wird. Unter diesen und dergl. Erdichtungen bedrückt man sie in Dingen, worüber sie weder gehörig angeklagt noch deren sie geständig oder überführt swb, und ungeachtet der ihnen vom apostolischen Stuhle gnädigst verliehenen Privilegien, ja, gegen göttlich und menschliches Recht, werden sie all' ihrer Habe beraubt, so daß genannte Juden in einer drückendern Lage als ihre Väter unter Pharaonen in Egypten, sich gezwungen sehen, die seit undenklichen Zeiten von ihnen und ihren Vorfahren bewohnten legenden jammervoll zu verlassen. \ dieser Furcht vor ihrer Ausrottung haben sie ihre Zuflucht! der Fürsorge des apostolischen Stuhles genommen. Wir aber j Erbieten hiermit jede ungerechte Kränkung besagter Juden, deren Bekehrung der Barmherzigkeit Gottes anheim gegeben Innoeentius episc. servus servorum dei, Venerabilibus patribus, archiepiscobis, episc. per Alemaniam constitutis salutem apostolicam benedictionem. Lacrimabilem judeoruni Alemaniae recepimus questionem, quod nonnulli vestrarum civitatum et diocesum, ut eorum bona injuste diripiant et usurpent, adversus ipsos impia consilia cogitantes ac fingentes accusioncs varias et diversas non considerato prndenter quot quasi ex archivis eorum christianae üdei testimonia prodierunt. fScriptura divina inter alia mandata legis dicente „nori oeeides" ac prohibente illos in solcmnitate paschali quiquam morticinium non contingere false imponunt eisdem quod in ipsa solemnitate se corde pueri interfecti communicant, credentes id ipsam legein praecipere, cum dicto legi contrarium manifeste. Ac eis malitiare objiciunt hominis cardaver mortui si contigerifc illud allicubi reperiri, et per haec et alia quamplura ügmenta sevientes in ipsos, eos super bis non accusatos, non confessos, non convictos contra privilegia illis ab apostolica sede dementer indulta Spoliant contra deum et jusfcifciam omnibas bonis suis, quod iideni Judaii quasi existentes deterioris conditionis quam eorum patres sul> Pharaone in Egypto, coguntur de locis inhabitatis ab eis et suisantecessoribus a tempore cujus non exstat memoria miscrabiiiter exulare. linde suum exterminium mefcuentes tluxerunt ad apostolicam sedis providentiam recurrendum. Nolentes igitur praefatos Judaeos injuste vexari, quo-