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Der Orient · 1844-10-08 · Heft 41 (8.10.1844) · p. Seite 317

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 41 (8.10.1844)
Date
1844-10-08
Page
Seite 317 (sequence 9)
Language
German
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h I eigenen Vortheils vernimmt (nicht erkennt), völlig unbenommen, zu Gunsten Anderer, aus rücksichtsvoller Schonung für sie, auf manche Ausbreitung seiner Wirksamkeit großmüthig zu verzichten. Eine vielleicht näher liegende Bezeichnung für -ie „Richtung" ist der „Beruf". Wie nun die Richtung M der Beruf das Individuum mit seinen Kräften sich ungeordnet, zeigt sich in gewissen Fällen mit besonderer Entschiedenheit. So z. B. bei der Tapferkeit, die^ sogar dem Lodschlag eine Weihe giebt, und Ln den Zeiten, wo sie zu ganz besonderer Geltung kam, selbst bei ihrer so eigentlich tödtlichen Wirksamkeit, als selbstständige, für sich genügende Richtung eines Menschen (des Ritters), als Beruf sich darstellen konnte. So ist es denn selbst des humansten Fabrikanten „Be ruf", :bte ihm eigenthümlichen Geld- und sonstigen Kräfte, wenn er dazu geneigt ist, und seine Rechnung dabei zu finden glaubt, für Erweiterung seines Geschäftsverkehrs anzuwenden, und die bittern Ausfälle W's in dieser Beziehung dürften sich nicht leicht rechtfertigen lassen." (Beschluß folgt.) mel — Mitglied des Triumvirats — fürchtete unter der Last der Judensteuer erliegen zu ^müssen, und hat daher sein Quorum um ein Bedeutendes herabgesetzt. Die armen Schullehrer und Gehilfen müssen dem reichen von La mel die Bürde tragen helfen! Ich will keineswegs damit sagen, , daß unsere Reichen von dem Leibzoll sich ganz zu befreien suchen, sondern daß der Schwerpunkt immer auf der minder begüterten Volksklaffe lastet und daß dieses Misverhallniß in der Repartition das Bestehen des Leibzolles fördert und erhält. Die Reichen würden gewiß eine Modifikation — mehr als eine Modifikation würde das Finanzministerium nicht gestatten zu erwirken streben, wenn der Leibzoll von ihrem Blute genährt, mit ihrem Schweiße getränkt wäre. Und endlich die Fleifchkreuzertaxe! Diese ist den meisten Reichen, die längst ihr Votum für die Gleichstellung nichtjüdifcher Fleischbänke gegeben, eine terra, incognita, und die ganze Last derselben ruht mehr auf der bemittelten und armen Volksklasse. \ Freistaat Krakau. b Krakau, Sptbr. Auf dem Landtage zu Krakau soll der Beschluß gefaßt worden sein, in der nächsten? Session (also nach einigen Jahren?) auf die Berathung t über die vollständige Emancipation der Juden zurückzut kommen. Bei dieser Gelegenheit wird erinnert, daß schon im Jahre 1788 der polnische Reichstag mit demselben Plane umging, daß aber derselbe eben so wie die Kon- | stimtion vom 3. Mai 1791 überhaupt an der zweiten l Theilung Polens scheiterte. — Wahrhaft grausenerregend i ist gerade jetzt die Lage der Juden in Rußland und Por!en. Möchten doch bald Ereignisse eintreten, die jeden Zweifel an dem Siege der Gerechtigkeit bannen. ' l Oesterreich. k Prag, 1. Oktbr. Die gegenwärtige Direktion der; Verwaltung der böhmischen Judensteuer überbietet noch! dm milden Sinn ihrer Vorgängerin. Früher waren die j. Lehrer und Gehilfen an der hiesigen Hauptschule von der Entrichtung der sogenannten Fleischkreuzec befreit; r das neue Triumvirat fand es aber für gut, die fungit renden Lehrer blos der F l e i sch kreuzer zu ^entheben, zur Zahlung der Geflügeltaxe aber sie zu nöthigen, und bei den Gehilfen den frühern Gebrauch gar nicht zur Anwendung kommen zu lassen. Die Herren, sonst nicht st streng wortgläubig, halten sich an ven Wortlaut des k Gesetzes, welches die jüdischen Lehrer von der Zahlung \ der Fleisch kreuzer befreit. Man sieht, das Trium-! ^cat öeigt sich als würdiger Exekutor des humanen Testal wentes der Kaiserin Königin Maria Theresia. Doch die Herren Direktoren haben auch durch Erleichterungen üs Antreten ihres Amtes angekündigt. Hr. von Lä- Brody, 3. Oktober. In einigen Tagen wird eine treffliche Schrift über die galizischen Juden ausgegeben werden, aus der ich, durch die Güte des Herrn Verlegers (Reclam jun.), folgenden Auszug den Lesern zu liefern im Stande bin. Die Vertrautheit des Herrn Verfassers mit den Anständen der galizischen Juden spricht aus der Schrift deutlich genug, daß wir seinem Berichte Vertrauen schenken dürfen. „Von einigen eifrigen Aposteln der Civilisatkon wird dieser Stadt gegenwärtig ein unseliger Rückschritt zum Vorwurfe gemacht. Als Belege werden angeführt: Die außerordentliche Lauheit der einst so feuerigen Vertheidiger der Aufklärung, der Verfall der hiesigen Realschule, das Streben mancher Befferdenkenden, gewisse gesellschaftliche Vorurtheile beizubehalten, und vorzüglich eine auffallende Annäherung an die einst gemiedenen und angefeindeten Obskuranten. Wir wollen sehen, welcher Theil dieser Vorwürfe der unparteilichen Stimme der Wahrheit und welcher der wohlgemeinten, aber unüberlegten Fortschrittsmanie zuzuschreiben sei. Die sich darbietenden Fakta können theilweise angenehm und für die Zukunft vielversprechend sein. Der Erziehung, dieser Wurzel eines kräftigen Molksstammes, diesem - Grundbaue der werdenden Generation, wird von vielen und, was vielleicht eine gute Rückwirkung aufs Volk zu haben vermag, reichen Gemeindegliedern die größte Sorgfalt gewidmet. Ihre Söhne werden außer dem Talmud in fremden Sprachen und Wissenschaften unterrichtet. Die Töchter erhalten lobenswerthe Anweisungen, gute Gattinnen', Mütter und Hausfrauen zu werden. Der Wohlthätigkeitssinn, diese zarte Blüthe edler Herzen, ist mit Liebe und Umsicht gehegt. Ein herrliches Monument der Mildthätigkeit ist das vom seligen Herrn Jüdel Nathanson gegründete und glänzend dotirte israelitische Krankenhaus. Wer im Uleberflusse noch des Dürftigen sich erinnert, wer durch Begründung eines wohlthuenden Instituts sich einen Tempel des Dankes in jeder Brust erbauet,

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